Währungsreserven
Goldwette bringt Venezuela in Not

Venezuela wollte sich von der „Diktatur des Dollars“ befreien. Unter Präsident Hugo Chavez begann das Land, seine Währungsreserven in Gold zu tauschen. Das rächt sich jetzt. Dem Land droht das Geld auszugehen.
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Die Goldwette, die Venezuelas Ex-Präsident Hugo Chavez in den letzten Jahren seines Lebens eingegangen ist, bricht in sich zusammen - ausgerechnet zur falschen Zeit für sein Land.

Chavez hatte argumentiert, sein Land solle sich von der „Diktatur des Dollars“ befreien. Bis 2012 häufte er mehr als 70 Prozent der Währungsreserven seines Landes in Gold an. Das ist der höchste Anteil unter allen Schwellenländern und mehr als 50 Mal so viel wie in den Nachbarstaaten Kolumbien und Brasilien, zeigen Daten des World Gold Council.

In den vergangenen zehn Jahren wurde Venezuela mit einer Rally von fast 400 Prozent für den Schritt belohnt. Aber in diesem Jahr ist der Goldpreis um rund 25 Prozent eingebrochen. Das hat dazu geführt, dass die Reserven der Zentralbank zuletzt den niedrigsten Stand in acht Monaten erreicht haben. Es gefährdet die Fähigkeit der Regierung, ausländische Anleihe-Gläubiger zu bezahlen.

Im Juni senkte Standard & Poor's das Rating von Venezuela auf das niedrigste Niveau seit acht Jahren. Die Rendite von Venezuelas Dollar-Anleihen ist vergangenen Monat um 62 Basispunkte auf 11,84 Prozent gestiegen. Die Kosten, um sich gegen einen Zahlungsausfall des Landes über sogenannte Credit-Default-Swaps abzusichern, sind dieses Jahr um 377 Basispunkte auf 1024 Basispunkte angestiegen.

„Die Reserven von Venezuela sind sehr stark unter Druck geraten“, sagte Francisco Rodriguez, Volkswirt bei der Bank of America, in einem Interview mit Bloomberg. Falls es bei dem derzeitigen Niveau des Goldpreises bleibe, werde „sich die Wahrnehmung verstärken, dass sich Venezuelas Rückzahlungsfähigkeit verschlechtert“.

„Nicht nur die Gesamtreserven sind gefallen, sondern wir haben derzeit auch das niedrigste Niveau an Barreserven“, sagte Jose Manuel Puente, Professor für Volkswirtschaft an der IESA-Hochschule in Caracas. „Weil die Barreserven gering sind, schwächte sich die Fähigkeit der Zentralbank ab, die Devisenmärkte zu adressieren.“ Die Reserven der Zentralbank waren vergangene Woche unter 25 Milliarden Dollar gefallen - nach bis zu 29,9 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

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Weniger Dollar, höhere Inflation

Kommentare zu " Währungsreserven: Goldwette bringt Venezuela in Not"

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  • wenn die goldwette des ehrenwerten comandanten hugo chavez -wie im hb bericht gemeldet- erst mit einer rally von 400% belohnt wurde und nun ein einbruch von 25% erfolgt, dann hat
    der geniale companero chavez immer noch eine rendite von 275% erwirtschaftet.

    für einen sozialisten des 21. jahrhunderts wahrlich nicht schlecht...

    mehr geld hätte hugo chavez freilich nur mit -wie das hb ebenfalls gerne meldet- venezuelanischen aktien gemacht...

    p.s. danke für das asylangebot für edward snowden!!!


  • Psyops Kampagne gegen Venezuela. Goldwette ?. Bankreserven in Gold liebe Trolls.
    Ohne Misswirtchaft stände das Land recht passable da.

  • Das sind die Meldungen, mit denen man die Börsen, hier die Anleihen Venezuelas, auf Talfahrt schicken kann. Eines der ölreichsten Länder der Welt "in Not" ?? Auch eine pseudosozialistische Regierung kann beim besten Willen seine Ölreserven nicht einfach so vernichten. Hinter den völlig überzogenen Titelzeilen steckt doch nicht etwa eine politische Absicht??!!

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