Wachstumsenergie Nummer eins
Schlüsselrolle für Erdgas

Erdgas gilt bei der Mehrzahl der Experten als Wachstumsenergie Nummer eins. Großes Absatzpotenzial zeichnet sich vor allem in der Stromerzeugung und im Verkehrsbereich ab. Der Rotterdamer Energieprofessor Peter Odell schätzt sogar, dass das Erdgas um die Mitte des 21. Jahrhunderts zum bedeutendsten Energieträger der Welt werden könnte.

DÜSSELDORF. Odells gewagte Prognose: Um das Jahr 2100 soll Erdgas zweieinhalb Mal soviel Energie liefern wie Erdöl. Auch wenn diese Einschätzung aus der Sicht der meisten Experten allzu euphorisch ausfällt, ist unbestritten, dass dem Erdgas eine Schlüsselrolle in der Energieversorgung zukommt. Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt sagte dem Handelsblatt: „Alles arbeitet derzeit für Erdgas, und zwar aus Russland.“ Ambitionierte Begrenzungsziele für den Ausstoß von Kohlendioxid-Emissionen begünstigten nachhaltig das CO2-arme Erdgas; damit würde die Kohle als wichtigster Gaskonkurrent in der Verstromung stark benachteiligt. Die Bundesregierung halte zudem daran fest, die CO2-freien Kernkraftwerke vorzeitig stillzulegen.

Deutschlands Erdgasbedarf werde damit kräftig klettern; kurz- bis mittelfristig könnten laut Schmitt nur wachsende Gasbezüge aus Russland diesen Bedarf decken. Damit sei aber auch klar: Die Abhängigkeit von einem nur schwer einzuschätzenden Regime nehme deutlich zu. Und Moskau werde keinesfalls im Gegenzug für geöffnete Gasmärkte in Europa die eigenen Energiemärkte für ausländische Firmen vollständig öffnen. Der in der Europäischen Energiecharta verankerte Grundsatz reziproker Marktöffnungen bleibe ein frommer Wunsch. In einem Partnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Russland sollte man darauf setzen, dass wenigstens international einklagbare Titel für die vereinbarten Konditionen in den Lieferverträgen und für ausländische Investitionen in Russland abgestimmt werden könnten.

Auch Iain C. Conn, Spitzenmanager der BP-Gruppe und Mitglied der High Level Group der EU-Kommission für Energiepolitik, fordert eine pragmatische Haltung gegenüber Russland. Sein Fazit: „Wir sollten akzeptieren, dass die Beteiligungen Russlands an den europäischen Märkten grundsätzlich etwas Positives ist. Sie führt dazu, dass sich wichtige russische Wirtschaftsunternehmen in die Strukturen und Erfordernisse der EU-Märkte integrieren.“ Russland liefert derzeit 50 Prozent aller Erdgasimporte der EU und 30 Prozent aller Erdölimporte der EU.

Die Konditionen in den langfristigen Gasbezugsverträgen zwischen Russland und Westeuropa spiegeln die Entwicklung an den Weltölmärkten wider: Die Erdgaspreise folgen den Ölpreisen. Gazprom, Russlands Staatsmonopolist, ist derzeit dabei, vorübergehende Knappheiten auf den internationalen Märkten voll auszureizen und dabei die flexiblen Bestandteile von Lieferverträgen einseitig zu verändern. Gazprom prüft eine Erhöhung der Exportpreise für Erdgas nach Westeuropa um rund 15 Prozent für das Jahr 2007.

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