Währungsverfall
Indien drängt seine Bürger zum Goldverkauf

Die indische Rupie befindet sich im freien Fall. Die Inder selbst trauen ihrer Währung nicht. Sie tauschen ihr Geld lieber in Gold. Die Regierung will das nun verhindern - offenbar mit drastischen Maßnahmen.
  • 17

Es ist ein Misstrauensvotum gegen die eigene Währung: Die Inder tauschen ihr Geld massenweise in Gold. Damit schwächen sie die heimische Währung, die Rupie verliert immer stärker an Wert. Die Regierung will das stoppen – und seine Bürger zum Goldverkauf drängen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen die indischen Banken dazu angewiesen werden, Gold aufzukaufen, und zwar zu höheren Preisen als am Markt üblich. Man hofft darauf, dass die Menschen dann bereit sein werden, ihre Goldschätze einzutauschen. Das Gold soll anschließend eingeschmolzen werden.

Die indische Regierung versucht mit aller Macht, den Verfall der Rupie aufzuhalten. Dieser hängt eng zusammen mit der starken Nachfrage nach Gold. Indien importiert große Mengen des Edelmetalls aus dem Ausland – im vergangenen Jahr waren es 860 Tonnen. Das wiederum trug wesentlich zu einem Außenhandelsdefizit von 90 Milliarden Dollar bei – das drittgrößte Defizit weltweit. Dieser Kapitalabfluss hat die Rupie stark geschwächt, in den vergangenen Wochen beschleunigte sich der Absturz noch. In diesem Jahr hat die Rupie gegen den Dollar um 22 Prozent abgewertet.

Hinzu kommt, dass sich viele internationale Investoren von dem Land abgewendet haben, enttäuscht vom wenig dynamischen Wirtschaftswachstum sowie dem Haushaltsdefizit von gigantischem Ausmaß. Das Land hat derzeit 400 Milliarden US-Dollar Schulden, 80 Prozent davon in ausländischer Währung. „Indiens volkswirtschaftliches Durcheinander nimmt rasch ein krisenhaftes Ausmaß an“, schrieb Richard Iley, Ökonom bei BNP Paribas in Singapur, in einer Analyse.  

Weltweit anlegende Fonds haben seit Ende Mai knapp neun Milliarden Dollar aus Anleihen in lokaler Währung abgezogen. Die Börse in Mumbai verzeichnete ebenfalls kräftige Verluste. „Der indische Markt befindet sich in einem ‚Super-Panik-Zustand‘“, kommentierte Samir Lodha, Senior Partner bei QuantArt Market Solutions in Mumbai.

Die Regierung in Neu-Delhi setzte in den vergangenen Wochen ein Verbot für den Import von Goldmünzen durch und erhöhte die Steuern für den Handel mit dem Edelmetall. Doch mit dem Rückkauf von Gold geht die Politik nun offenbar noch einen Schritt weiter.

Seite 1:

Indien drängt seine Bürger zum Goldverkauf

Seite 2:

Muss die Zentralbank ihr Gold verpfänden?

Kommentare zu " Währungsverfall: Indien drängt seine Bürger zum Goldverkauf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Lage in Indien deute ich so, dass man dem System am meisten schadet, indem man Edelmetalle regelmäßig kauft! Werde jetzt umso mehr pm ordern..

  • > Da will wohl die weltweite Zentralbankmafia an Indiens Gold um es auf den Markt zu werfen.
    Warum sollte sie? Zentralbanken als die größten Goldbesitzer sind kein bisschen an fallenden Goldpreisen interessiert.

    >Die Comex ist ja so gut wie leer.
    Ein Comex-Problem würde die Zentralbank-Goldbarren wertvoller erscheinen lassen.

  • Ein Igel im Winterschlaf rettet sich über die Zeit der Baisse in der Natur, die ihn sonst umbringen würde...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%