Währung

Argentiniens Peso im freien Fall

Das krisengeschüttelte Land hebt die Kapitalmarktkontrollen auf und gibt die Währung frei. Die Regierung hofft, so die Exporte anzutreiben. Doch die Abwertung könnte die galoppierende Inflation weiter antreiben.
Nach der Umsetzung von Präsident Macris Plänen, die Kapitalmarktkontrollen aufzuheben, wertete der Peso drastisch ab. Beobachter – wie auch der Präsident selbst – haben damit gerechnet. Quelle: AFP
Absturz mit Ansage

Nach der Umsetzung von Präsident Macris Plänen, die Kapitalmarktkontrollen aufzuheben, wertete der Peso drastisch ab. Beobachter – wie auch der Präsident selbst – haben damit gerechnet.

(Foto: AFP)

Buenos Aires/FrankfurtA.Argentinien hat die meisten seiner Währungskontrollen aufgehoben und am Donnerstag den Wechselkurs des Peso freigegeben. Damit wird ein Abwertungsprozess in Gang gesetzt, der eine Schlüsselkomponente der Wahlkampfversprechen von Präsident Mauricio Macri war, um die Wirtschaft zu beleben und Investitionen anzuregen

Und es geschah genau das, womit Finanzminister Alfonso Prat-Gay gerechnet hatte: Kurz nach zehn Uhr Ortszeit fiel der Kurs des Peso in Buenos Aires wie ein Stein um fast 30 Prozent auf 0,072 Dollar. Das war exakt die Differenz zwischen dem offiziellen Wechselkurs und einem parallelen Kurs, der Blue-Chip Swap genannt wird. Die Zentralbank stehe bereit einzugreifen, sollte die Talfahrt des Peso außer Kontrolle geraten, so Prat-Gay. Die Abwertung dürfte die Inflation weiter anheizen, die bereits bei 24 Prozent jährlich liegt. Ein weiterer Anstieg könnte soziale Unzufriedenheit hervorrufen.

Die Regierung erwarte allerdings, dass in den nächsten vier Wochen zwischen 15 Milliarden und 20 Milliarden Dollar ins Land fließen, was die Devisenreserven aufpolstern werde. Einzelpersonen dürfen künftig bis zu zwei Millionen Dollar im Monat kaufen – bislang war die Menge auf 2000 US-Dollar begrenzt. Importeuren, die offene Rechnungen bei der Zentralbank haben, werden Anleihen angeboten oder ein Zeitplan, um Rückstände abzuzahlen. Diese schätzt Prat-Guy auf fünf Milliarden Dollar.

Diese Währungen schlagen ganz besonders aus
Platz 9: Argentinischer Peso
1 von 9

Argentinien kämpft seit Jahren gegen den wirtschaftlichen Verfall. Auch während der Amtszeit von Christina Fernandez de Kirchner kam das Land nicht auf die Beine. Der frisch gewählte neue Präsident Mauricio Macri will nun die Trendwende einleiten.

Volatilität*: 2,4 Prozent
Exportvolumen**: 2,4 Milliarden Euro

*historische Volatilität (zwölf Monate)
**Exporte von Deutschland in das jeweilige Land

Platz 8: Peruanischer Nuevo Sol
2 von 9

Die Schwellenländer in Südamerika haben es derzeit nicht einfach. Einerseits belastet das schwache Wachstum in China. Auf der anderen Seite macht ihnen die bevorstehende Zinsanhebung in den USA noch mehr Sorgen. Viele Investoren ziehen ihre Gelder aus den südlichen Staaten zurück – mit gravierenden Auswirkungen auf die dortigen Währungen. Auch Peru leidet unter der Investorenflucht. Der Peruanische Nuveo Sol musste in diesem Jahr bisher starke Schwankungen hinnehmen. Für Unternehmen keine guten Voraussetzungen für eine Investition. Deutschland ist davon allerdings kaum betroffen. Das Exportvolumen nach Peru ist gering.

