Warten auf Fed-Zinsentscheidung
Euro steigt erstmals über 1,30 Dollar

Erstmals hat der Euro die die Marke von 1,30 Dollar überstiegen. In der Spitze kostete er 1,3005 Dollar und damit übertraf er die erst am Montag erreichte Rekordmarke von 1,2986 Dollar.

HB FRANKRT/MAIN. Trotz eines unerwarteten Rückgangs des Defizits in der US-Handelsbilanz hat der Euro seinen Höhenflug zunächst fortgesetzt. Mit 1,3005 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung zeitweise so hoch wie noch nie zuvor seit der Einführung an den Finanzmärkten zum 1. Januar 1999.

Im Verlauf bröckelte der Euro allerdings wieder auf 1,2955 Dollar ab. Das Defizit in der US-Handelsbilanz war im September mit 51,56 Milliarden Dollar deutlich niedriger als von Analysten im Schnitt mit 53,50 Milliarden Dollar erwartet ausgefallen. Zugleich revidierte das US-Handelsministerium den Fehlbetrag vom Vormonat auf 53,55 von zunächst 54,04 Milliarden Dollar nach unten.

Analysten erklärten, auch der Rückgang des Fehlbetrages ändere nichts an den strukturellen Problemen der US-Wirtschaft. So erwarten viele Investoren nach der Wiederwahl von George W. Bush per saldo eine Ausweitung der Defizite in der Leistungsbilanz der weltgrößten Volkswirtschaft. Um diesen Fehlbetrag zu finanzieren, brauchten die USA einen niedrigen Dollarkurs. Zudem belastet das hohe Defizit im Staatshaushalt die US-Währung. Viele Investoren zweifeln auch an der Nachhaltigkeit der US-Konjunkturerholung. „Daten wie diese sind nur für einen kurzfristigen Sprung (nach oben) gut, insgesamt sieht der Dollar schwächer aus und jeder noch so kleine Anstieg wird sofort zu Käufen genutzt“, erklärte Robert Sinche, Währungsstratege bei der Bank of America in New York.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte noch kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen den Referenzwert mit 1,2977 (Vortag 1,2911) Dollar festgelegt. Im Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) kletterte der Kurs des Euro auf 1,2960 (Vortag 1,2896) Dollar. Ein Dollar kostet damit inzwischen nur noch gut 77 US-Cent und ist für Bundesbürger damit so günstig wie zuletzt im November 1996, als ein Dollar etwa 1,50/1,51 D-Mark kostete. Sein tiefstes Niveau zur D-Mark hatte der Dollar übrigens im März 1995 mit rund 1,3450 D-Mark erreicht.

Fed gibt Zinsentscheidung um 20:15 Uhr MEZ bekannt

Auch die steigenden Zinsen in den USA helfen dem Dollar derzeit nicht. Nach Einschätzung von Händlern dürfte die erwartete Anhebung der US-Leitzinsen um 25 Basispunkte auf dann zwei Prozent kaum nachhaltig Dollarkäufe auslösen. Auch in der Euro-Zone stehen die Leitzinsen derzeit bei zwei Prozent. Viele Investoren werden aber mit Argusaugen den Begleitkommentar der US-Notenbank (Fed) studieren, um aus der Konjunktureinschätzung der Notenbanker Hinweise auf die Zinsentscheidung für Dezember zu entnehmen.

Einige Analysten vermuten, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed bei der letzten Sitzung in diesem Jahr auf eine Zinserhöhung verzichten könnte. Andere nehmen an, dass die Fed auch im Dezember die Zinsen anheben wird. Durch den unerwartet guten Arbeitsmarktbericht zum Oktober sei die Wahrscheinlichkeit dafür wieder gestiegen, erklärten Analysten.

Die Aussagen einiger Notenbanker aus der Euro-Zone zum Euro-Kurs vermochten derweil den Euro kaum zu bremsen. „Die Verbalinterventionen häufen sich, bisher haben sie aber noch nichts bewirkt“, erklärte ein Händler.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%