Wechselkurs des Franken zum Euro
Black Friday am Bürkliplatz

In einem ruhigen Freitagshandel wertet der Franken plötzlich massiv ab. Experten vermuten einen Eingriff der Schweizer Nationalbank, die sich anscheinend für ein Kräftemessen mit der Europäischen Zentralbank wappnet.

ZürichEigentlich ist dieser Freitag ein ruhiger Handelstag. Wenn da nicht die Devisenmärkte wären. Ohne erkennbaren Grund wertet der Euro zum Franken um gut einen halben Prozent auf Kurse von über 1,09 Franken je Euro auf – der Franken fällt also. Zuvor hatte er sich eher der Marke von 1,08 genähert.

Devisenhändler glauben, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB), die in Zürich am Bürkliplatz residiert, ins Marktgeschehen eingegriffen hat. „Die Vermutung liegt sehr nahe, dass sie (die Verantwortlichen der SNB, d. Red) den Black Friday zum Einkauf von ein paar Euros genutzt haben“, kommentierte Thomas Flury, Devisen-Experte der UBS. Der „Black Friday“ ist der große Shoppingtag in den USA vor dem Thanksgiving-Wochenende.

Die Notenbank nutze den Umstand, dass wegen des verlängerten Wochenendes in den USA die Umsätze an den Finanzmärkten niedrig sind. Sprich, mit vergleichsweisen geringen Volumina kann die Schweizer Zentralbank einen spürbaren Effekt auf den Franken-Euro-Kurs haben. Ziel sei, so Flury, den Franken-Euro-Kurs auf „ein komfortables Niveau“ zu bringen, bevor Donnerstag die „Katastrophe“ anstehe.

Damit spielt Flury auf die nächste Sitzung des EZB-Rates kommenden Donnerstag an. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Geldschleusen weiter öffnen wird indem die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm erweitert. Zudem erwarten EZB-Watcher, dass die Frankfurter Währungshüter den Einlagezins – also den Strafzins, den Banken derzeit für das Parken von Geld bei der EZB bezahlen – von derzeit minus 0,2 Prozent weiter absenkt. Damit sollen Banken angehalten werden, mehr Kredite zu vergeben, um so die Wirtschaft anzukurbeln.

Sollte es so kommen, droht dem Franken aber ein neuer Aufwertungsschub. Denn die Zins-Niveaus in verschieden Währungsräumen haben indes großen Einfluss auf die Wechselkurse. Sinkt in der Eurozone das Zinsniveau, verringert sich der Zins-Abstand zur Schweiz. Die Folge: Der als sicher geltende Schweizer Franken wird zum Euro attraktiver, denn der Preis, Franken statt Euro zu besitzen, sinkt.

Letztlich kann die Schweizer Notenbank auf zwei Arten auf den erwarteten EZB-Entscheid reagieren: Sie kann ihrerseits ihre Zinsen weiter senken, und zum Beispiel ihren Einlage-Zins von derzeit minus 0,75 auf minus 1 Prozent senken. Oder sie kann versuchen, mit neuen Euro-Käufen sich gegen die Frankenaufwertung stemmen. Beide Wege bergen große Risiken.

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Negativzinsen birgt große Risiken

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