Währungen
Euro fällt auf Jahrestief

Der Euro ist nach der Italien-Auktion weiter abgerutscht. Die Gemeinschaftswährung fiel zum Dollar auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Gegen den Yen steht der Euro noch schlechter.
  • 3

FrankfurtZum Jahresende ist dem Euro am Donnerstag die Puste doch noch ausgegangen. Mit 1,2858 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung zeitweise auf einem neuen Jahrestief und so niedrig wie zuletzt im September 2010. Die Auktion italienischer Staatsanleihen verlief zwar in etwa wie erwartet, vermochte dem Euro aber keinen Halt zu geben. „Der Euro ist angezählt und dürfte zu Jahresbeginn weiter fallen“, sagte ein Händler. Dabei hatte sich der Euro trotz der Schuldenkrise im Jahresverlauf noch recht gut behauptet. Viele Börsianer hatten angesichts den grundsätzlichen Zweifeln an der Zukunft der Euro-Zone mit stärkeren Kursverlusten gemessen am Vorjahresschluss von rund 1,33 Dollar gerechnet.

„Ein Gemisch von mehreren Faktoren drückt heute den Euro“, erklärte Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank in Frankfurt. Zum einen belaste die Unsicherheit über weitere Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern den Euro. Die Ratingagentur Standard & Poor's dürfte sich im Januar nach Einschätzung von Analysten zu einer ganzen Reihe von Euro-Ländern eher negativ äußern.

Zum anderen belaste auch, dass der Interbanken-Handel der Euro-Banken einfach nicht in Gang komme, erklärten Börsianer. „Da hatten sich viele nach dem Drei-Jahres-Tender vorige Woche etwas mehr von versprochen“, erklärte Sachs. Am Vorabend hatte dies vor allem in New York den Euro gedrückt, obwohl die Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB), die dies belegen, schon morgens vorlagen. Per Mittwochabend bunkerten die Banken zwar etwas weniger Geld bei der EZB als am Vortag. Doch rechneten Händler nicht mit einer nachhaltigen Entspannung.

Für den Euro sind viele Börsianer denn auch eher skeptisch - zumindest für den Jahresanfang 2012. „Der Trend spricht für einen schwächeren Euro“, erklärte Carl Hammer, Währungsstratege der SEB in Stockholm. Wie viele andere auch rechnet die SEB damit, dass der Euro Ende März 2012 bei 1,25 Dollar liegen dürfte.

Wenig Unterstützung bekam der Euro von der Versteigerung italienischer Staatsanleihen. „Die Auktion war kein Desaster, die Renditen waren sogar etwas niedriger, aber die Überzeichnung war nicht so toll“, sagte Audrey Childe-Freeman, Währungsstratege von JP Morgan Private Bank in London. Letztlich zeige die Auktion, dass die Schuldenkrise noch nicht ad acta gelegt werden könne. Italien hatte insgesamt gut sieben Milliarden Euro über verschiedene Laufzeiten aufgenommen. Geplant war ein Volumen von fünf bis zu 8,5 Milliarden Euro. Die Renditen gingen gegenüber der letzten Auktion Ende November etwas zurück: auf 5,62 von 7,89 Prozent bei den dreijährigen und auf 6,98 von 7,56 Prozent bei den zehnjährigen Staatsanleihen.

Die EZB griff nach Angaben von Händlern nach der Auktion am Sekundärmarkt ein, wenn auch nur mit moderaten Aufkäufen. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen lagen am Donnerstag wieder über sieben Prozent - ein Niveau, das für Euro-Länder als längerfristig untragbar gilt. Die Unsicherheit trieb wieder viele Anleger in deutsche Bundesanleihen. Der Bund-Future stieg um 53 Ticks auf 138,74 Punkte.

Verkäufe japanischer Exporteure und Privatanleger hatten schon in Fernost den Euro zum Yen auf nur noch knapp über 100 Yen gedrückt. Damit notierte der Euro zum Yen auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2001.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Währungen: Euro fällt auf Jahrestief"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • US börse steigt wenn der Dollar schwächer wird.analog dazu china,Japa,Schweiz mit ihren Währungen.
    aber wenn der € schwächer wird ist das ein alarmsignal.Lächerlich,dieses blödsinnige Argumentieren bzgl. währungen.
    für mich ist es sowieso egal was die währungen machen,kaufe alles in heimatwährung

  • Frage: wie ist so etwas nur möglich???
    Diese bösen Zocker/Heuschrecken, oder sind es die unfähigen deutschen Politiker???
    Wer weiß, wer weiß.
    Danke

  • Interessant, hat doch der Volkswirtschaftsprofessor Herr Univ.-Prof. Dr. Reinhard Neck vor kurzem noch behauptet, dass es keine Eurokrise gäbe, sondern nur eine Staatsschuldenkrise. Deshalb sei alles halb so schlimm, was Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hankel allerdings ganz anders sah. Zumidest hat erstgenannter gemeint, dass es in den nächsten Jahren keine Austritte aus der Währungsunion gäbe, wogegen Herr Hankel das Gegenteil glaubt. Nun gut: Die Zeit wird's uns lehren!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%