Währungskurse
Kleinanleger torpedieren Yen-Erholung

Der japanische Yen fiel am Montag gegenüber dem Euro auf den tiefsten Punkt seit Einführung der Gemeinschaftswährung – und wird Experten zufolge noch weiter fallen. Dafür verantwortlich ist paradoxerweise der Wirtschaftsaufschwung im Reich der Mitte.

TOKIO. Im Tokioter Handel kostete ein Euro zwischenzeitlich 165,54 Yen. Möglich seien in den kommenden vier Monaten Preise bis zu 167 Yen für den Euro, sagt Masafumi Yamamoto, Devisenexperte der Investmentbank Nikko Citigroup. Grund ist der unverändert große Unterschied der Leitzinsen zwischen Japan und den übrigen Industrieländern. Etsuko Yamashita, Devisenanalystin der Großbank Sumitomo Mitsui, hält 166 Yen pro Euro schon im Laufe dieser Woche für möglich. Nach Kaufkraft korrigiert liegt der Wert des Yen derzeit auf dem Niveau von 1985.

Den Experten zufolge sind es derzeit vor allem Japans Kleinanleger, die mit ihren Milliardenersparnissen alle Vorhersagen eines steigenden Yen-Kurses über den Haufen werfen. Auch Toru Umemoto von Barclays Capital Tokyo erwartet in den kommenden Wochen eine weitere Abwertung der japanischen Währung. „Es haben sich strukturelle Veränderungen in den japanischen Auslandsinvestments ergeben“, so der Devisenstratege.

Im Jahr 2002 waren es noch zu 90 Prozent institutionelle Investoren mit langfristigen Zielen, die von Japan aus im Ausland investierten – etwa Rentenversicherer. Heute hat sich das Verhältnis umgekehrt: Die Klasse der Versicherer komme noch auf knapp 15 Prozent der Auslandsinvestments, der Rest entfällt auf kurzfristig orientierte Privatanleger oder Fonds mit deren Mitteln. Geld haben Japans Kleinanleger reichlich: Von 1,5 Trillionen Yen (neun Bill. Euro) sind bisher nur drei Prozent im Ausland angelegt.

Gerade der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen vier Jahre habe paradoxerweise die Währung geschwächt, analysiert Yamamoto von Nikko Citigroup. „In den unsicheren Zeiten vorher haben die Japaner das Risiko gescheut. Jetzt, wo die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit zurückgeht, riskieren sie mehr.“ Die Finanzhäuser bieten Produkte an, über die auch Otto Normalverbraucher direkt die internationalen Zinsdifferenzen ausnutzen kann – besonders beliebt sind Geschäfte mit Ziel Neuseeland, wo die Notenbank den Leitzins vor zwei Wochen auf sensationelle acht Prozent hochgeschraubt hat.

Auch Spekulationen über eine Intervention der neuseeländischen Notenbank am Devisenmarkt zur Schwächung der eigenen Währung konnten Japans Anleger am Montag nicht von den Geschäften abhalten – der Effekt verpuffte sofort, der Yen fiel weiter. Japans Zentralbank hat ihrerseits schon seit März 2004 nicht mehr eingegriffen, um den Kurs des Yen zu verändern.

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