Währungswetten
Spekulanten in der Bärenfalle

Selten waren sich die Investoren so einig: Mit dem Euro kann es nur abwärts gehen. Am Devisenmarkt gibt es so viele Wetten gegen den Euro wie nie. Doch die Spekulanten haben Europas Währung zu früh abgeschrieben.
  • 16

DüsseldorfDer Euro legt zu - und keiner weiß warum. In den vergangenen Tagen stieg der Kurs unbeeindruckt von der Schuldenkrise fast auf 1,40 Dollar. Für einen Euro gibt es aktuell 1,3923 Dollar.

Dabei hagelt es täglich schlechte Nachrichten. Der Schuldenschnitt für Griechenland wird nicht nur wahrscheinlicher, er dürfte auch deutlich höher ausfallen als gedacht. Nach Schätzungen müssen die Gläubiger rund 60 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. Ob alle europäischen Banken das verkraften, ist noch nicht klar.

Dass der Euro trotzdem steigt, dürfte manchen auf dem falschen Fuß erwischen. Spekulanten haben Milliarden auf einen fallenden Euro gesetzt. Gut möglich, dass sie den Euro zu früh abgeschrieben haben. „Alle haben damit gerechnet, dass der Euro noch einmal in Richtung 1,30 oder 1,25 Dollar einbricht. Entsprechend waren die spekulativen Investoren fast überwiegend auf der Verkäuferseite zu finden“, sagt Eugen Keller, Währungsstratege beim Bankhaus Metzler.

Den Aufwärtstrend des Euros hat das verstärkt: „Viele mussten erkennen, dass der Trend eher nach oben geht und ihnen hohe Verluste drohen. Das hat dazu geführt, dass Short-Positionen aufgelöst wurden, was den Euro-Kurs treibt“, erklärt Keller.

Im Börsenjargon spricht man in dem Fall von einer "Bärenfalle" - die Spekulanten sind reingetappt. Sie hatten so viele Wetten gegen den Euro abgeschlossen wie selten zuvor. Das belegen die Zahlen vom International Monetary Market (IMM) in Chicago, einem der weltweit größten Handelsplätze für Termingeschäfte auf Währungen.

Kommentare zu " Währungswetten: Spekulanten in der Bärenfalle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja faellt den der Euro nicht? Genau so der DAX? Oder lese ich einen Artikel von vor ein paar Tagen?

  • Spekulanten sind wichtig, sie sichern liquide Märkte. Hauptzweck der "Spekulation" ist die Absicherung deutscher Importeure und Exporteure gegen Wechselkurs-veränderungen. Man ist nicht einfach mal die Nr. 3 der weltweiten Exporte, davon nur 46% nach Europa (incl €-Land), und über 2/3 des weltweiten Handels läuft im USD, ohne dass man ein gewaltiges Devisengeschäft zur Absicherung der realen Wirtschaft benötigen würde! Dass der € unerwartet zur Zeit steigt, liegt in Zinsdifferenzen einerseits und andererseits in der Überlegung "unter Blinden ist der 1-Äugige König".

  • Vielleicht beschliesst man ja das alles nur ein Rechenfehler war und Griechenland gar keine Rettungsschirme braucht und die Aufstände in Griechenland nur eine Illusion sind.
    Dann kann der Euro wieder bis auf 1.60USD steigen wegen der Spekulanten. Dann werde ich alle meine Euros in USD konvertieren und auswandern, weil ich dann hier an nichts mehr glaube.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%