Währungscrash in Russland
Moskau verkauft Reserven – Rubel rutscht weiter ab

Das russische Finanzministerium will Währungsreserven in Milliardenhöhe auf den Markt werfen. Der Rubel rutscht trotzdem weiter ab. Verkauft Russland nun sein Gold? Am Donnerstag will Putin reden.
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MoskauDas russische Finanzministerium verkauft zur Stützung des Rubel Devisenreserven. „Wir verkaufen so viel wie nötig ist“, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch der Agentur Interfax in Moskau. Russland sei bereit, Devisen im Wert von sieben Milliarden Dollar auf den Markt zu werfen. Der Verkauf könne schrittweise erfolgen. Zusammen mit dieser Ankündigung erklärte das Ministerium am Mittwoch, die Währung des Landes sei stark unterbewertet.

Der Rubel zog nach der Ankündigung zunächst kräftig an. Der Dollar verlor fast neun Prozent auf 62,35 Rubel. Im Laufe des Vormittags waren die Gewinne jedoch schnell wieder dahin. Aktuell kostet ein Dollar rund 68 Rubel.

Am Dienstag hatte die russische Zentralbank den Leitzins auf 17 Prozent von 10,5 Prozent erhöht. Trotzdem war die russische Landeswährung am Dienstag zeitweise auf ein Rekordtief gefallen.

Die Anzeigetafeln an den russischen Wechselstuben spielten am Dienstag regelrecht verrückt. Nachdem der Kurs bereits am Montag mit 9,5 Prozent so stark gefallen war wie seit der Finanzkrise 1998 nicht mehr, verlor der Rubel bis zum Dienstagnachmittag noch einmal ein Fünftel seines Wertes. Für einen Euro wurden damit bisher unvorstellbare 100 Rubel fällig, für einen Dollar 80 Rubel. Danach setzte eine leichte Erholung ein, nach der für einen Euro noch immer 88 Rubel gezahlt werden mussten.

Grund für den Wertverlust sind vor allem der fallende Ölpreis sowie die Sanktionen des Westens wegen der Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt. Durch den Währungsverfall sind die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen.

Sowohl die Europäische Union als auch die USA bereiten unterdessen weitere Sanktionsschritte vor: Bis zum EU-Gipfel am Donnerstag würden neue Strafmaßnahmen gegen die von Russland annektierte Halbinsel Krim beschlossen, kündigten Diplomaten in Brüssel an. Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama erklärte, dieser werde das vom Kongress verabschiedete Gesetz zur Verschärfung der Strafmaßnahmen gegen Russland bis zum Ende der Woche unterzeichnen.

Kommentare zu " Währungscrash in Russland: Moskau verkauft Reserven – Rubel rutscht weiter ab"

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  • Mal ne andere Ansicht: Glaubt der Westen (USA) wirklich Putin bzw. Russland hätte solche Vorgehensweisen (Sanktionen etc.) nicht in ihre strategische Vorgehensweise miteinbezogen? Russland ist evtl. von Marktmechanismen, wie wir sie im Westen kennen, unabhängiger, weil durch Staat kontrolliert. Naja aktuelle Vorgehen sind auf politischer Ebene evtl nicht so sehr unvorhersehbar wie vom Ottonormalo angenommen. Spiel das angeschossene Reh und dein Feind wird selbstsicher und überschätzt sich. Mal schauen was am Ende rauskommt, evtl. wird Europa ja endlich frei von Einfluß! Den was aufgrund der letzten Jahrhunderte erkennbar ist (auch Wiedervereinigung), ist das Russland sich generell einfach nur vom Westen schützen will und Europa auch nicht kontrollieren will oder wollte. Russland ging es immer am besten wenn es mit Europa auf Augenhöhe Handel betrieben hat und dies ist nur erreichbar, wenn Europa nicht von den USA gelenkt werden.

  • Wer stoppt die Kriegspropaganda gegen Russland?

    Wollen die Vereinigte Schulden von Amerika einen 3. Weltkrieg?

    Man mag es kaum glauben, aber es stimmt: Die Amerikaner stehen inzwischen mit fast 60 000 Milliarden Dollar in der Kreide!

    Genau genommen sind es 59400 Mrd. Dollar, wenn man Staatsschulden, Firmenschulden, Hypotheken und Verbraucherschulden addiert.

    Eine Summe, die sich jeder Beschreibung entzieht!

    Hätten Sie beispielsweise zur Zeit Jesu gelebt und hätten seitdem an jedem einzelnen Tag 80 Mio. Dollar ausgegeben, wären Sie noch immer nicht bei 59400 Mrd. Dollar!

    Die USA sind pleite und ihr Dollar am Ende. Aber Sie kennen das sicherlich aus dem Tierreich: Ein angeschossenes Raubtier ist besonders gefährlich und vor allem in seinen Reaktion unberechenbar. Und genauso schätze ich die USA in der aktuellen Krisenlage ein.

    Putin trennt sich vom Dollar und kauft physisches Gold und verabschiedet sich damit ganz offen vom Dollar. Im gleichen Atemzug eröffnet Russland Konten in Asien und stellt die Export-Verträge auf asiatische Währungen wie den chinesischen Yuan um.

    Sind Russland & China auf dem Weg, sich vom Dollar-Zwangssystem zu befreien?

    Wenn sie damit Erfolg haben, bedeutet es den Todesstoß für die globale Vormachtstellung Amerikas bzw. der privaten FED-Bankster!

    Seit dem 2. Weltkrieg wird der Handel mit Erdöl gezwungenermassen in privaten Fed-Dollar fakturiert, was der Rest der Welt ( Dank US Army oder besser FED Army ) so hinzunehmen hatte.

    Wer sein Öl nicht gegen private Dollar, sondern gegen Euro verkaufen wollte, wurde vom westlichen Medienkartell zum "Terroristen" erklärt ( Saddam Hussein , Hugo Chavez, Gaddafi, Ahmadinedschad ) und von der Nato "befreit".

    Ist das der Grund warum FED-Marionette Obama einen Nato-Krieg in Europa mit Russland will?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/das-amerikanisch-saudische-geheime-abkommen-ueb

  • Das ist m.E. eben eine schlechte Informationsplattform, da soweit ersichtlich oanda, wie auch andere Währungskursrechnungssysteme im Hintergrund alle erst gegen Dollar wechseln und dann gegen die jeweilige Währung. Der direkte Kurs von Währung zu Währung ist dabei meines Wissens eben nicht integriert. (Wie auch wird ja schließlich von den Staaten festgelegt. Also in meinem Sinne ist Ihre Plattform auch nicht die Information die ich gerne hätte. Ich kenne leider keines in unserem Sprachsystem, das nicht im Hintergrund den Dollar als Zwischenwert verwendet, allerdings weiß ich natürlich die Berechnungsmethoden nicht.

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