Währungen
Anleger spekulieren auf EZB-Zinserhöhung

Die Schuldenkrise in Europa kocht wieder hoch, doch den Euro belastet das nicht. Selbst nach dem Scheitern des portugiesischen Sparpakets findet die Währung genügend Käufer. Die spekulieren auf baldige Zinserhöhungen.
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DüsseldorfDer Euro hält vorerst dem Druck der europäischen Schuldenkrise stand.

Trotz der politischen Lähmung des hoch verschuldeten Portugals nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Jose Socrates hat sich der Euro am Donnerstag stabil gehalten. Die Gemeinschaftswährung kostete am Mittag 1,4119 Dollar und war damit sogar etwas teurer als im späten US-Vortagesgeschäft. Analysten führten das Festhalten der Anleger am Euro auf die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) zurück. „Man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die EZB eine Zinserhöhung liefert. Damit stiege der Zinsvorsprung des Euro zum Dollar an“, sagte UniCredit-Analyst Michael Rottmann.

Führende EZB-Vertreter hatten zuletzt bereits einen bevorstehenden Zinsschritt signalisiert. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Notenbank, sagte dem „Wall Street Journal“, man könne die Zinsen nicht zu lange zu niedrig lassen. Derzeit beträgt der Leitzins für die Euro-Zone ein Prozent, während er in den USA knapp über null Prozent liegt. Die Stabilität des Euro wurde am Devisenmarkt auch als Zeichen der Schwäche des Dollar gewertet. „Das Sentiment gegenüber dem Dollar ist derzeit so vergiftet, dass in Europa schon fast kommen kann was will“, sagte Rottmann.

Allerdings war der Euro am Mittwochabend direkt nach dem Socrates-Rücktritt kurzzeitig abgerutscht. Der Politiker begründete seinen Rückzug damit, dass er im Parlament keine Mehrheit für ein Sparprogramm fand. Mit dessen Hilfe wollte die Regierung in Lissabon Vertrauen der Finanzmärkte in das hoch verschuldete Land zurückgewinnen.

Am Donnerstag verkauften Anleger Staatsanleihen Portugals, der Kurs für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit fiel auf 79,731 Punkte, im Gegenzug rentierten die Papiere mit bis zu 7,986 Prozent so hoch wie noch die seit der Einführung des Euro. Allerdings ist es EU-Kreisen zufolge unwahrscheinlich, dass Portugal schon beim am Donnerstagabend beginnenden Gipfel in Brüssel um finanzielle Unterstützung bittet.

Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel soll ein Gesamtpaket geschnürt werden, das neben verstärkter Koordination der Wirtschaftspolitik die Rettungsfonds für überschuldete Euro-Staaten umfasst. Doch dürfte kein Beschluss fallen, wie genau das Kreditvolumen des Rettungsfonds EFSF auf die angestrebten 440 Milliarden Euro aufgestockt wird. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sieht auch nach dem „Pakt für den Euro“ kein solides Fundament für die Gemeinschaftswährung. „Das grundlegende Problem der Vereinbarungen ist, dass sie für eine zukünftige Schuldenkrise gemünzt sind, aber offenlassen, was mit den in der Vergangenheit angehäuften Schuldenbergen geschehen soll, wenn der Markt eine weitere Finanzierung verweigert“, sagte Mayer dem Handelsblatt.

Am Rentenmarkt gab der Bund-Future angesichts einer leichten Erholung am Aktienmarkt acht Ticks auf 122,22 Zähler nach. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,243 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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