Wegen Fed-Politik
Türkische Lira unter Abwertungsdruck

Die Fed-Geldpolitik sorgt für heftige Turbulenzen in den Schwellenländern. Die Devisen werden aus den Depots geworfen. Davon betroffen ist auch die türkische Lira. Für zusätzlichen Druck sorgt die Syrien-Krise.
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London/IstanbulEine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Zinserhöhung noch keine nachhaltige Erholung der türkischen Lira. Nur wenn weitere Schritte folgten, könne sie sich dem Abwertungsdruck, unter dem andere Schwellenländer-Währungen leiden, auch weiterhin entziehen, sagt Ibrahim Aksoy, Volkswirt von Seker Securities.

Aus Furcht vor einer nachlassenden Flut billigen US-Notenbankgeldes haben sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Anleger aus Rupie, Real & Co. zurückgezogen. Besonders hart traf es dabei Staaten mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit. In dessen Berechnung fließen Im- und Exporte von Waren, Dienstleistungen und Kapital ein. Bei anhaltend hohen Leistungsbilanzdefiziten besteht die Gefahr, dass die Devisenreserven eines Landes nicht mehr ausreichen, um Importe wichtiger Rohstoffe oder Konsumgüter zu finanzieren.

Fed-Geldpolitik sorgt für Turbulenzen in Schwellenländern

Indien, Indonesien, Südafrika oder Brasilien, deren Währungen Investoren zuletzt in hohem Bogen aus ihren Depots geworfen haben, verbuchen Leistungsbilanzdefizite zwischen drei und 6,5 Prozent. Die Türkei spielt mit einem Minus von sieben Prozent in derselben Liga.

Die Lira fiel zwar am Donnerstag auf ein Rekordtief zum Dollar, mit einem Minus von etwa drei Prozent ist der Kursverlust der vergangenen drei Wochen aber gerade einmal halb so hoch wie derjenige der anderen Währungen. Das könne sich aber schnell ändern, warnt Claire Dissaux, Chef-Analystin und -Strategin bei Millenium Global Investments. „Ein Realzins von 125 Basispunkten ist zu gering, um das Risiko, die Währung eines Landes mit einem so hohen Leistungsbilanzdefizit zu halten, zu rechtfertigen.“ Der Realzins ist die Differenz zwischen dem Leitzins und der Inflationsrate. Mit aktuell 7,75 Prozent liegt der Schlüsselsatz derzeit 1,25 Prozentpunkte über der Teuerungsrate. Zum Vergleich: In Staaten wie Indonesien oder Brasilien liegt der Realzins bei 300 beziehungsweise 600 Basispunkten.

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Guter Ruf der türkischen Notenbank verhindert Schlimmeres

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  • Sehr zum Leidwesen der türkischen Nationalbank kauft der Türke als Geschenk und Geldanlage Gold. Kein 333er sondern nur hochprozentiges. Der Türke hat schon viel Inflation hinter sich und hat dazugelernt, was man vom deutschen Staatsbürger nun nicht behaupten kann.

    Schönen Tag noch.

  • Das türkische Wirtschaftsmodell beruht doch auf den gleichen Strukturen, wie das Modell anderer Mittelmeerländer. Außenwirtschaftlich gesehen sind hohe Kapitalimporte notwendig, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen. Binnenwirtschaftlich gesehen ist der Aufschwung hauptsächlich durch den Bauboom getrieben. Gleichzeitig haben sich die Konsumenten in Erwartung immer besser laufender Konjunktur hoch verschuldet. Zusätzlich belasten die völlig korrupten Strukturen, verursacht durch fehlende Rechtsstaatlichkeit und administrative Willkür. Griechenland lässt grüßen. Wenn jetzt noch die unsichere Situation in Syrien dazu kommt, ist der Absturz vorprogrammiert.

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