Wachstumssorgen
China schickt Rohstoffe auf Talfahrt

China erhöht die Zinsen, um ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern. Doch am Markt fürchtet man gleich das Gegenteil: Der erschwerte Zugang zu Krediten werde das Wachstum deutlich drosseln, so die Sorge der Händler. Diese Furcht wirft die Rohstoffpreise zurück, vor allem Industriemetalle leiden.
  • 0

HB FRANKFURT. Eine überraschende Zinserhöhung in China hat die Rohstoffpreise am Dienstag gedrückt. Um ein Überhitzen der boomenden Wirtschaft zu vermeiden, hob China den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte an. Investoren spekulierten daraufhin auf einen schwindenden Rohstoffhunger des Landes.

"China möchte vermeiden, dass es eine stärkere Inflation gibt, aber der Effekt ist, dass wohl weniger Geld zum Investieren bleibt", erläuterte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Für Investoren in China werden Kredite nun teurer. Zudem könnten Rohstoffproduzenten in dem Land möglicherweise weniger Geld in den Kauf von Materialien stecken.

"Das wird negativ für das chinesische Wachstum gesehen und das ist was die Weltwirtschaft derzeit antreibt", kommmentierte Analyst VTB Capital Andrey Kryuchenkov die Zinserhöhung.

Vor allem bei den Industriemetallen, bei denen China weltweit größter Abnehmer ist, gingen die Preise nach unten. Zusätzlich belastete ein stärkerer Dollar. Kupfer fiel auf 8275 Dollar je Tonne nach 8443 Dollar am Montagabend. Auch der Goldpreis fiel um 1,5 Prozent auf 1346 Dollar je Feinunze.

In Erwartung steigender US-Ölvorräte schwächte sich der Ölpreis ab. Ein Fass der US-Leichtölsorte WTI verbilligte sich um 2,5 Prozent auf 81 Dollar, während der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent um 2,3 Prozent auf 82,41 Dollar nachgab. Laut einer Reuters-Umfrage rechnen die Analysten im Schnitt wegen höherer Importe mit einem Anstieg in der vergangenen Woche um 1,6 Millionen Barrel.

Keine Beachtung fand am Markt die Nachricht, dass wegen der Streiks in Frankreich gegen die Rentenreform französische Raffinerien lahmgelegt sind. Dabei zapft das Land wegen der Benzinknappheit bereits seine strategischen Reserven an.

Eigentlich bestehe aber keine Angebotsknappheit, erläuterte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Das Rohöl lagert vielmehr in den vollbetankten Schiffen vor den französischen Häfen und wartet lediglich auf seine Entladung nach Beendigung des Streiks", betonte er. "Mit jedem Tag, den der Streik länger dauert, nimmt das Angebot an Rohöl sogar weiter zu, was den Rohölpreis sogar unter Druck setzen könnte."

Kommentare zu " Wachstumssorgen: China schickt Rohstoffe auf Talfahrt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%