Währungs-Intervention
Yen-Hilfe der G7 setzt positives Zeichen

Die G7 haben am Devisenmarkt eingegriffen, um den Yen zu stützen. Das Signal ist nicht nur für Japan wichtig, sondern auch für die Weltwirtschaft. Ein Kommentar von Norbert Häring.
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Der Beschluss der sieben größten Industrienationen, gemeinsam mit Japan am Devisenmarkt einzugreifen, um die übermäßige Aufwertung des Yen rückgängig zumachen, ist ein wirksames Zeichen der Solidarität mit der geschunden Nation.

Japan braucht dabei nicht das Geld, das die Partner am Devisenmarkt einsetzen wollen. Was zählt, ist das Signal, dass die Partner einverstanden sind, dass Japan selbst eingreift. Das kann man durch Mitmachen am deutlichsten kundtun. Munition hat Japan selbst genug, denn es kann die Notenbank ja die Yen in beliebiger Menge drucken lassen, die es braucht, um am Devisenmarkt Dollar zu kaufen und damit den Dollar gegenüber dem Yen zu stärken.

Japan ist noch dazu in der einzigartigen Lage, dass es die Inflation, die dadurch erzeugt werden könnte, sehr gut brauchen kann, steckt das Land doch seit Jahren in einer Spirale rückläufiger Preise. Diese bremst die Wirtschaft, weil Schulden von Jahr zu Jahr in preisbereinigter Rechnung schwerer wiegen. Wenn also die Partnerländer bereit sind hinzunehmen, dass Japan seine Exporte durch Eingriffe am Devisenmarkt preislich wettbewerbsfähiger macht, gibt es praktisch kein Hindernis für die japanische Regierung, eine Abwertung in vernünftigem Rahmen zu erzielen.

Auch außerhalb des Devisenmarkts kann die Regierung einiges tun, wenn sie will. Hauptgrund für die Aufwertung des Yen nach der Katastrophe war die Erwartung, dass japanische Investoren massenhaft Geld aus dem Ausland zurückholen würden, um Versicherungsleistungen zu begleichen und Schäden zu beheben. Dazu müssen sie Vermögenswerte verkaufen und die erlösten Dollar in Yen umtauschen, was den Yen-Kurs nach oben treibt. Es steht Regierung und Notenbank frei, dies zu unterbinden, indem sie zum Beispiel den großen Versicherern anbieten, die Dollar, die sie umtauschen wollen, direkt der Notenbank anzudienen.

Für die japanische Wirtschaft ist es lebenswichtig, dass zu den Belastungen aus Erdbeben, Flutwelle und Energieknappheit nicht auch noch eine Nachfrageschwäche hinzukommt, weil die eigenen Erzeugnisse im internationalen Handel preislich nicht mehr mithalten können. In Stunden der Not funktioniert die internationale Solidarität und Kooperation immerhin.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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