Währungen
Anleger flüchten aus dem Dollar

Aus Furcht vor einer galoppierenden US-Inflation flüchten erneut viele Anleger aus dem Dollar. Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik sorgt weltweit für Verkäufe. Vor allem gegenüber Franken und Yen verliert die US-Währung. Der australische Dollar erreicht fast die Parität zu seinem US-Pendant.
  • 0

HB FRANKFURT. Der Dollar-Index, der die Kursentwicklung zu sechs wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf den niedrigsten Stand seit etwa einem Jahr. Zu der als sicherer Anlagehafen geltenden Schweizer Valuta fiel der Dollar auf ein Rekordtief von 0,9466 Franken. Zur japanischen Währung lag er mit 81,07 Yen auf einem neuen 15-1/2-Jahres-Tief. Der australische Dollar erreichte erstmals seit Anfang der 80er Jahre fast die Parität zu seinem US-Pendant. Parallel dazu übersprang der Euro die Marke von 1,41 Dollar und war damit so teuer wie seit fast neun Monaten nicht mehr.

Einer der Hauptgründe für die Dollar-Schwäche sei die Verunsicherung über die Ausgestaltung des "Quantitative Easing (QE) 2.0", betonten die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. Eine klare Strategie lasse sich derzeit nicht erkennen. "Es entsteht eher der Eindruck einer ratlosen und panischen Fed, als dass Vertrauen in ihre Geldpolitik entsteht." Vor diesem Hintergrund warte der Markt gespannt auf eine Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke am Freitag, schrieben die Devisenexperten des Bankhauses Metzler. "Seine Ausführungen zu den "Zielen und Instrumenten der Geldpolitik in einem Umfeld niedriger Inflation' sind für die Überbrückung der Zeit bis zum eigentlichen Fed-Zinsentscheid am 3. November von größter Bedeutung." Sie könnten mehr Klarheit über Handlungsalternativen und Zeitplan in Sachen "QE 2.0" schaffen.

Als Auslöser für den aktuellen Kursrutsch des Dollar nannten Marktbeobachter die überraschende Ausweitung der Handelsspanne für den Wechselkurs des Singapur-Dollar. "Dies steigert die Wahrscheinlichkeit von weiteren Aufwertungen asiatischer Währungen, inklusive der chinesischen, im Vorfeld des G20-Treffens", sagte Devisenexperte Hideaki Inoue von der Mitsubishi Trust Bank. Die Finanzminister der 20 größten Industriestaaten und Schwellenländer wollen sich Ende Oktober zusammensetzen, gefolgt von einem Gipfel-Treffen Anfang November. Die US-Währung fiel als Reaktion die ausgeweitete Handelsspanne am Donnerstag auf ein Rekordtief von 1,2896 Singapur-Dollar.

Die Inflationsängste trieben Anleger in Aktien und andere Anlageklassen, sagte Finanzmarkt-Experte Tsutomu Soma von Okasan Securities. Der Dax kletterte auf ein 25-Monats-Hoch und der MSCI-Index der weltweit wichtigsten Börsenwerte erreichte fast wieder das Niveau unmittelbar vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Zahlreiche Anleger schichteten ihr Geld zudem in Rohstoffe um. Diese werden meist in Dollar gehandelt und verbilligen sich bei einer Abwertung der US-Währung für Investoren außerhalb der USA. Gold setzte seine Rekordjagd fort und verteuerte sich auf bis zu 1387,10 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Silber erreichte mit 24,90 Dollar ein neues 30-Jahres-Hoch. Eine Tonne Kupfer kostete mit 8490 Dollar so viel wie seit Juli 2008 nicht mehr. Auch der Ölpreis zog an. Die richtungsweisende US-Sorte WTI stieg um bis zu 1,3 Prozent auf 84,12 Dollar je Barrel (159 Liter).

Kommentare zu " Währungen: Anleger flüchten aus dem Dollar"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%