Währungen
Euro stabilisiert sich

Anleger setzen auf Hilfen für europäische Banken. Das hilft auch dem Euro.
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FrankfurtIn Erwartung einer konzentrierten Hilfsaktion für europäische Banken hat sich der Euro am Mittwoch stabilisiert. Die Gemeinschaftswährung stieg in der Spitze bis auf 1,3374 Dollar, nachdem sie am Vortag auf ein Neun-Monats-Tief von 1,3147 Dollar gefallen war. Nach optimistisch stimmenden US-Arbeitsmarktdaten bröckelte der Euro am Nachmittag etwas ab.

„Ausschlaggebend für den Euro-Anstieg waren Aussagen vom Internationalen Währungsfonds, die den Eindruck erweckten, dass ein Ansteckungseffekt von Griechenland auf andere Staaten vermieden werden kann“, sagte ein Händler. „Dazu kommen Spekulationen über koordinierte staatliche Hilfen für strauchelnde Banken, und das vermindert zumindest erst einmal weitere Verluste beim Euro.“ Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich als Käufer europäischer Staatsanleihen angeboten, um die Finanzierungsprobleme schuldengeplagter Länder zu begrenzen. Der Fonds könne etwa Papiere von Spanien oder Italien erwerben, sagte Europa-Direktor Antonio Borges in einem Reuters-Interview. Daneben forderte er schnelle Geldspritzen für den europäischen Bankensektor. Den Bedarf schätzte er auf bis zu 200 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Volumen des europäischen Kapitalmarktes oder des aufgestockten Rettungssschirms EFSF sei das „sehr, sehr wenig“.

„Es wurde viel diskutiert über die Schwierigkeiten der französischen Banken“, sagte Borges. „Aber das Problem ist weit verbreitet. Kein Banksektor auf der Welt verkraftet einen allgemeinen Vertrauensverlust, und wir müssen in ganz Europa das Vertrauen in die Banken wiederherstellen.“ Analysten verfolgten die auf allen politischen Ebenen geführten Diskussionen über Stützungsmaßnahmen für Banken und das weitere Vorgehen bei Griechenland mit Zurückhaltung. „Die Erfahrung aus 2008/2009 lautet, dass Dominoeffekte nur unterbunden werden können, wenn homogen und überdimensioniert agiert wird“, sagte der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Aber genau das habe die Eurozone in den vergangenen 18 Monaten vermissen lassen.

Am Rentenmarkt wurden Bundesanleihen nach dreitägiger Rally abgestoßen. Die zehnjährigen Papiere gaben um 63 Ticks auf 104,15 Zähler nach und rentierten mit 1,788 (spätes Vortagesgeschäft: 1,721) Prozent. Vor allem kurzfristig orientierte Investoren seien am Markt aktiv und buchten ihre Gewinne der vergangenen Tage ein, hieß es von Händlern. Italienische zehnjährige Anleihen gaben nach der Herunterstufung durch die Ratingagentur Moodys nach und rentierten mit 5,548 (5,497) Prozent. Spanische Zehnjährige rentierten nahezu unverändert mit 5,103 Prozent. Händler berichteten, die EZB kaufe Staatsanleihen beider Länder.

Positive Daten kamen am Nachmittag aus den USA. Dem Dienstleister ADP zufolge wurden im September 91.000 neue Stellen im Privatsektor geschaffen; prognostiziert worden war ein Plus von 75.000 Jobs. Nach den zuletzt geringer als erwartet ausgefallenen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und einer optimistisch stimmenden Beschäftigungskomponente des ISM-Index stünden nun auch die Signale für den am Freitag anstehenden offziellen Arbeitsmarktbericht für September positiv, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Von Reuters befragte Analysten sagen ein Plus von 60.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft voraus. Der US-Währung gaben diese Aussichten etwas Rückenwind, so dass der Euro am Nachmittag noch um 1,3320 Dollar notierte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ist ja auch klar, denn Moodys hat nur mit S&P gleichgezogen - war nichts Neues.

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