Währung
Euro schnellt nach US-Konjunkturdaten über 1,57 Dollar

Die Aussicht auf eine wachsende Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone hat den Dollar am Freitag weiter abrutschen lassen. Jüngste Daten vom US-Arbeitsmarkt lassen nach Einschätzung von Marktteilnehmern weiterhin niedrige Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft erwarten.

HB FRANKFURT. Hingegen hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, am Donnerstag wegen der gestiegenen Inflationsgefahr eine Zinserhöhung für Juli in der Eurozone angedeutet. Der Euro verteuerte sich zum Wochenschluss in der Spitze auf bis zu 1,5705 Dollar und gab dann wieder etwas nach. Die EZB hatte vor Bekanntgabe der US-Daten den Referenzkurs mit 1,5597 Dollar festgelegt.

"Die US-Volkswirtschaft steht auf wackeligen Beinen, das spricht eindeutig für den Euro", sagte Volkswirt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. In den USA wurden im Mai außerhalb der Landwirtschaft mit 49 000 Stellen zwar weniger Arbeitsplätze abgebaut als Experten erwartet hatte, aber die Daten vom April wurden revidiert. Nach den aktuellen Berechnungen wurden 28 000 Stellen abgebaut und damit 8 000 mehr als ursprünglich errechnet. "Die eigentliche Überraschung ist die Arbeitslosenquote, die auf 5,5 von 5,0 Prozent stieg - das ist eine sehr ungewöhnlich starke Veränderung", sagte MM Warburg-Aktienstratege Carsten Klude.

"Der Arbeitsmarktbericht spricht eigentlich ganz klar dafür, dass sich Amerika in einer moderaten Rezession befindet." Nach Einschätzung von Postbank-Analyst Brian Mandt wird die US-Notenbank ihren Leitzins vorerst unverändert lassen. Der Leitzins in den USA liegt nach einer Reihe von Zinssenkungen derzeit auf einem Niveau von zwei Prozent und ist damit nur halb so hoch wie in der Eurozone. Nach Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten war der Euro innerhalb weniger Minuten gut einen US-Cent nach oben geschossen.

Etwas gedrückt wurde der Dollar zudem im weiteren Handelsverlauf von Daten aus dem US-Großhandel. Die Lagerbestände waren im April stärker als von Experten erwartet gestiegen.

Zu Wochenbeginn hatte die US-Währung noch Auftrieb erhalten durch Äußerungen von Fed-Präsident Ben Bernanke zur Dollarschwäche. Daraufhin hatte der Greenback Boden gegenüber Euro und Yen gutmachen können. "Nach diesen Daten wird alles auf den Prüfstand gestellt, was Fed-Präsident Ben Bernanke in den vergangenen Tagen über den Dollar gesagt hat", sagte Schilbe unter Hinweis auf die Arbeitsmarktdaten. Gegenüber der japanischen Währung fiel der Dollar auf bis zu 105,43 Yen von 106,30 Yen.

Die Rentenmärkte bauten nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten ihre Gewinne zunächst deutlich aus, fielen dann aber wieder etwas zurück. Der für Europa richtungsweisende Bund-Future notierte 30 Ticks höher bei 111,76 Zählern. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 4,444 (Vortag: 4,503) Prozent. Die von der Bundesbank täglich errechnete Umlaufrendite börsennotierter öffentlicher Anleihen stieg auf 4,56 (4,47) Prozent. Der Rex-Rentenindex verlor 0,55 Prozent auf 114,8855 Punkte.

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