Währungskurs
Euro kann 1,10-Dollar-Marke nicht halten

Am Mittwochabend durchbrach der Euro eine runde Marke. Halten konnte er die Marke zwar nicht. Dennoch ist klar: Die Aussagen der EZB aus der vergangenen Woche wirken nach – und ein Ereignis wirft seine Schatten voraus.

DüsseldorfDer Euro ist im Handel am Mittwochabend über die Marke von 1,10 Dollar geklettert. So teuer war die europäische Währung im Vergleich zum US-Dollar zuletzt vor drei Monaten gewesen. Seit vergangener Woche hat der Euro damit etwa fünf Cent zugelegt, was am Devisenmarkt eine sehr deutliche Bewegung ist.

Um 20 Uhr notierte der Euro bei 1,1030 Dollar, nachdem er den Tag bei um die 1,09 Dollar begonnen hatte. Am Donnerstagmorgen rutschte die Gemeinschaftswährung allerdings wieder unter die Marke von 1,10 US-Dollar auf 1,0996 US-Dollar und damit rund 0,3 Prozent tiefer als am Vortag. Die Stärke des Euro drückte auch auf die Aktienkurse an der Wall Street. Der Dow Jones ging 0,4 Prozent tiefer bei 17.492 Punkten aus dem Handel.

Hauptgrund für die Wechselkursentwicklung ist nach wie vor die Pressekonferenz von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank vor sechs Tagen. Draghi hatte darin zwar eine weitere Lockerung der europäischen Geldpolitik angekündigt – die Zentralbank will die Inflation befeuern und von zuletzt 0,1 Prozent wieder an die Zielmarke von knapp unter zwei Prozent heranführen. Doch dabei war er deutlich hinter den Erwartungen von Marktbeobachtern zurückgeblieben.

Diese hatten eine Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe durch die EZB im Wert von 60 Milliarden Euro erwartet. Diese Summe bleibt aber fix, was dem Euro zu seiner neuen Härte verhilft – auch diese Woche noch. Viele Anleger hatten auf eine Euro-Abwertung gewettet und damit daneben gelegen. Währungsexperten passten ihre Prognosen an und erwarten nicht länger ein Abtauchen unter die Parität (1 Euro = 1 Dollar) in den kommenden Monaten.

Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass der Euro zwar Ende kommenden Jahres auf die Parität einschwenkt, doch zuvor hatte das Institut sogar ein Abdriften auf 0,95 Dollar erwartet.

In der kommenden Woche steht in den USA vermutlich die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren an. Die Entscheidung der US-Notenbank sollte eigentlich den Dollar attraktiver machen und so den Wechselkurs stärken. Doch im Moment überwiegt wohl noch die Repositionierung der Devisenpositionen nach den Draghi-Äußerungen den Handel.

„Das ist bloß eine gute alte Bereinigung bei dünnen Umsätzen im Vorfeld der kommenden Woche“, so Greg Anderson, Währungsstratege bei BMO Capital Markets in New York. „Ich gehe davon aus, dass der Dollar wieder zurückspringen wird.“ Das sei besonders zu erwarten, da es eine Risikozurückhaltung bei Rohstoffen und Aktien im Moment gebe.

Auch Währungsexperte John Normand von JP Morgan lässt sich von der Euro-Rally nicht beeindrucken. „Das beste Investment in den kommenden drei bis sechs Monaten ist weiterhin, Dollar zu besitzen“, sagte er bei Bloomberg TV. Die Treiber der Dollar-Stärke seien eigentlich nach wie vor intakt. Vor anderthalb Jahren hatte der Euro noch bei mehr als 1,35 Dollar notiert.

Noch zu Beginn der Woche hatten Spekulanten die größten Short-Positionen im Euro seit Mai aufgebaut. Short-Positionen sind Wetten auf einen Kursverfall. Doch ein weiterer Rückgang ist – zumindest zunächst in dieser Woche – nicht eingetreten.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
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