Wegen „Fracking“: USA entkoppeln sich von Ölimporten

Wegen „Fracking“
USA entkoppeln sich von Ölimporten

Die Ölförderung in den USA steigt so rasant wie nie. Der Import fällt dafür auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren, zeigt eine aktuelle Prognose. Das beschert der US-Wirtschaft einen Energie-Boom und drückt den Ölpreis.
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DüsseldorfIn den USA steigt die Ölförderung im Jahr 2013 so stark wie noch nie. Dies sagt die US-Energiebehörde EIA voraus. Der Prognose zufolge pumpen die Vereinigten Staaten in diesem Jahr 900.000 Fass mehr Öl pro Tag aus der Tiefe. Die Förderung steigt damit auf 7,3 Millionen Barrel Erdöl pro Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern.

Die Energiebehörde korrigierte nun ihren jüngsten Ausblick von Dezember deutlich nach oben. Jetzt gehen die Experten davon aus, dass von 2012 bis 2014 die Ölproduktion um fast ein Viertel steigen wird. Zugleich importieren die USA 2014 so wenig Erdöl wie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Einfuhr von Rohöl und Benzin wird der Behörde zufolge auf sechs Millionen Fass pro Tag sinken - rund die Hälfte des Spitzenwerts der Jahre 2004 bis 2007.

Die eindrucksvolle Rückkehr Amerikas als Erdölförderer fußt auf früher unerreichbaren Vorkommen an Schieferöl und –gas. Neue Fördermethoden erschließen nun jedoch die Lagerstätten in der Tiefe. Bei dem sogenannte „Fracking“ wird mit Chemikalien und Sand versetztes Wasser unter hohem Druck in die Tiefe gepumpt, um dort Gesteinsschichten aufzubrechen. So wird bislang nicht förderbares Gas und Öl freigesetzt und kann anschließend an die Erdoberfläche gepumpt werden.

Diese sogenannten unkonventionellen Vorkommen entfachen in den USA geradezu einen neuen Öl- und Gasrausch. Die Preise für die Energieträger fallen deutlich hinter das Niveau von Europa zurück. Dadurch werden im großen Stil Investoren angelockt. „Die US-Industrie profitiert von diesem zusätzlichen Angebot. Das ist ein enormer Wettbewerbsvorteil der US-Wirtschaft“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank.

In den Bundesstaaten mit großen alternativen Lagern wie North Dakota, Pennsylvania oder Texas siedeln sich Unternehmen an. Konzerne mit hohem Energieverbrauch eröffnen neue Werke in der Region. Sogar ausländische Firmen verlagern teilweise ihre Produktion. So erwägt der österreichische Stahlreise Voestalpine, für rund eine halbe Milliarde Euro ein Werk in den USA aufzubauen.

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  • Ich schätze das Ganze eher als Bluff ein - der Peak Oil weltweit wird bald erreicht oder ist schon überschritten, in den USA ohnehin schon lange...der übrige Öl ist nur höchst kostspielig und schwierig zu fördern...und damit wirtschaftlich unrentabel und zudem qualitativ meist minderwertig und damit ineffizient...und zudem sind da etwa bei Bohrungen auf dem Meeresboden neben den Kosten noch die teuren Umweltschäden...

    Michael C. Rupperts täglicher Peak Oil Blog

    http://www.fromthewilderness.com

    Geopolitik und VWL

    http://www.steinbergrecherche.com

  • Hier ist von einem Poster angeführt worden, dass Fracking bei weitem weniger energieeffizient (um es einfach zu sagen) ist als die normale Förderung von Öl und Gas. Ich bin kein Fachmann, aber soweit ich es verstehe, wird Fracking ja auch nur angewandt, seit eben das Niveau der Energiepreise auch die höheren Kosten des neueren Verfahrens (das so neu übrigens wohl garnicht ist) lohnend macht. Es wird also grosso modo in bestimmten Regionen betriebswirtschaftlich lohnend sein - sonst würde es ja schliesslich nicht auf privatwirtschaftlicher Basis gemacht. Ob Fracking wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt dann also von mehreren Variablen ab, unter anderen dem Preis des konventionellen Öls und technischem Fortschritt. Hinzu kommt der Aspekt, dass die USA mit ihrem bisherigen "Geschäftsmodell" (Einfuhr von Gütern gegen Bezahlung mit bedrucktem Papier - dem Dollar) wohl am Ende angelangt sind. Die Konkurrenz aufstrebender Regionen wird sie in eine Lage versetzen, in der sie sich gezwungen fühlen, um jeden Preis ihre dominante Position zu bewahren. Also werden sie die Umweltbedenken hintanstellen. Und das Verfahren, wenn nötig, sogar subventionieren.

  • Die USA müssen ihr eigenes Land vergiften.

    DERART bankrott möchte ich nicht sein.

    Aber DIE sind es.

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