Wachsender Bedarf an Bio-Sprit treibt den Preis
Zucker wird immer teurer

Die geplante Reform der europäischen Zuckermarktes und der wachsende weltweite Bedarf werden den Preis für den Rohstoff Zucker weiter nach ober treiben – und das, obwohl er schon in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen ist.

LONDON. ie Zuckernachfrage steigt vor allem, weil die Bedeutung von Biokraftstoffen wächst. Aus Zucker wird Ethanol-Benzin gewonnen, der vor allem in dem wichtigen Produktionsland Brasilien weit verbreitet ist. Die Preisrally verstärken zudem Spekulanten, die auf steigende Notierungen wetten.

Seit Juli legte der Preis um etwa 30 Prozent zu. „Die Preisrally ist spektakulär“, meint Ingrid Sternby von Barclays Capital in London. Seit etwa drei Jahren hatte sich der richtungsweisende Zuckerkontrakt No. 11 an der New Yorker Warenbörse (NYBOT) in einer Preisspanne von sechs bis acht Cent je Pfund bewegt. Heute notiert er mit über zwölf Cents auf dem höchsten Stand seit 1998. Etwa zwei Drittel des Weltzuckerbedarfs wird aus Zuckerrohr, der Rest durch den Rübenanbau gedeckt.

Das spekulative Element fehlt freilich auch bei dieser Zuckerhausse nicht. Die offenen Positionen der Spekulanten sind groß. Entschließen sich diese zu Gewinnmitnahmen, könnte der Preis zumindest vorübergehend stark einbrechen. Doch eine Reihe von grundlegenden Faktoren in dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, lässt Analysten von einem über die nächsten Jahre steigenden Zuckerpreis ausgehen.

Einigkeit herrscht darüber, dass wegen der rapide steigenden Benzinpreise die Rolle Zuckers als Ethanol-Kraftstoff in Zukunft eine größere Rolle spielen wird als bisher. Die Verarbeitung von Zucker zu Biokraftstoff war bislang hauptsächlich auf Brasilien beschränkt gewesen; dort geht bereits die Hälfte der Zuckerproduktion in die Ethanol-Verarbeitung. Über die Hälfte aller Neuwagen werden schon mit entsprechenden Motoren ausgerüstet. Der wachsende heimische Bedarf wird damit auch den Zuckerexport des Landes belasten, was die Wetten der Spekulanten stützt.

Mit Genugtuung registrierten sie auch, dass US-Präsident George Bush jetzt den Bau von Produktionsanlagen für Ethanol-Benzin in gleich vier Südstaaten fördern will. In Großbritannien, müssen die Ölgesellschaften bis 2010 mindestens fünf Prozent ihres Angebots in Form von Biokraftstoff bereitstellen. „Weltweit“, so sind sich die Marktforscher des Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) sicher, „wird Zucker künftig verstärkt zum Energieträger werden.“

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