Währungen
Euro sackt weiter ab

Investoren erwarten, dass die EZB den Euro schwächen wird – und handeln in vorauseilendem Gehorsam. Seit Tagen befindet sich der Euro auf Talfahrt. Heute reißt die europäische Währung die nächste Marke.
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FrankfurtDer Euro hat am Donnerstag erneut nachgegeben. Der Kurs fiel auf 1,3658 Dollar. Damit setzte die europäische Währung die Talfahrt der vergangenen Tage fort. Vor einer Woche notierte der Euro noch bei fast 1,40 Dollar.

Grund für den Abwärtstrend: Die Investoren handeln in vorauseilendem Gehorsam. Sie erwarten, dass die Europäische Zentralbank schon bald Maßnahmen ergreifen wird, die den Euro schwächen und die Inflation anheizen werden. Noch bevor das passiert, wollen sich die Anleger entsprechend positionieren.

Am Donnerstag vor einer Woche hatte EZB-Chef Mario Draghi angekündigt, dass der Notenbank „unzufrieden“ sei mit den Aussichten für die Konjunktur. Man sei bereit, „beim nächsten Mal zu handeln“, so Draghi.

Gestern konkretisierte der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, welche Aktionen damit gemeint sein könnten. In einem Interview mit der „Zeit“ sprach Praet von Strafgebühren für Banken, die Geld bei ihr parken. Erstmals könnte der Einlagenzins damit negativ werden. „Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen“, sagte Praet.

Den Einlagenzins bekommen Banken immer dann gutgeschrieben, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Er liegt seit November bei null Prozent. Senkt die EZB ihn unter null, würde sie den Banken de facto einen Strafzins aufbrummen, wenn diese Geld bei ihr anlegen. Das Kalkül der Notenbanker: Die Institute sollen wieder mehr Kredite vergeben, weil es sich nicht mehr lohnt, Geld bei der EZB zu halten.

Praet ließ anklingen, dass sich die EZB davon auch eine Schwächung des Euro verspricht. „Im Kontext der sehr niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum ist eine Aufwertung auch für die Euro-Zone ein Problem, weil ein stärkerer Euro die Einfuhren verbilligen und die Inflationsrate noch weiter nach unten drücken würde.“

Bundesbank-Chef Jens Weidmann bekräftigte die Bereitschaft, geldpolitische Vorstöße der EZB bei Bedarf zu stützen. Wenn in Bezug auf das Primärziel Geldwertstabilität Handlungsbedarf bestehe, sei auch die Bundesbank nach breiter Analyse natürlich offen, dafür zu handeln, sagte Weidmann am Mittwoch auf einer Konferenz der „Stiftung Familienunternehmen“.

Die EZB entscheidet das nächste Mal am 5. Juni über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Neben negativen Einlagezinsen für Banken steht auch eine Senkung der Leitzinsen im Raum. Der Leitzins könnte von derzeit 0,25 Prozent auf 0,15 oder 0,1 Prozent sinken. Damit würde die EZB den Euro tendenziell für Anleger unattraktiver machen, weil sich Investments in der Euro-Zone dann niedriger verzinsen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Währungen: Euro sackt weiter ab"

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  • Hier halten ich ja vielefür so schlau. Meinen, Sie würden alles durchschauen und wittern überall Verschwörungen und Nachteile.
    Wo wird denn hier der Euro runtegeprügelt? Wo stand er bei Einführung? Wo war das Maximum, wo der tiefste Stand?

    Dem Himmel sei Dank, dass wir in D keinen Volksentscheid haben.

  • Warum wird stets über eine Inflationsrate von 1% gesprochen, dies stimmt einfach nicht; man sollte endlich einmal den Warenkorb des täglichen Bedarfs von Otto-Normalverbraucher abbilden, dann liegt die Inflation nämlich zwischen 4% - 5% !!

    Warum wird ferner der EURO-Kurs so heruntergeprügelt, so werden die Energiekosten für den Bürger doch noch teurer !!

    Zusammen mit der unsäglichen EEG-Umlage, die wir den weltfremden grünen Gutmenschen zu verdanken haben, unternimmt Merkel trotz sprudelnder Steuereinnahmen rein garnichts, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen; am 25.Mai ist Wahl, da kann man ein Zeichen setzen.

  • Sinkender EURO heißt steigende Energiepreise, heißt die Leute zahlens. Neben der Enteignung der Sparkonten, wird uns die Rechnung beim Öl-/Benzinpreis präsentiert.
    Aber die Exportquote udn die Gewinne der Firmen steigen wieder. Dann gibts ein Verfahren vor der EU wegen dem handelsdefizit und Deutschland zahlt wieder, diesmal halt Strafe. Und die Mutti der Nation lächelt dazu, während ihr Schäuble die nächsten Koffer Geld zum Verschicken packt. Dafür plündert er schon mal den Fluthilfefond oder die Sozialkassen.

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