Wachsende Sorge über US-Kreditkrise
Risikoscheu treibt den Yen

Nervöse Investoren haben gestern verstärkt Yen für US-Dollar gekauft, so dass die japanische Währung auf ein neues Jahreshoch gestiegen ist. Zeitweise fiel der Dollar unter die Marke von 110 Yen. „Wir rechnen damit, dass damit eine Phase des starken Yens beginnt, die bis Anfang nächsten Jahres anhält“, sagt Koji Fukaya, Chef-Devisenexperte der Deutschen Securities Tokio.

TOKIO. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Als Hauptursache gilt die Unsicherheit am US-Kreditmarkt, die institutionelle Investoren wie auch Privatanleger vorsichtig werden lässt. Marktbeobachtern zufolge lösen viele Hedge-Fonds ihre Carry-Trades auf. Bei diesen Spekulationsgeschäften versuchen Anleger, Gewinne zu erzielen, indem sie sich in einer niedrig verzinsten Währung wie dem Yen verschulden und das Geld höher verzinst in den USA oder Neuseeland anlegen. Zinsgeschäfte mit Yen lohnen aber nur, wenn er billig bleibt. Leiht sich ein Investor eine Summe in Japan zur Anlage im Ausland, muss er diesen Kredit später zurückzahlen. Steigt der Yen zwischenzeitlich, geht die Rechnung nicht mehr auf. Somit sei es die Angst vor einem steigenden Yen, die derzeit den größten Aufwärtsschub für die Währung bringe, betont Experte Fukaya.

Zudem besinnen sich Japans Kleinanleger offenbar wieder auf einheimische Aktien, denn sie verringerten ihre Neuinvestitionen im Ausland. Der monatliche Kapitalexport sei seit dem Frühsommer um mehr als 800 Mrd. Yen zurückgegangen, sagt Fukaya. Bis zum Jahresende rechnet der Devisenexperte mit Wechselkursen um 108 Yen pro Dollar und 157 Yen pro Euro. Für das erste Quartal des kommenden Jahres hält er Kurse zwischen 105 und 110 Yen pro Dollar für möglich.

Die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen in den USA sei ein wichtiger Faktor, meint Fukaya. Denn je niedriger der Leitzins in den USA ist, desto geringer fällt die Zinsdifferenz zu Japan aus. Es lohnt daher nicht mehr so sehr, Yen für Dollar zu verkaufen, um in Amerika zu investieren. Die Bank of Japan (BoJ) entscheidet ihrerseits heute über eine Anpassung des Leitzinses. Eine Erhöhung gilt jedoch angesichts der weltweit schlechten Nachrichten aus der Finanzwelt als ausgeschlossen. Devisenexperten von Barclays Capital erwarten, dass der Markt die Zinssitzung und die anschließenden Kommentare von Notenbankpräsident Toshihiko Fukui weitgehend ignoriert.

Gestützt wird die Yen-Aufwertung auch durch Japans positive Handelsbilanz. Allein im September ist der Leistungsbilanzüberschuss um 40 Prozent gestiegen, wie aktuelle Zahlen des Finanzministeriums zeigen. Zumindest langfristig sollte das die japanische Währung stärken und den Dollar schwächen. Doch die guten Geschäfte der japanischen Unternehmen in den USA zeigen gleichzeitig die Probleme, die mit einer Yen-Aufwertung verbunden sind. Japanische Waren werden in Amerika teurer, zugleich sind die dort erzielten Gewinne der Japaner daheim nicht mehr so viel wert. „Die Exporteure haben sich für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres bis März mehrheitlich schon auf einen stärkeren Yen eingestellt“, sagt Fukaya.

Der japanische Aktienmarkt reagiert bereits kräftig: An der Börse Tokio schloss der Nikkei gestern bei 15 197 Punkten – ein Minus von 2,5 Prozent.

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