Wechselkurs des Franken zum Euro

Black Friday am Bürkliplatz

In einem ruhigen Freitagshandel wertet der Franken plötzlich massiv ab. Experten vermuten einen Eingriff der Schweizer Nationalbank, die sich anscheinend für ein Kräftemessen mit der Europäischen Zentralbank wappnet.
Update: 27.11.2015 - 16:02 Uhr
Am Bürkliplatz residieren die Währungshüter des Franken. Quelle: dpa
Die SNB

Am Bürkliplatz residieren die Währungshüter des Franken.

(Foto: dpa)

ZürichEigentlich ist dieser Freitag ein ruhiger Handelstag. Wenn da nicht die Devisenmärkte wären. Ohne erkennbaren Grund wertet der Euro zum Franken um gut einen halben Prozent auf Kurse von über 1,09 Franken je Euro auf – der Franken fällt also. Zuvor hatte er sich eher der Marke von 1,08 genähert.

Devisenhändler glauben, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB), die in Zürich am Bürkliplatz residiert, ins Marktgeschehen eingegriffen hat. „Die Vermutung liegt sehr nahe, dass sie (die Verantwortlichen der SNB, d. Red) den Black Friday zum Einkauf von ein paar Euros genutzt haben“, kommentierte Thomas Flury, Devisen-Experte der UBS. Der „Black Friday“ ist der große Shoppingtag in den USA vor dem Thanksgiving-Wochenende.

Die Notenbank nutze den Umstand, dass wegen des verlängerten Wochenendes in den USA die Umsätze an den Finanzmärkten niedrig sind. Sprich, mit vergleichsweisen geringen Volumina kann die Schweizer Zentralbank einen spürbaren Effekt auf den Franken-Euro-Kurs haben. Ziel sei, so Flury, den Franken-Euro-Kurs auf „ein komfortables Niveau“ zu bringen, bevor Donnerstag die „Katastrophe“ anstehe.

Von null auf hundert und zurück
09. Januar 2012
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Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Erstmals gelingt es Deutschland, kurzfristige Geldmarktpapiere  mit Gewinn zu verkaufen. Wer an diesem Tag Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten kauft, bekommt am Ende der Laufzeit weniger vom Fiskus überwiesen, als er am Anfang investiert hat.

Die Gründe sind vielfältig: Weil die Anleihen der Krisenstaaten vom Ausfall bedroht sind, flüchten alle in deutsche Titel. Gleichzeitig pumpt die EZB über großzügige Sonder-Kredite an die Banken frisches Geld in die Märkte, das die Unternehmen gar nicht ausleihen wollen. Die Nachfrage nach Krediten ist klein, das Angebot an Geld groß. Das drückt auf die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt zu diesem Zeitpunkt bei 1,85 Prozent.

26. Juli 2012
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„Whatever it takes.” Investoren sind wenige Monate nach dem griechischen Schuldenschnitt in Panik. Die Kurse der Anleihen aller Euro-Randländer fallen, ihre Renditen steigen. Da spricht EZB-Chef Mario Draghi bei einer Konferenz in London ein Machtwort. „Die EZB wird innerhalb ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Damit leitet Draghi eine Erholung der Anleihen der Euro-Randländer ein. Doch auch Bundesanleihen bleiben gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei 1,32 Prozent – und sinkt immer weiter.

11. Juni 2014
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Zentralbankzins für Einlagen unter null: Die Euro-Zone kommt wirtschaftlich noch immer nicht vom Fleck. Obwohl die EZB die Leitzinsen immer weiter gesenkt hat, bleibt die Kreditvergabe schwach. Die Notenbank geht also noch einen Schritt weiter: Sie senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent, der Einlagezins fällt auf minus 0,1 Prozent. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken und nicht verleihen wollen, zahlen jetzt Strafe. Im September 2014 erhöht die EZB diesen „Strafzins“ auf 0,2 Prozent.

17. September 2014
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Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Die Negativzinsen fressen sich bei Bundeswertpapieren weiter durch. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit zu einer Minusrendite auf. Diese liegt bei minus 0,07 Prozent. Aufgestockt wird die Anleihe um 3,3 Milliarden Euro. Begeben worden war sie am 20. August 2014 mit einem historisch niedrigen Zinsschein von null Prozent und einer Rendite von ebenfalls null Prozent.

16. Januar 2015
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Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen. 

Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat.

22. Januar 2015
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Die EZB macht Ernst. Die Notenbank kündigt ein massives Kaufprogramm für Wertpapiere – vor allem Staatsanleihen an. Bis mindestens September 2016 will sie öffentliche Anleihen – sprich Staatsanleihen, Anleihen von nationalen Förderbanken sowie supranationalen Institutionen kaufen. Dazu kommen die schon länger laufenden Programme für gedeckte Bankenanleihen (Covered Bonds) und Verbriefungen (ABS). Insgesamt wollen die EZB und vor allem die nationalen Notenbanken monatlich Wertpapiere über 60 Milliarden Euro erwerben – also insgesamt 1,14 Billionen Euro. Die zehnjährige Bundesanleihe wirft für Neueinsteiger nur noch 0,45 Prozent Rendite ab.

25. Februar 2015
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Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe. Deutschland stockt erstmals eine Anleihe mit fünf Jahren auf, für die das Land von Anlegern Gebühren bekommt, statt Zinsen zu zahlen. Eingenommen werden zu einer Rendite von minus 0,08 Prozent 3,3 Milliarden Euro. Seit der Emission am 21. Januar hat auch diese fünfjährige Anleihe einen Kupon von null Prozent.

Damit spielt Flury auf die nächste Sitzung des EZB-Rates kommenden Donnerstag an. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Geldschleusen weiter öffnen wird indem die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm erweitert. Zudem erwarten EZB-Watcher, dass die Frankfurter Währungshüter den Einlagezins – also den Strafzins, den Banken derzeit für das Parken von Geld bei der EZB bezahlen – von derzeit minus 0,2 Prozent weiter absenkt. Damit sollen Banken angehalten werden, mehr Kredite zu vergeben, um so die Wirtschaft anzukurbeln.

Sollte es so kommen, droht dem Franken aber ein neuer Aufwertungsschub. Denn die Zins-Niveaus in verschieden Währungsräumen haben indes großen Einfluss auf die Wechselkurse. Sinkt in der Eurozone das Zinsniveau, verringert sich der Zins-Abstand zur Schweiz. Die Folge: Der als sicher geltende Schweizer Franken wird zum Euro attraktiver, denn der Preis, Franken statt Euro zu besitzen, sinkt.

Letztlich kann die Schweizer Notenbank auf zwei Arten auf den erwarteten EZB-Entscheid reagieren: Sie kann ihrerseits ihre Zinsen weiter senken, und zum Beispiel ihren Einlage-Zins von derzeit minus 0,75 auf minus 1 Prozent senken. Oder sie kann versuchen, mit neuen Euro-Käufen sich gegen die Frankenaufwertung stemmen. Beide Wege bergen große Risiken.

Negativzinsen birgt große Risiken
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