Währungsbörse Coincheck laufen die Kunden davon

Fortschritte im größten virtuellen Währungsraub: Japans Börse Coincheck zahlt wieder Yen aus und erfüllt eine Auflage der Aufseher.
Update: 14.02.2018 - 02:05 Uhr Kommentieren
Ein Monitor in Tokio zeigt oben in der Mitte die Kryptowährung Nem und deren Wechselkurs zum Japanischen Yen. Quelle: Reuters
Kryptowährung Nem

Ein Monitor in Tokio zeigt oben in der Mitte die Kryptowährung Nem und deren Wechselkurs zum Japanischen Yen.

(Foto: Reuters)

TokioFür die Opfer des größten virtuellen Währungsraubs gibt es nach mehr als zwei Wochen Zittern und Ärgern endlich eine gute Nachricht. Einige Kunden der ausgeraubten japanischen Währungsbörse Coincheck kommen wieder an ihr Geld. Am Dienstag begann die Börse wieder, wenigstens Yen-Guthaben auszuzahlen. Die Kunden nutzten die Gelegenheit und zogen in Massen ihr Geld ab. Nach Angaben der Firma wurden Yen im Wert von rund 300 Millionen Euro transferiert.

Mit einem weiteren wichtigen Schritt schürte Japans einst zweitgrößter Handelsplatz virtueller Währungen zudem die Hoffnung, das Desaster auch mittelfristig zu überleben. Fristgerecht reichte das Management einen Bericht bei der Finanzaufsicht FSA über den Tathergang und die Verbesserungsmaßnahmen des Unternehmens ein, den die Aufseher verlangt hatten.

In einer Presseerklärung versprach die Firma zudem, die Sicherheit ihrer Computersysteme weiter zu verbessern, um auch den Transfer von anderen Kryptowährungen wieder aufzunehmen. Außerdem will das Management den Schaden der Opfer des Währungsraubs so schnell wie möglich wieder gutmachen.

Wann es dazu kommt, hängt allerdings auch vom Urteil der FSA ab. Eine harte Strafe für die Börse ist nicht ausgeschlossen, so schwer wie der Fall für die Finanzen der Kunden und für den Ruf der Aufseher wiegt. Am 26. Januar hatten Hacker mehr als 260.000 der virtuellen Währung Nem ausgeräumt. Nach damaligem Kurs waren die digitalen Einheiten etwa 430 Millionen Euro wert.

Doch der wirkliche Schaden dürfte sehr viel höher sein. Denn Coincheck fror zur Sicherheit alle Konten ein. Die Kunden konnten daher auch keine Bitcoin oder andere virtuelle Währungen in Yen umtauschen, als deren Kurs der Boomwährung kollabierte. Frühe Bitcoin-Investoren haben daher gefühlt, Späteinsteiger in die Kursbonanza real Vermögen verloren.

Und die Japaner lassen dies nicht auf sich sitzen. Zehn Geschädigte kündigten an, auf eine Aufnahme von Währungstransfers zu klagen. Außerdem überlegen sie auch, Schadenersatz zu verlangen.

Doch nicht nur die Kunden hat der Fall erzürnt, auch Japans FSA. Als erste Aufseher in der Welt hatten die nach der Pleite der damals größten Bitcoin-Börse Mt.Gox im Jahr 2014 begonnen, die Kryptowährungen und die Börsen zu regulieren. Dabei legten sie der neuen Finanztechnik aber nur moderat bürokratische Fesseln an, um die Innovation in diesem neuen Bereich in Japan zu fördern. Stattdessen vertraute die bis dahin sehr konservative Behörde zu einem großen Teil auf die Selbstregulierung der Teilnehmer.

Ein wichtiger Bestandteil der Strategie war allerdings, dass sich Japans Börsen registrieren müssen. 16 Handelsplätze sind offiziell schon zugelassen. Doch ausgerechnet Coinchecks Verfahren lief noch. Die FSA geriet daher öffentlich in die Kritik, die Börsen nicht hart genug kontrolliert zu haben. Denn Coincheck machte es den digitalen Dieben leicht.

Für wichtigere virtuelle Währungen bot die Börse zwar recht sichere „Wallets“ genannte Konten an, die ohne ständigen Anschluss ans Internet die jeweiligen digitalen Münzen speicherten. Aber ausgerechnet für die betroffenen Nems gab es nur „hot wallets“, also Konten, die immer mit dem Internet verbunden und damit einfacher zu hacken sind.

Ein kleiner Teil der Beute ist bereits in andere digitale Währungen umgetauscht worden. Allerdings ist noch offen, wer die Diebe sind. Nach Medienberichten untersucht Südkoreas Geheimdienst allerdings, ob Nordkoreas Staatshacker dieses Mal in Japan zugeschlagen haben. Den digitalen Devisenbeschaffern des klammen Regimes werden auch zwei Raubzüge bei der südkoreanischen Börse Youbit angehängt, die nach dem zweiten Mal in Konkurs ging.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

  • mkö
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