Vor EZB-Sitzung
Sicherheit bleibt am Devisenmarkt Trumpf

Nur kein Risiko eingehen - das scheint am Tag vor der Ratssitzung der EZB das oberste Gebot für die Anleger am Devisen- und Rentenmarkt zu sein. Zum Nachteil spanischer und italienischer Papiere.
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FrankfurtDer Euro gab auf 1,2565 von rund 1,26 Dollar am Vorabend in New York nach, während die als sicher geltenden deutschen Staats-Bonds gefragt blieben. Der Bund-Future zog um bis zu 72 Ticks auf 142,18 Punkte an. "Der Markt hat sich scheinbar auf eine Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent durch die EZB eingestellt", erklärte Paul Robson, Währungsstratege bei der RBS in London, die Entwicklung. Die Umsätze an den Finanzmärkten waren allerdings gering, da die US-Börsen wegen des Unabhängigkeitstages geschlossen blieben.

Um dem Euro einen Schub nach oben zu geben, wären schon zusätzliche Liquiditätsspritzen nötig, fügt Robson hinzu. Die EZB hatte im Dezember und im Februar die Märkte über Drei-Jahres-Tender mit insgesamt rund einer Billion Euro versorgt. Zunächst hatte dies auch die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen zeitweise gedrückt - doch nach einigen Wochen verpuffte die Wirkung. Viele Börsianer teilen zudem die Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde, die eine Wiederbelebung der Anleihekäufe durch die EZB angeregt hatte. Doch dies dürfte im Rat nur schwer durchsetzbar sein. So hält EZB-Ratsmitglied Klaas Knot nichts von einer Reaktivierung dieses umstrittenen Programms. "Das Anleihenkaufprogramm befindet sich im Tiefschlaf und wird es auch bleiben", sagte der Chef der niederländischen Notenbank in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Elsevier".

Zudem konnte der endgültige Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor in Deutschland die Anleger nicht überzeugen. In der größten Volkswirtschaft des Währungsraumes kommt die Schuldenkrise inzwischen an: Der Index des Markit-Instituts fiel auf 49,9 Punkte von 51,8 Zählern im Mai und rutschte damit knapp unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Somit treten die Dienstleister in Deutschland zum ersten Mal seit acht Monaten praktisch auf der Stelle. Dies belastete den Euro etwas, stützte den Bund-Future Händlern zufolge aber zusätzlich.

Denn auch am Rentenmarkt gingen die Anleger wieder auf Nummer Sicher. Dabei kam die Auktion von Bundesobligationen vielen gerade recht. Der Bund verkaufte fünfjährigen Papiere im Volumen von 3,3 Milliarden Euro und zog bei einer 2,7-fachen Überzeichnung deutlich mehr Käufer an als im Juni, als ähnliche Papiere nur 1,6-fach überzeichnet waren. Eine solche Quote sei "spektakulär", erklärte Michael Leister, Zinsstratege von der DZ Bank.

Die Kurse der spanischen und italienischen Anleihen brachen um je rund 80 Ticks ein. Entsprechend zogen die Renditen bei beiden Papieren wieder an. So rentierten die zehnjährigen spanischen Bonds am Nachmittag wieder mit 6,36 (Vorabend 6,27) Prozent und die entsprechenden italienischen Anleihen mit 5,73 (5,64) Prozent. Die Rendite der irischen zehnjährigen Staatsanleihe lag bei 6,27 Prozent und damit sogar unter den spanischen Renditen. Die Regierung in Dublin will am Donnerstag erstmals seit September 2010 bei den Anlegern wieder frisches Geld einsammeln. Zudem steht am Donnerstag auch eine Auktion spanischer Anleihen auf den Terminkalendern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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