Währung unter Druck
Trichet-Aussagen belasten Euro

Nach der erwarteten Erhöhung des Leitzinses ist der Euro unter Druck geraten. Grund dafür waren Aussagen des EZB-Chefs. Jean-Claude Trichet sagte auf einer Pressekonferenz, die Europäische Zentralbank habe nicht vorzeitig über eine Serie von Zinserhöhungen entschieden.

HB FRANKFURT. Die Gemeinschaftswährung rutschte um einen halben US-Cent unter 1,17 Dollar. Damit näherte sich der Euro seinem Jahrestief von 1,1641 Dollar von Mitte November. Die Erhöhung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent war an den Märkten erwartet worden und stützte den Euro kaum, da sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet nicht auf weitere Zinserhöhungen festlegen wollte. Analysten rechnen allenfalls noch mit zwei weiteren Zinserhöhungen bis zum Herbst nächsten Jahres auf dann 2,75 Prozent.

„Offensichtlich nimmt der Markt die Äußerungen von Trichet dahingehend auf, dass keine Trendwende bei der Zinspolitik in Sicht ist“, kommentierte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank die Abgaben beim Euro. Das nehme die Zinsfantasien über eine nachhaltige Anhebung des Leitzinses aus dem Markt.

Von den 20 kurz nach der EZB-Pressekonferenz befragten Volkswirten erwarteten 19 eine erneute Anhebung im ersten Quartal 2006. Trichet hatte erklärt, die Währungshüter seien nicht von vornherein auf weitere Zinserhöhungen festgelegt, sondern beobachteten jeden Monat die aktuelle Entwicklung und entschieden dann, ob die Zinsen weiter angemessen seien. „Trichet hat - wenn überhaupt irgendetwas - bestätigt, dass sie viel moderater die Geldpolitik straffen werden, als die Märkte eingepreist haben“, sagte Rob Carnell von ING Financial Markets in London.

Zinserhöhungen nach amerikanischem Muster seien in der Euro-Zone auf keinen Fall zu erwarten, sagten Händler in Frankfurt. In den USA hat die US-Notenbank Fed die Zinsen seit Juni 2004 in zwölf Schritten um drei Prozentpunkte auf vier Prozent angehoben. Zudem gelten in den USA zwei weitere Zinsschritte von je 25 Basispunkte im Dezember und Januar auf dann 4,5 Prozent als ausgemacht. Damit dürfte der Zinsvorteil des Dollar vorläufig weiter steigen.

Zum Dollar gab der Yen unterdessen ebenfalls deutlich nach. So stieg die US-Währung erstmals seit Sommer 2003 wieder über 120 Yen und erreichte bis zum Nachmittag mit 120,72 Yen ein vorläufiges Zweieinhalb-Jahres-Hoch. Nach einer Warnung des japanischen Finanzministeriums vor einer zu frühen Zinserhöhung durch die Bank von Japan (BoJ) sind Händlern zufolge die Spekulationen auf eine Abkehr der BoJ von der Nullzinspolitik im nächsten Jahr gesunken.

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