Währungen
Euro springt auf Fünf-Monatshoch

Der freie Fall des US-Dollars nur zeitweise gestoppt worden. Nachdem die US-Währung am Vortag ein Siebenmonatstief gegenüber anderen wichtigen Devisen verbucht hatte, erholte sie sich im frühen Handel ein wenig. Doch dann ging es wieder abwärts.
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HB DÜSSELDORF. Die Bewegungen am Devisen- und Rentenmarkt glichen am Dienstag einer Berg- und Talfahrt. Der Euro schwankte zwischen 1,3382 und 1,3554 Dollar. Der Euro ist damit aktuell so teuer wie zuletzt Mitte April. Zuvor hatte schon der Einbruch des US-Verbrauchervertrauens den Euro über 1,35 Dollar gehoben. Händlern zufolge beschleunigte die Gemeinschaftswährung ihren Anstieg, als sie bei 1,3525 Dollar für den Optionshandel wichtige Marke übersprungen hatte.„Wir erleben hier ein Wechselbad der Gefühle“, sagte ein Devisenhändler. „Die Leute rennen mit ihren Orders einfach den Nachrichten hinterher.“

Ein Belastungsfaktor für den Euro waren am Vormittag kursierende Spekulationen, wonach Moody's die Kreditwürdigkeit Spaniens herunterstufen könnte. Die Ratingagentur hatte die Bewertung des von hohen Staatsschulden geplagten Mittelmeeranrainers Ende Juni für drei Monate auf Review gestellt. Analysten sind sich nicht einig, ob Spanien sein Dreifach-A-Rating behalten wird.

Negativ für die Gemeinschaftswährung wirkten auch zunehmende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Irlands. Die Rating-Agentur Standard & Poor's warnte, falls die Regierung mehr als die veranschlagten 35 Milliarden Euro in die marode Anglo Irish Bank pumpen müsse, drohe der Inselrepublik eine weitere Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Agentur Fitch stellte ebenfalls fest, die derzeitige Bonitätsnote könne erneut in Gefahr geraten. Investoren verlangten deshalb für den Kauf irischer Staatsanleihen die höchsten Risikozuschläge seit Einführung des Euro. Der Aufschlag zur vergleichbaren Bundesanleihe stieg zeitweise bis auf 461 Basispunkte. Um sich gegen einen Ausfall irischer Staatsanleihen abzusichern, mussten Anleger so viel zahlen wie noch nie. Zehn Millionen Euro auf fünf Jahre abzusichern kostete 519.000 (Montag: 488.500) Euro.

Was dem Euro dann wieder auf die Beine half, waren Händlern zufolge Dollar-negative Äußerungen aus China. Ein ehemaliger Berater der chinesischen Zentralbank sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, der Dollar sei einer Krise wieder einen Schritt näher gekommen und eine Abwertung könne unausweichlich werden. „Wenn ein ranghoher Chinese so etwas sagt, dann sind das schon Äußerungen, die am Markt sehr ernst genommen werden“, sagte ein Händler.

„Wenn sich ein Trend herauskristallisiert, dann der, dass Dollar-negative Aussagen vom Markt als wichtiger bewertet werden als Euro-negative Aussagen.“

Am Rentenmarkt bröckelten die Gewinne beim richtungsweisenden Bund-Future ab, nachdem der Chefvolkswirt der EZB bekräftigte, den Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik vorantreiben zu wollen. Die Europäische Zentralbank sei bereits dabei, einige dieser in der Finanzkrise eingeführten Schritte zurückzufahren, sagte Jürgen Stark am Rande einer Veranstaltung der türkischen Zentralbank.

Die EZB hatte Anfang Mai auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise damit begonnen, Staatspapiere von Euro-Ländern zu erwerben und damit vor allem Schuldenstaaten wie Griechenland und Portugal gestützt. Im großen und ganzen sei das zwar bekannt gewesen, sagte ein Händler. „Aber nichtsdestotrotz ist das eine maßgebliche Aussage.“ Der Bund-Future arbeitete sich bis zum Nachmittag wieder drei Ticks ins Plus hoch auf 131,54 Zähler. Der Euro notierte um 1,3470 Dollar.

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