Währungswetten
Draghi zwingt Spekulanten in die Knie

Erfolg für Draghi: Seit der denkwürdigen Ansprache des EZB-Chefs, alles für die Euro-Rettung zu tun, haben Hedgefonds ihre Wetten gegen Europas Währung in Windeseile aufgelöst. Jetzt setzen sie gegen den Dollar.
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ChicagoHedgefonds und andere große spekulative Investoren lösen ihre Wetten auf einen stärkeren Dollar so schnell auf wie noch nie. Grund dafür ist die wachsende Zuversicht in die Erholung der Weltwirtschaft – und die Ankündigung eines Italieners.

Noch im Juni waren Futures-Kontrakte, mit denen Investoren auf einen Kursanstieg des Dollar wetten, so stark gestiegen wie nie zuvor. Die Wirtschaft signalisierte Wachstumsschwäche und die Anleger zogen sich aus dem Euro zurück.

Doch die Stimmung veränderte sich schlagartig, als EZB-Chef Mario Draghi am 26. Juli eine denkwürdige Ansprache hielt: Der Italiener versicherte, er werde alles Erforderliche tun, um den Euro zu halten.

Die Investoren erwarten nun, dass Draghi seinen Worten Taten folgen lässt. Sie hoffen darauf, dass die EZB Anleihen der hochverschuldeten Euro-Staaten kaufen oder die Zinsen noch weiter senken wird. Das könnte sich die Lage für die Schuldenstaaten – zumindest kurzfristig – etwas entspannen.

„Die Probleme in Europa waren Anfang des Jahres eine Unterstützung für den Dollar”, sagt Brian Kim, Währungsstratege bei der Royal Bank of Scotland in einem Telefoninterview. „Sichere Häfen waren gesucht. Es könnte eine weitere kurzfristige Dollarschwäche geben, falls es Draghi und den Regierungsvertretern gelingt, zusammenzuarbeiten“, fügte er an.

Nachdem auch die Zentralbanken von China bis zu den USA versprachen, die Wirtschaft ihrer Länder zu unterstützen, verstärkte sich die Flucht der Hedgefonds aus dem Dollar sogar noch.

Davon profitiert nicht nur der Euro, auch nach Australien und Schweden fließt viel Geld. Die schwedische Krone legte in den letzten vier Wochen stärker zu als jede andere wichtige Währung - gestützt von Leitzinsen, die sechsmal höher sind als in den USA. Größte Verlierer waren dagegen US-Dollar und Yen, die in turbulenten Zeiten als sichere Häfen bei Investoren gefragt sind.

„Wir beobachten eine generelle Rückkehr des Risikoappetits an den Finanzmärkten, einschließlich des Devisenmarktes“, sagte der leitende Währungsstratege Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Die Investoren „werden versuchen weg vom Dollar zu diversifizieren, in Währungen die von starken Fundamentaldaten gestützt werden, wie der australischen Dollar und die skandinavischen Währungen“, ergänzte er.

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US-Notenbank schwächt den Dollar

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  • Was zeigt, dass es vollkommen falsch ist, die Situation mit der althergebrachten Volkswirtschaftslehre bereinigen zu wollen. Abgesehen davon, dass die meisten VWL-"Gesetze" zu Zeiten nationaler Märkte (nicht globalisierter Märkte) ersonnen wurden und damit längst veraltet sind, muss die Krise mit "Poker", "Schach" und Psychologie statt Paragraphenreiterei bewältigt werden. Wer das noch nicht begriffen hat, der ist vollkommen blind, dem kann man wirklich nicht mehr helfen...

  • '3844apt'
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    60 Milliarden Euro an Zinsen an Deutschland durch die Krise
    gespart also gewonnenun du sprichst vom armen Deutschland.
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    Wirklich schön die Zinsersparnis.

    Ob das nun 60 Milliarden sind kann man zwar bezweifeln - ich komme nur auf so um die 40.

    Aber - wie dem auch sei - muß man ja vieleciht auch die Krisenkosten gegenrechnen.

    Ein ein Jahr lang um 10% unterbewerteter Euro kostet der deutschen Volkswirtschaft durch zu hohe Importkosten schon 'mal 40 Milliarden. Und zwar brutto wie netto.

    Während die "Zinsersparnis" zwar dem Staat 40 Milliarden spart, aber die Sparer und Versicherungen ebensoviel kostet - bis auf den Anteil der Auslandsanleger. Eine "Krisensteuer" auf Lebens-, Kapitalversicherungen und Anleihesparer gewissermaßen.

    Von den Kosten der "Griechenlandrettung" (= Pleite) von 90 Milliarden 'mal ganz zu schweigen.

    Und von den Eventualkosten der Portugal-, Irland- und Spanienrettung ganz zu schweigen.

    ++++

    '3844apt'
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    Leopold was bist du ein Betonkopf. Nichts geht zu Lasten Deutschlands. Kannst du nicht lesen?
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    Na - wer ist hier wohl der Betonkopf?

  • "Draghi zwingt Spekulanten in die Knie"

    Die Überschrift ist irreführend, da es DIE Spekulanten ja gar nicht gibt. D.h. es muss schon gesagt werden, welche Spekulationen er "in die Knie zwingt". Die Spekulanten (darunter viele inkompetente Politiker) die 10 Jahre auf eine gleiche Bonität aller Euro-Staaten setzten und sich damit heftig verspekuliert haben zwingt er ja z.B. nicht in die Knie sondern macht ihnen Geschenke.

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