Währungspolitik
China will Geld verknappen

Experten warnen vor Spekulationen am Immobilienmarkt. Sie sehen in einigen Metropolen Indizien für eine beginnende Überhitzung. Das Politbüro in Peking hat die Gefahr erkannt und bereitet den Markt auf Zinserhöhungen vor.
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PEKING. Experten warnen China vor einer zu lockeren Geldpolitik und einer drohenden Spekulationsblase am Immobilienmarkt. Zwar gebe es keine flächendeckende Überbewertung bei Wohnimmobilien, aber in einigen Metropolen wie Peking, Schanghai und Shenzhen gebe es Indizien für eine beginnende Überhitzung, schreibt ein Forscherteam des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einem Arbeitspapier. Sollten die Preise einmal unkontrolliert fallen, drohen Chinas Wachstum erhebliche Risiken, so die Ökonomen.

In China ist das Problem längst erkannt, wie aus einer Ankündigung des Politbüros in Peking hervorgeht. Für das kommende Jahr sei eine restriktive Geldpolitik vorgesehen, teilte das oberste Kontrollorgan des chinesischen Staates mit. Ökonomen werten das als Ankündigung von Zinserhöhungen durch die Zentralbank. Die gleiche Maßnahme fordern auch die IWF-Forscher zur Bekämpfung der Immobilienblase.

Als Anfang 2009 in China die weltweite Wirtschaftskrise akut wurde, hat die Regierung das Land mit Liquidität überschwemmt. Es ist Peking damit gelungen, die Krise auf eine kleinere Wachstumsdelle zu beschränken. China gilt nun zwar als Retter des weltweiten Wachstums – doch zu einem hohen Preis. Ein Konjunkturprogramm in Höhe von 450 Milliarden Euro war flankiert von Zinssenkungen und Vergabe von Bankkrediten in Höhe von inzwischen zwei Billionen Euro. Von Anfang an warnten Ökonomen, dass so viel billiges Geld auch in die falschen Kanäle fließt. Tatsächlich begannen fast alle Lokalregierungen gigantische Bauprojekte wie Flughäfen und Museen. Auf der Suche nach guter Rendite scheint auch viel Geld auf den Immobilienmarkt geflossen zu sein.

Nach einem weiteren Jahr mit zehn Prozent Wachstum will die chinesischen Führung nun das Geld abschöpfen. Im Oktober entschloss sich die Zentralbank zu einem ersten Zinsschritt auf 5,56 Prozent. Jetzt folgte die Ankündigung des Politbüros: Für das Jahr 2011 sei eine „vorsichtigere“ Geldpolitik vorgesehen. Das hat das Gremium unter Vorsitz von Präsident Hu Jintao beschlossen. Eine komplette Abkehr von der Konjunkturförderung aus dem Geldhahn ist damit allerdings nicht verbunden. Die Zentralbank werde weiter „proaktiv“ handeln.

Ökonomen erwarten dementsprechend zwar für die kommenden Monate weitere Zinserhöhungen – aber nur in mäßigem Rahmen. Derzeit wirke die Geldversorgung noch großzügig, schreiben Experten von Goldman Sachs. Tatsächlich vergeben die Banken immer noch viele Kredite. Allein im Oktober haben die Kreditinstitute rund 500 Milliarden Yuan (60 Milliarden Euro) neu verliehen, geht aus Daten der Zentralbank hervor.

Experten schätzen, dass die Finanzbranche das Jahresziel für die Kreditvergabe um mindestens eine halbe Billion Yuan übertreffen wird. In den ersten elf Monaten des Jahres lag die Kreditvergabe nach Zentralbankzahlen bereits bei 7,4 Billionen Yuan. Die Regierung hatte den Banken zu Jahresbeginn jedoch vorgegeben, maximal 7,5 Billionen Yuan zu verleihen. Sie dürften im Dezember also keine Darlehen mehr einräumen oder verlängern.

Weniger Kredite in 2011

Sowohl makroökonomisch als auch geschäftlich ist es jedoch Unsinn, einen Monat lang die Kredite einzufrieren. Es sei eine große Herausforderung, die Neuvergabe im vorgegebenen Rahmen zu halten, sagte daher Hu Xiaolian, Vizechef der chinesischen Notenbank. Für das kommende Jahr erwarten Ökonomen eine niedrigere Vorgabe für die neuen Kredite im Bereich von 6,5 Billionen Yuan. Der Leitzins gilt im kommunistischen China allenfalls als unterstützendes Mittel zur Kontrolle der Geldversorgung. Bisher hat die Regierung immer schon zu Jahresbeginn genau festgelegt, wie viel Geld jede Bank bis Ende Dezember vergeben darf – und die haben sich in planwirtschaftlicher Manier daran gehalten. Schließlich gehören sie im Wesentlichen dem Staat.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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