Währungsmärkte
Euro-Sinkflug signalisiert neue Krise

Der Euro ist auch am Freitag in den Sinkflug gegangen und erreichte ein Zweijahrestief. Devisenhändler verweisen auf dramatische Entwicklungen in Osteuropa; nun droht auch noch eine Krise auf den Währungsmärkten.

HB LONDON. Die Angst vor einem Zusammenbruch der Märkte vor allem in Osteuropa ist nach Einschätzung von Experten ein wesentlicher Grund für den Absturz des Euro. Besonders die Ukraine, Ungarn und Russland stehen wirtschaftlich auf schwachen Füßen. Das schwächt die Gemeinschaftswährung, da Banken und Firmen aus dem Euroraum dort stark engagiert sind. Gewinner sind Dollar und Yen, wobei der Yen derzeit auch gegenüber dem Dollar deutlich zulegt.

Der Euro sackte am Freitag im Morgenhandel in London bis auf 1,2494 Dollar ab, ein Minus von drei Prozent an einem einzigen Tag und das niedrigste Niveau seit Oktober 2006, als ein Euro 1,2488 Dollar kostete. Später erholte sich die Gemeinschaftswährung etwas. Ihr Referenzkurs wurde am Nachmittag mit 1,2596 Dollar festgesetzt, der niedrigste Wert seit genau zwei Jahren.

Erst Mitte Juli hatte der Euro mit 1,6038 Dollar den höchsten Stand seit seiner Einführung als Währung von inzwischen 15 EU-Staaten erreicht, zum Missfallen von Politikern auf dem Kontinent, die sich sorgten, darunter würden die Exporte leiden. Nun stürzt die Gemeinschaftswährung auch ab, weil europäische Banken Ländern wie Ungarn, Russland, der Ukraine und Weißrussland hohe Kredite gewährt haben. Die Institute müssen fürchten, dass diese Länder wirtschaftlich in ernsten Schwierigkeiten geraten oder gar zusammenbrechen könnten.

"Wir sehen den Beginn einer Krise auf den Währungsmärkten", sagte Neil Mackinnon, Chefvolkswirt des Währungshändlers ECU Group. "Die Finanzkrise verstärkt sich und die neuen Märkte sind unter massivem Druck." Während der Euro und auch das Britische Pfund leiden, werden Dollar und Yen derzeit als sichere Währungen angesehen: Anders als die europäischen und britischen Banken haben die Geldhäuser in den USA und Japan nur sehr geringe Außenstände in Osteuropa und anderen jungen Märkten.

Anleger versuchen derzeit fieberhaft, ihr Geld aus Osteuropa in Sicherheit zu bringen. Auch das steigert den Druck auf den Euro, zumal Ungarn und die Ukraine sich gezwungen sahen, mit dem Hut in der Hand zum Internationalen Währungsfonds (IWF) zu gehen. Jüngst hat sich Weißrussland angeschlossen und um Hilfen im Volumen von etwa 2 Milliarden Dollar gebeten.

Die größte Sorge aber gilt Russland. Das Land war im August 1998 schon einmal zahlungsunfähig. Nachdem der Ölpreis von den Rekordhöhen des Sommers heruntergerutscht ist, hat die Ratingagentur Standard & Poor's die langfristige Einstufung Russlands von "stabil" auf "negativ" herabgesetzt.

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