Volatilität: 4,8 Prozent
Exportvolumen: 0,91 Milliarden Euro

Platz 7: Chilenischer Peso
3 von 9

Der Preisverfall auf den Rohstoffmärkten lässt dem chilenischen Peso keine Ruhe. 2015 schwankt er deutlich hin und her. Im Vergleich zum Dollar hat die südamerikanische Währung seit Jahresanfang 14,9 Prozent verloren. Chile hat die größten Kupfervorkommen der Welt. Der Preis für eine Tonne Kupfer ist 2015 um satte 26,4 Prozent gesunken.

Volatilität: 9,3 Prozent
Exportvolumen: 2,1 Milliarden Euro

Platz 6: Malaysischer Ringgit
4 von 9

Nicht nur Südamerika leidet unter der Erwartung einer Zinswende in den USA. Auch in einigen asiatischen Staaten ziehen die Investoren ihre Gelder zurück. Davon betroffen ist unter anderem auch Malaysia. Gegenüber dem US-Dollar hat der malaysische Ringgit daher 17,7 Prozent verloren.

Volatilität: 11,3 Prozent
Exportvolumen: 4,8 Milliarden Euro

Platz 5: Bulgarischer Lev
5 von 9

Das zweitjüngste EU-Mitglied leidet weiterhin unter der Korruption. Kein anderes Land in der EU ist korrupter als Bulgarien. 2008 kürzte die Union deswegen 220 Millionen Euro Fördergelder für das Land. Auch die Währung leidet unter der Korruption, da viele Investoren um das Land einen Bogen machen.

Volatilität: 11,9 Prozent
Exportvolumen: 3,3 Milliarden Euro

Platz 4: Türkei
6 von 9

Die politischen Unruhen in der Türkei schaden der Lira. Die Unruhen beschränken sich dabei nicht nur auf die Innenpolitik. Auch außenpolitisch steht die Türkei spätestens seit dem Abschuss eines russischen Militärjets im Kreuzfeuer. Die Währung hat im Vergleich zum Dollar fast 19 Prozent verloren, die Volatilität der Lira ist ebenfalls bedenklich hoch. Das bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren, da das Exportvolumen mit über 19 Milliarden Euro vergleichsweise hoch ist.

Volatilität: 13,3 Prozent
Exportvolumen: 19,2 Milliarden Euro

Platz 3: Südafrikanischer Rand
7 von 9

Südafrikas Wirtschaft hatte schon mal bessere Zeiten erlebt. Einst ein hochgelobter BRICS-Staat wird das Land im kommenden Jahr vermutlich einen Anstieg der Firmenpleiten hinnehmen müssen. 2016 soll es in Südafrika zehn Prozent mehr Insolvenzen geben. Kritisch ist die hohe Abhängigkeit von den Rohstoffmärkten. Der südafrikanische Rand kam daher 2015 unter die Räder. In Pendelbewegungen verlor die Währung im Vergleich zum Dollar seit Jahresanfang rund 18 Prozent.

Volatilität: 14,0 Prozent
Exportvolumen: 8,3 Prozent

Präsident Macri hat bereits Ausfuhrsteuern für Feldfrüchte aufgehoben: Landwirte sollen ihre Getreidespeicher leeren und Dollar-Erlöse zur Zentralbank bringen. Die Regierung hat mit den Getreide-Exporteuren vereinbart, dass sie in den nächsten drei Wochen täglich 400 Millionen Dollar ins Land holen.

Indes sind die Devisenreserven auf 24,2 Milliarden Dollar abgeschmolzen – so wenig wie seit 2006 nicht mehr. Das liegt auch daran, dass Argentinien schulden tilgt. Argentiniens Wirtschaft sei schwach, sagt lberto Ramos, Chefökonom Lateinamerika bei Goldman Sachs. Daher sei das Vorhaben riskanter als in anderen Ländern – aber auch unvermeidlich.

  • rez
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Währung - Argentiniens Peso im freien Fall

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%