Währungen
Euro sinkt auf tiefsten Stand seit zwei Jahren

Rezessionsängste haben den Euro am Mittwoch zeitweise auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren gedrückt. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte im frühen Handel auf bis zu 1,2736 Dollar und kostete damit so wenig wie zuletzt Mitte November 2006.

HB FRANKFURT. Bis zum Mittag erholte sich der Euro wieder etwas und notierte zuletzt bei 1,2920 Dollar. Ein Dollar war 0,7738 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag noch auf auf 1,3184 (Montag: 1,3424) Dollar festgesetzt. Der Kursverfall hat sich zuletzt beschleunigt.

„Die Auflösung von Risikopositionen japanischer Investoren und die Angst vor einer nachhaltigen Wachstumseintrübung in der Eurozone dürften diese Bewegung begünstigt haben“, heißt es beim Bankhaus HSBC Trinkaus. In erster Linie wird von Experten auf die Angst vor einer tiefgreifenden Rezession in Europa verwiesen. Angesichts einer abnehmenden Risikoneigung zögen zudem immer mehr Anleger Kapital aus Europa ab und investierten in vergleichsweise sichere Anlagen wie amerikanische Staatsanleihen. Die breitangelegte Euro-Schwäche zeige sich auch an deutlichen Kursverlusten gegenüber anderen Währungen wie dem japanischen Yen. So sank der Euro zum Yen am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit rund viereinhalb Jahren.

„Die Marktbewegung weist einen Charakter von Zwangsliquidationen in einem erheblichen Umfang aus“, betonte Folker Hellmeyer, Chef-Stratege der Bremer Landesbank. Die aktuellen Preise am Devisenmarkt bildeten damit keine fundamentalen Bewertungen ab, sondern sie seien das Ergebnis geringer Liquidität und eines hohen Stressniveaus im Rahmen der Finanzkrise. Hintergrund seien aggressive Auflösungen von spekulativen „Carry-Trades“ auf japanische Yen und Schweizer Franken. Diese wiesen „Kapitulationscharakter“ auf.

Commerzbank-Expertin Antje Praefcke führt als Grund für die wieder an Fahrt aufnehmende Abwärtsbewegung des Euro nach Tagen der Ruhe vor Allem Rezessionängste an. „Es gibt Hoffnung, dass die schlimmste Phase der Finanzmarktkrise überstanden ist.“ Die Geldmärkte in den USA und in Europa hätten sich langsam wieder entspannt. Das alte Thema, welches durch die Krise in letzter Zeit in den Hintergrund gedrängt worden sei, werde jetzt wieder der treibende Faktor: Rezessionsängste. Das alte Muster, welches seit August zu beobachten sei, kehre zurück: „Die Gefahr einer Rezession auf beiden Seiten des Atlantik ist gut für den Dollar“, betonte Praefcke.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise in Mittel- und Osteuropa setzte auch die dortigen Währungen weiter unter Druck. Vor allem dem ungarischen Forint drohen aus Sicht des Bankhauses HSBC Trinkaus weitere Kursverluste. Vor diesem Hintergrund erhöhte die ungarische Notenbank den Leitzins am Mittwoch überraschend um 3,00 Prozentpunkte auf 11,50 Prozent.

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