„Währungskrieg“: Euro steigt auf zeitweise auf 1,35 US-Dollar

„Währungskrieg“
Euro steigt auf zeitweise auf 1,35 US-Dollar

Nachdem er am Freitag auf den höchsten Stand seit fünf Monaten geklettert war, hat der Euro erst mal eine Veschnaufpause eingelegt. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel leicht zurück - auch, weil Anleger fürchten, dass die Probleme in Irland diese Woche noch einmal belasten könnten.
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HB DÜSSELDORF. In Erwartung einer Lockerung der US-Geldpolitik haben sich die Anleger am Devisenmarkt zu Wochenbeginn vom Dollar getrennt. Der Greenback fiel am Montag gegenüber einem Korb wichtiger Währungen auf 79,34 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit Anfang Februar nicht mehr. Im Gegenzug stieg der Euro auf bis zu 1,3506 Dollar und erklomm damit ein neues Fünfmonats-Hoch. Der Euro konnte die Marke aber nicht halten und sackte später auf 1,3467 Dollar. Am Vormittag hatte die Herunterstufung der Bonität der Anglo Irish Bank durch die Ratingagentur Moody's den Euro noch belastet.

„Der Fokus am Devisenmarkt liegt aber mittlerweile weniger auf den Nachrichten aus der Euro-Zone, sondern auf der Politik der Fed in den USA“, sagte HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris. Mittlerweile gingen immer mehr Marktteilnehmer davon aus, dass eine Lockerung der Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) bevorstehe. Die Spekulationen, die Fed werde die Geldschleusen zur Stützung der US-Wirtschaft öffnen, sorgten zugleich für neue Höchststände des Goldpreises, der erstmals die Marke von 1300 Dollar je Feinunze knackte. Das Edelmetall gilt nicht zuletzt als sicherer Hafen gegen eine Geldentwertung. Die US-Notenbank hatte vorige Woche angekündigt, der heimischen Wirtschaft bei Bedarf mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen unter die Arme zu greifen.

„Die Welt befindet sich in einem internationalen Währungskrieg“, kommentierte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega am Montag den Versuch von Regierungen und Notenbanken, die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Wirtschaft durch eine Abwertung der eigenen Währung zu stärken. Neben der Fed sind auch andere Notenbanken am Geldmarkt zunehmend aktiv. Die Bank of Japan versuchte vor zwei Wochen, die Aufwertung der heimischen Währung mit massiven Yen-Verkäufen zu stoppen. Die Schweizer Notenbanker halten sich ein ähnliches Vorgehen offen, sollte der Franken weiter zulegen.

Thema am Devisenmarkt war zudem der anhaltende Währungsstreit zwischen den USA und China über die Stärke des Yuan. „Auch die Gefahr eines Handelskriegs zwischen den beiden Ländern drückt den Dollar“, sagte HSBC-Volkswirt Sartoris. Das US-Repräsentantenhaus wird voraussichtlich am Mittwoch über eine Gesetzesvorlage abstimmen, in der künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse kritisiert und als Export-Subvention gebrandmarkt werden. Wird das Gesetz verabschiedet, könnten die USA auf chinesische Importgüter Ausgleichszölle erheben.

Am Vormittag hatte Moody's mit der Ankündigung für Unruhe gesorgt, hochrangige ungesicherte Schulden der Anglo Irish Bank nur noch mit der Note Baa3 zu bewerten. Zugleich schloss die Ratingagentur weitere Herabstufungen nicht aus. Es sei zwar davon auszugehen, dass die Regierung alle hochrangigen Anleihen absichere, erklärte die Agentur. Die Benotung bleibe jedoch bis zu einer endgültigen Entscheidung Irlands über die Zukunft der Bank unter Beobachtung. Die Regierung in Dublin will bis Oktober mitteilen, wie sie die geplante Stilllegung der Allied Irish organisieren und finanzieren will.

Am Rentenmarkt setzten die Anleger einmal mehr auf deutsche Staatsanleihen. Der Bund-Future kletterte um 67 Ticks auf 131,52 Zähler. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,287 Prozent.

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