Währungsexperten erwarten Yen-Aufwertung
Japans Devisenpolitik sorgt für Unruhe

An den Finanzmärkten wachsen die Zweifel, dass die japanische Notenbank die massiven Dollarkäufe auf Dauer aufrechterhalten wird, mit denen sie sich gegen eine Yen-Aufwertung stemmt. Das hat auch Konsequenzen für den Euro-Kurs. Denn wenn die Bank von Japan wie bisher Yen gegen Dollar eintauscht, stützt sie damit die US-Währung indirekt auch gegenüber anderen Währungen. Umgekehrt dürfte der Euro bei nachlassenden Dollarkäufen zulegen.

FRANKFURT/M. Gestern berichtete die japanische Zeitung „Nikkei Financial“, die Regierung denke über eine Drosselung der Devisenmarktinterventionen nach. Der Bericht trieb den Yen-Kurs bis gestern Nachmittag um gut ein Prozent auf 109 Yen je Dollar nach oben, den höchsten Stand seit Monatsanfang. Der Euro verteuerte sich parallel dazu ebenfalls um etwa einen US-Cent auf 1,2374 Dollar, bevor er am Nachmittag wieder deutlich nachgab.

Im Parlament bekräftigte Finanzminister Sadakazu Tanigaki gestern seine Interventionspolitik. Japan werde weiter Yen verkaufen, soweit dies nötig sei, um Spekulation und exzessive Bewegungen einzudämmen, sagte er, fügte aber hinzu: „Wir planen nicht, dies aus Gewohnheit für immer fortzusetzen.“

Die Akteure am Devisenmarkt bewegt vor allem eine Frage: Wie geht es nach dem Ende des Haushaltsjahrs am 31. März weiter? Zunehmend wird das große Volumen der Interventionen zur Schwächung des Yens darauf zurückgeführt, dass die Regierung den Unternehmen bei der Bilanzpflege helfen wolle. Gewinne aus Auslandsaktivitäten und offene Forderungen der Exporteure in Dollar fallen in Yen gerechnet höher aus, wenn der Dollar zur japanischen Währung hoch bewertet ist.

Tanigaki versicherte, die Yen-Verkäufe dienten nicht dazu, die Wechselkurse in eine bestimmte Richtung zu dirigieren, sondern lediglich dem Eindämmen der Spekulation. Fachleute bezweifeln dies. „Die Bank von Japan hat den Yen aktiv in den Bereich von 110 bis 115 Yen je Dollar geschleust“, urteilt der Währungsstratege von Morgan Stanley, Stephen Jen, und verweist auf das exorbitante Interventionsvolumen von etwa zehn Milliarden Dollar pro Woche, das die Notenbank in den ersten beiden Monaten des Jahres aufgeboten habe. Damit hätten die Interventionen allein im Januar und Februar bereits die Hälfte des Gesamtvolumens des Vorjahres ausgemacht, das bereits einen Rekord dargestellt hatte.

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