Währungscrash in Russland: Rückfall in die Rubelkrise

Währungscrash in Russland
Rückfall in die Rubelkrise

Der russische Rubel fällt ins Bodenlose. Ein Rettungsversuch der Zentralbank verpufft. Die Menschen stehen Schlange, um ihr Geld loszuwerden. Die Lage erinnert fatal an die Rubelkrise in den 90er-Jahren.
  • 60

DüsseldorfAlexej hat sich gerade einen nagelneuen Audi A7 gekauft, als Geldanlage. Der Bankangestellte aus Moskau denkt pragmatisch, so wie viele Russen in diesen Tagen. Die Menschen wollen lieber einen Sachwert in der Garage haben als Geld auf dem Konto. Der Wertverlust bei einem Neuwagen ist zwar auch nicht gerade gering, aber immer noch besser als der Verfall der heimischen Währung. Jeden Tag, bei jedem Einkauf spüren die Menschen, dass ihr Geld an Wert verliert.

Seit Beginn des Jahres hat sich der Wert des Rubels halbiert. Ein Euro kostete heute zeitweise 100 Rubel, zu Jahresbeginn waren es rund 45 Rubel. Im Vergleich zum US-Dollar ist die Entwicklung noch drastischer: ein Dollar kostete 80 Rubel, vor einem Jahr waren es 33 Rubel.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat erkannt, dass er das Vertrauen in die Währung wieder herstellen muss. Die Notenbank soll ihm dabei assistieren: In der Nacht von Montag auf Dienstag hat die Zentralbank den Leitzins auf einen Schlag von 10,5 auf 17 Prozent angehoben - so stark wie zuletzt in der Rubelkrise 1998. Doch wenige Stunden nach der nächtlichen Rettungsaktion scheint der Effekt bereits verpufft. Seine anfänglichen Gewinne gegenüber dem US-Dollar büßte der russische Rubel binnen weniger Stunden ein. Die Talfahrt ging weiter, noch schneller als zuvor.

Vor den Wechselstuben bilden sich seitdem Schlangen - die Menschen tauschen ihre Rubel in Westgeld. Oder sie geben es gleich aus. Je stärker der Rubel verliert desto größer wird der Andrang. Die Verkäufer bei Porsche und Lexus schieben Extraschichten. Auch Elektronikmärkte, Einkaufszentren oder Möbelgeschäfte erleben einen Ansturm.

Bei Ikea mussten die Kunden lange warten, um eingelassen zu werden, weil die Läden überfüllt waren. Die schwedische Möbelkette hatte angekündigt, dass sie wegen des schwachen Rubels die Preise in Kürze erhöhen wird. Die russische Zeitung „Argumenty i Fakty“ riet ihren Lesern, noch vor Jahresende elektronische Geräte, Autos, Kleidung und importierte Waren zu kaufen, genauso wie unverderbliche Lebensmittel, deren Preise vor den Feiertagen angehoben werden dürften.

Kommentare zu " Währungscrash in Russland: Rückfall in die Rubelkrise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Erst der Iran. Jetzt Russland. In nicht allzu ferner Zukunft Japan, allerdings aus anderen Gründen.

    Wenn Währungen so "einfach" in die Knie gezwungen werden können bzw. von "alleine" in die Knie gehen, wieso sollten wir dem Euro, Dollar, Pfund oder Schweizer Franken noch vertrauen? Wegen der geringen Verschuldung oder wegen der Unabhängigkeit unserer Wirtschaft von dem Rest der Welt?

  • Es ist immer wieder erstaunlich festzustellen wie einfach es ist Menschen die angeblich gebildet sind zu manipulieren. Wer die Wahrheit erkennen will muss über den Tellerrand hinausschauen. Dafür reicht nicht aus die Springerpresse oden sonstigen Schund zu lesen und behaupten dass man gebildet ist.

    Welches Blatt man liest sagt über die Kenntnisse oder Intelligenz eines Lesers nichts aus sondern nur was er aus dem Gelesenen erkennt oder auch interpretieren kann.

    Wer das nicht kann bleibt schliesslich bei Comedy oder sonstigen Soapgeschichten.

  • Sehr gut zusammen gefasst!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%