Vor Sondergipfel
Euro-Anleger schalten wieder auf Krisenmodus

Kurz vor dem Sprung über die Marke von 1,40 Dollar wird der Euro von der Schuldenkrise eingeholt. Eine Herabstufung Spaniens lastet auf dem Kurs. Weitere Enttäuschungen könnte der Euro-Sondergipfel am Wochenende bringen.
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FrankfurtEinen Tag vor einem Sondergipfel der Euro-Zone ist die europäische Staatsschuldenkrise an den Renten- und Devisenmärkten wieder zum beherrschenden Thema geworden. Dazu trug laut Händlern die Herunterstufung der Bonitätseinschätzung Spaniens durch die Ratingagentur Moody's bei. „Die Unsicherheit vor dem Euro-Treffen am Freitag sorgt für einen unruhigen Handel“, sagte Währungsstrategin Jessica Hoversen von MF Global in Chicago.

Der Euro fiel am Morgen auf bis zu 1,3806 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter seinem US-Vortagesschluss. Der Bund-Future stieg um bis zu 67 Ticks auf 122,26 Zähler, während die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige Bundesanleihe mit bis zu 3,26 Prozent rentierte.

Die 17 Mitgliedsstaaten der Euro-Zone wollen am Freitag über die Bewältigung der europäischen Staatsschuldenkrise und die Zukunft der Gemeinschaftswährung diskutieren. Im Fokus dürfte dabei die Ausweitung des Rettungsfonds EFSF und ein Pakt für Wettbewerbsfähigkeit stehen. Analysten erwarten jedoch keinen Befreiungsschlag. „Wir werden wohl eine gemeinsame Erklärung, aber noch keine detaillierten Schritte geliefert bekommen. Das wird für Enttäuschung sorgen und auf dem Euro lasten“, sagte Cyrus de la Rubia, Volkswirt bei der HSH Nordbank. „Wird die Stellungnahme zu weich formuliert, fassen die Finanzmärkte kein Vertrauen.“

Moody's senkte seine Bonitätsnote für das mit Haushaltsproblemen kämpfende Spanien auf „AA2“ von „AA1“. Der Ausblick fiel ebenso wie kürzlich bei der Ratingagentur Fitch negativ aus. Moody's begründete den Schritt mit dem hohen Finanzierungsbedarf des Landes und den hohen Kosten für die Reform des Bankensektors. Die Kosten zur Absicherung spanischer Schulden mittels fünfjähriger Kreditderivate (CDS) stiegen dem Datenanbieter Markit zufolge um zehn Basispunkte auf 260 Basispunkte.

„Die Nachrichten zu Spanien und die technische Situation haben den Kursrückgang des Euro ausgelöst“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Bei der Marke von 1,3850/60 ist eine wichtige Unterstützung gebrochen. Wir sehen aber noch keine Trendwende, sondern eine Korrektur der jüngsten Aufwärtsbewegung.“ Wortberg zufolge sind am Markt allerdings die jüngsten Zinserhöhungsfantasien wieder verpufft, die den Euro über die Marke von 1,40 Dollar gehoben hatten. Auslöser dafür waren Aussagen des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet über eine schon im April mögliche Zinserhöhung. Zu Jahresbeginn war ein Euro noch für unter 1,30 Dollar gehandelt worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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