Währungsersatz
Die große Flucht ins Gold

Egal wie hoch der Goldpreis gerade steht, er soll noch weiter steigen. Zentralbanken kaufen das Edelmetall daher gleich tonnenweise. Von Euro und US-Dollar haben sich dagegen die meisten Anleger vorerst verabschiedet.
  • 24

Tokio/Peking/DüsseldorfDie Kapitalmärkte verlieren das Vertrauen in die großen Währungen. Das gilt für den US-Dollar noch stärker als für den Euro. Obwohl der Goldpreis ein Allzeithoch nach dem anderen erreicht – am Donnerstag stiegen die Preise erneut auf Rekordniveau –, schichten Notenbanken einen Teil ihrer Währungsreserven in Gold um. Anfang der Woche gab die koreanische Zentralbank bekannt, dass sie rund 25 Tonnen Gold gekauft hat – zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Die Notenbanken verunsichern damit die Anleger und treiben den Bedeutungsverlust des Dollars als Leitwährung voran. Erst Anfang Mai hatte Mexiko eine Aufstockung seiner Goldbestände im Wert von mehr als vier Milliarden Dollar gemeldet. Dies war der drittgrößte Gold-Kauf der vergangenen zehn Jahre. Der südliche Nachbar der USA besitzt nun über 100 Tonnen Gold.

Dagegen nehmen sich die 39,4 Tonnen der Bank von Korea – nach Aufstockung – fast bescheiden aus. Das Institut verfügt immerhin über die siebtgrößten Währungsreserven der Welt. „Das Vorhalten von Gold hilft, das Investmentrisiko zu reduzieren“, begründeten die Notenbanker in Seoul ihren Kauf. „Es ist die vorherrschende Meinung im Markt, dass der Goldpreis auf lange Sicht steigen wird.“

Vor Korea und Mexiko haben auch Russland und China einen Teil der Währungsreserven in Gold diversifiziert. Jahrelang standen zuvor Notenbanken eher auf der Verkäuferseite und deckelten auf diese Weise den Goldpreis. Das hat sich vor knapp zwei Jahren geändert. Für die Preisentwicklung ist damit nicht nur ein bremsender Faktor entfallen; der Goldpreis erhält durch die Nachfrage der Zentralbanker sogar Auftrieb. Am Donnerstag kletterte der Preis für die Feinunze (31,1 Gramm) in der Spitze auf mehr als 1.681 Dollar – so viel wie nie zuvor. In Euro gerechnet kostete Gold knapp 1.190 Euro.

„Die koreanischen Käufe sind ein weiterer Beleg dafür, dass Gold unter den Zentralbanken als Reserveanlage noch an Bedeutung gewinnt“, sagt Carsten Fritsch, Analyst der Commerzbank. Überraschend sei, dass die Notenbank ihre Bestände in einer Phase steigender Preise aufgestockt hat. Üblicherweise kaufen die Banken, wenn der Goldpreis niedrig ist. Fritsch erwartet daher, dass die koreanischen Käufe eine Ausnahme bleiben.

Kommentare zu " Währungsersatz: Die große Flucht ins Gold "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Profis hier scheinen trotz Detailwissen nicht verstehen zu wollen, daß auch Gold eine Ware ist.
    Ntürlich wird man Gold nicht schlechtreden, wenn man es verkaufen will.

    Ist wie bei den Analysten. Erst eine Kaufempfehlung, dann fällt das Teil ins Bodenlose.

    Also deswegen: Kauft weiter Gold! Verkauft eure Papiere auf Schrottniveau und kauft das Gold zu Höchstkursen! Hartgeld und Co. wollen ja nur Euer Bestes! :)))

  • @AS1
    "Und dass sich die Notenbanken in letzter Zeit mit Gold eindecken, sollte man als zusätzliches als Alarmsignal werten!"

    Das würde ich nicht überbewerten. Notenbanken werden von VWL-ern geleitet. Und diese Spezies von "Wissenschaftlern" zeichnet sich dadurch aus, daß sie ihre Theorien immer wieder im Nachhinein revidiert, um ja Recht zu haben. Die haben bisher, genauso wie Analysten, noch nie etwas exakt voraussagen können. Trotz Professorentiteln liegen ihre Prognosen genauso richtig, wie die eines Affen. Und wenn die Politik erst noch mitmischt, dann habe ich berechtigte Gründe, dem Tun der Notenbanken zu mißtrauen.

    @zamp
    Warum so agressiv?
    Ich habe nicht gesagt, daß andere Wertanlagen besser sind. Trotzdem können Sie Gold weder essen noch damit heizen. Vielleicht sollten Sie sich ein goldenes Kalb bestellen?

  • Jeden Tag wasche ich mein Gehirn mit Firlefanz-Journalismus:

    <Aber Vorsicht: Ganz nüchtern betrachtet war Gold zuletzt ein lausiges Investment>
    Zitat Handelsblatt 21.05.2010, 13:56 Uhr /
    Gold bei 1 248,95 US-Dollar je Feinunze.
    Titel: <Wer Glanz will, muss tief in die Tasche greifen>

    Botschaft: <in den vergangenen Tagen gab der Preis etwas nach auf aktuell 1 176 Dollar>

    Paul C. Martin in der B...zeitung vom 13.07.99: <Wohin kann Gold fallen? Auf exakt 42,22 Dollar>.

    Also Gold fällt nur hier für die, die noch überlegen müssen.
    Preise steigen nur beim Anfassen an den Wechslertresen, seit 12 Jahren !!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%