Währungen
„Der Dollar wird noch billiger werden“

Die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens gab dem Dollar zunächst Auftrieb. Doch der Effekt hielt nicht lange an. Am Nachmittag legte der Euro deutlich zu - trotz Schuldenkrise.
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FrankfurtNach der Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten hat der Euro am Montag seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Mit 1,4892 Dollar notierte er am Nachmittag so hoch wie seit Dezember 2009 nicht mehr und mehr als einen halben Cent höher als noch am Freitagabend in New York. Damit näherte sich der Euro der psychologisch wichtigen Marke von 1,50 Dollar weiter an.

Der Tod des Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden hatte zeitweise in Fernost den Dollar gestützt. Doch mit dem robusten Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone war im europäischen Handel das Interesse an Euro-Käufen rasch wieder aufgekommen. Der US-Einkaufsmanagerindex war dagegen gefallen, wenn auch geringer als erwartet.

„Vielen Investoren kam der Schwächeanfall gelegen, da sie damit den Euro relativ günstig kaufen konnten“, sagte ein Händler. Selbst der Wunsch des griechischen Finanzministers Giorgos Papaconstantinou für mehr Zeit bei der Rückzahlung der Milliardenhilfen bremste den Euro kaum. Auch Meldungen aus Finnland, wonach die Euro-kritische Partei „Wahre Finnen“ das Hilfspaket für Portugal und den permanenten EU-Rettungsschirm nicht mittragen wollen, fanden keinen Niederschlag in den Devisenkursen.

Devisenstrategen gehen davon aus, dass sich der Dollar dieses Jahr nicht erholen wird. "Der Dollar wird wahrscheinlich noch billiger werden", sagte Thomas Stolper, Chef-Devisenstratege bei Goldman Sachs in einem Telefoninterview mit Bloomberg.

Zinsvorteil für Euro bleibt bestehen

„An der Tatsache, dass ein Ende der lockeren Fed-Geldpolitik bis auf weiteres nicht in Sicht ist, hat sich nichts geändert“, brachte Katsunori Kitakura, Chef-Händler der Chuo Mitsui Trust Bank, die Stimmung auf den Punkt. EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnte zwar anlässlich der Amtseinführung des neuen Bundesbankchefs Jens Weidmann davor, die Finanzkrise ad acta zu legen. Das Umfeld bleibe schwierig, erklärte Trichet. „Die Krise ist nicht vorbei.“ Doch hatte die EZB im April eine vorsichtige Abkehr von der krisenbedingten ultra-lockeren Geldpolitik eingeleitet und damit dem Euro auf längere Sicht einen Zinsvorteil zum Dollar verschafft. Denn in den USA sieht es nach wie vor nicht nach einer baldigen Zinswende aus.

Am Donnerstag wird zwar auch die EZB erst einmal die Zinsen nicht weiter erhöhen. Doch schon im Sommer dürfte der nächste Schritt anstehen, mit dem der Leitzins in der Euro-Zone voraussichtlich um 25 Basispunkte auf dann 1,5 Prozent steigen wird. In den USA liegt der Leitzins dagegen nahe null Prozent. „Der Euro wird von der Zinsphantasie und einem guten technischen Umfeld getragen“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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