Vor G7-Treffen: Notenbank in Tokio redet den Yen schwach

Vor G7-Treffen
Notenbank in Tokio redet den Yen schwach

In Japan sind die Zinsen so niedrig wie in keinem anderen entwicklten Land. Das schächt die Währung und die Wirtschaft kann günstiger exportieren. Im Vorfeld des Treffens der G7-Finanzminister rangeln Europa und Japan nun um den Wert der asiatischen Währung.

fmk/mzi TOKIO. Ein Mitglied des Zinsausschusses der japanischen Notenbank deutete am Donnerstag in Tokio an, dass die Bank of Japan (BoJ) ihren lange erwarteten Zinsschritt weiter aufschieben wird. Der Yen gab daraufhin zu Euro und Dollar nach.

Die Bemerkung des Notenbankers Hidehiko Haru kam nur einen Tag vor dem Beginn des Treffens der Finanzminister der sieben führenden Industrieländer (G7) in Essen. Deutschland und Frankreich hatten sich dafür stark gemacht, den niedrigen Yen-Kurs auf die Tagesordnung des Treffens zu setzen. Analysten zufolge haben die Märkte sehr genau darauf geachtet, ob die BoJ ihre Zinspolitik vor dem G7-Treffen zum Thema mache.

Mit 0,25 Prozent sind die Zinsen in Japan so niedrig wie in keinem anderen entwickelten Land. Niedrige Zinsen schwächen die Währung. Bei schwachem Yen kann die japanische Industrie günstiger exportieren, was ihr einen Wettbewerbsvorteil bringt. Die Zentralbank zögert mit einer Zinsanhebung schon seit Monaten. Sie fürchtet offiziell eine Abwärtsspirale der Preise, will aber auch die Exporte nicht gefährden.

Notenbanker Haru hatte in einer Rede gesagt, es gebe in Japan keine Anzeichen für Inflationsgefahr und daher auch keine Eile für eine Zinserhöhung. „Die Bemerkung scheint auf eine Verzögerung des Zinsschritts auf das Quartal von April bis Juni hinzuweisen“, sagte Xing Wei von der Shinsei-Bank. Die Credit Suisse stufte die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Zinserhöhung um sechs Prozentpunkte auf 40 Prozent herunter. Die nächste Zinsentscheidung der BoJ wird am 21. Februar fallen.

Haru sagte vor Journalisten weiter, dass ein schwacher Yen gut für die Wirtschaft sei. Die Bank of Japan ist nicht unabhängig, sondern gesetzlich zur Harmonie mit der Wirtschaftspolitik der Regierung verpflichtet und mit dem Finanzministerium verschränkt. „Die japanische Binnennachfrage kommt nicht in Gang, und die Wirtschaft hängt vor allem vom Export ab. Die Wechselkurspolitik ist der Schlüssel, mit dem die japanische Politik das Wachstum stimulieren will“, sagt Joseph Quinlan, Chef-Marktstratege bei der Bank of America.

In den vergangenen Tagen hatten die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs und Luxemburgs davon gesprochen, dass der Yen Gesprächsthema der G7 sein könnte und auch in der Abschlusserklärung des Treffens als Problem erwähnt werden könnte. Analyst Toru Umemoto von Barclays Capital weist jedoch darauf hin, dass die G7 nicht viel Konkretes tun können, um den Yen aufzuwerten. Zudem zeigten die USA keine Neigung, die Europäer zu unterstützen. „Tokio ist ein fester Partner im Kampf gegen den Terror. Ich würde zwar nicht sagen, dass sie in den USA deshalb einen Freifahrtschein haben, aber gegenüber China wird Japan definitiv bevorzugt“, sagt Quinlan.

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