Wechselkurs-Affäre: Mehr Elektronik gegen Devisen-Manipulation

Wechselkurs-Affäre
Mehr Elektronik gegen Devisen-Manipulation

Der Skandal um manipulierte Wechselkurse könnte die Branche nachhaltig verändern: Um staatlichen Auflagen zuvorzukommen, erarbeiten die Banken Reformvorschläge – eine tragende Rolle spielen dabei neue Technologien.
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LondonDie Affäre um manipulierte Wechselkurse wird nach Einschätzung von Experten den weltweiten Devisenhandel langfristig auf den Kopf stellen. In den Bankhäusern werden derzeit fieberhaft Reformvorschläge erarbeitet, um Betrug beim Handel mit Währungen verschiedener Länder auszuschließen. Dabei setzen einige auf ein mehr an Elektronik bei der Preisfestlegung von Devisengeschäften. Mit ihren Maßnahmen will die Finanzbranche einer staatlichen Regulierung zuvorzukommen, die aus ihrer Sicht die Kosten für das Multi-Billionen-Dollar-Geschäft in die Höhe treiben würde.

Der verstärkte Einsatz neuer Technologien dürfte dabei den klassischen Devisenhandel, bei dem ein Broker mit mehreren Telefonhörern in den Händen seine Aufträge platziert, weiter verdrängen. „Die Banken werden ihre Handelstische zwar kaum dichtmachen, aber sie werden verstärkt in Elektronik investieren“, sagt ein Branchen-Insider. „Bereits jetzt werden Aufträge unterhalb eines gewissen Volumens unter Aufsicht eines Händlers automatisch abgewickelt.“ Bei Euro /Dollar-Geschäften liege diese Schwelle bei etwa 50 Millionen Dollar.

Gerade die Ermittlung von Referenzkursen, das sogenannte Fixing, solle verstärkt auf elektronischem Wege erfolgen. „Wir arbeiten an einem System, in dem die Orders in einem 'Dark Pool' gesammelt werden, so dass menschliche Eingriffe während des Fixings außen vor bleiben“, sagt ein leitender Mitarbeiter einer der weltweit größten Plattformen für den Devisenhandel. Am Aktienmarkt wird bei "Dark Pool"-Geschäften der Preis, zu dem ein Papier ge- beziehungsweise verkauft wird, erst nach Abschluss der Transaktion veröffentlicht.

An den internationalen Devisenmärkten werden pro Tag 5,3 Billionen Dollar umgesetzt. Zum Vergleich: Das jährliche Bruttoinlandsprodukt Japans - immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt - liegt bei etwa fünf Billionen Dollar. Die täglich ermittelten Fixings dienen Investoren und Unternehmen zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolien, sie sind aber auch die Grundlage zur Berechnung vieler Aktien- und Anleihe-Indizes.

Da die Aufträge der Vermögensverwalter meist in den Minuten vor dem jeweiligen Fixing einlaufen, hatten bislang die Devisenhändler einer Handvoll Großbanken die Möglichkeit, mit Hilfe von Absprachen die Kursentwicklung vorab zu erkennen und daraus Nutzen zu ziehen.

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