Wegen Franken-Stärke
Schweizer stürmen in deutsche Geschäfte

Den Schweizern wird der Franken zu teuer. Um Geld zu sparen, gehen in Grenzorten wohnende Schweizer in Deutschland einkaufen. Darunter leidet die Wirtschaft. Der Schweiz droht eine Rezession.
  • 14

Wegen der Aufwertung der Landeswährung strömen die Bewohner in Scharen über die nahe Grenze nach Deutschland zum Einkaufen. Das belastet die einheimischen Einzelhändler – und verschlimmert die Auswirkungen des starken Franken auf die schweizerische Wirtschaft, die aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in eine Rezession abgeglitten ist.

„Das ist ein Problem. Hotels, Restaurants und Läden haben es schwer“, sagt Nicole Esslinger, Geschäftsführerin von Kreuzlingen Tourismus. „Die Kreuzlinger sind schon immer in das nächstgelegene Geschäft gegangen, auch wenn es jenseits der Grenze lag. Aber jetzt hat das ganz andere Dimensionen angenommen.“ Schweizer Städte an der Grenze zu Deutschland zahlen die Zeche für die Entscheidung der Nationalbank vom Januar, den Frankenkurs gegenüber dem Euro freizugeben.

Der hohe Wechselkurs belastet die Exporte und die Verbraucherausgaben. Die Konjunktur wird in der Eidgenossenschaft in diesem Jahr voraussichtlich so schwach sein wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise dürften so stark fallen wie zuletzt vor sechs Jahrzehnten, und am Mittwoch wird sich wohl zeigen, dass die Inflationsrate im Juli bei minus einem Prozent verharrte. Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe ging im Juli überraschend zurück, zeigten Daten vom Montag. Bei der saisonbereinigten Arbeitslosenquote wird am Freitag ein Wert von 3,3 Prozent für Juli erwartet.

Zwischen Kreuzlingen und der deutschen Stadt Konstanz gibt es keine natürliche Grenze, und das Schengen-Abkommen ermöglicht Reisen zwischen den Orten auch ohne Pass. Allerdings gelten Zoll-Bestimmungen.

Die Schweizer sind es seit jeher gewohnt, Dinge des täglichen Bedarfs jenseits der Grenze zu kaufen. 2013 gaben sie im Ausland rund zehn Milliarden Franken für Artikel wie Waschmittel und Sonnenbrillen aus, zeigt eine Studie des Marktforschers GfK. Wer seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, darf pro Tag Waren im Wert von 300 Franken einführen, ohne darauf Zoll entrichten zu müssen. Zudem kann er sich die deutsche Mehrwertsteuer erstatten lassen.

Kommentare zu " Wegen Franken-Stärke: Schweizer stürmen in deutsche Geschäfte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sozusagen subventionieren 31 Millionen Beschäftigte, 10 Millionen exportbeschäftigter Arbeitnehmer und einen ganzen Industriezweig, welcher anscheinend ohne diese Weichwährung nicht konkurrenzfähig wäre.
    Dazu kommen noch die hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse, die dann wegen Überschuldung unserer ausländischen Kundschaft uneinbringbar werden.
    Was soll daran ein Erfolgsmodell sein? Wir bezahlen uns selbst unter Wert und können dann auch noch unsere exportierten Waren, für die wir vorab geleistet haben, abschreiben. Wahrlich ich sage euch, wirklich ein tolles deutsches Geschäftsmodell!

  • Fakt ist, dass in der Exportindustrie mit die höchsten Löhne und Gehälter an die Beschäftigten ausbezahlt werden, während die nicht exportabhängigen Branchen und deren Beschäftigte mit einer zu schwachen Währung in Bezug auf das BIP und die Produktivität bezahlt werden und dies schon seit Jahren. Deutschland koppelte sich durch €-Anbindung an leistungsschwache Volkswirtschaften, um dadurch die eigentlich viel stärkere Währung (D-Mark) künstlich zu drücken. Deutschland hat durch die Aufgabe der D-Mark innerlich abgewertet und diese Negativentwicklung durch Agenda 2010, jahrelange Reallohnstagnation bei den Beschäftigten und einem Niedriglohnsektor durch Leih- und Zeitarbeit, sowie Minijobs noch verschärft. Produktive Arbeit wurde entwertet, während Reiche und Vermögende, sowie Unternehmen massiv steuerlich entlastet wurden. Das politische System in D ist inzwischen nicht mehr in der Lage, nachhaltige Lösungen für die drängensten Probleme dieses Landes zu entwickeln und umzusetzen (z. Bsp. Bekämpfung obiger Verwerfungen). Wer tatsächlich eine positive Veränderung will, muss das politische System reformieren, inklusive des völlig ausser Kontrolle geratenen weltweiten Finanzsystems. Ebenso sollte man sich endlich unseres Geldsystems annehmen und dieses zum Nutzen aller umgestalten, anstatt es als Umverteilungsinstrument von arm zu reich auszunutzen, damit muss endlich Schluss sein. Reale Werte und Vermögensaufbau müssen wieder mit produktiver Arbeit geleistet werden und nicht durch Hochfrequenz Börsenzockereien mit zig 100-fachen Hebeln und dem exponentiell anwachsendem Zinseszinssystem. Produktiv geleistete Arbeit muss sich wieder lohnen, und zwar netto im Geldbeutel der Arbeitnehmer. Steuer-, Renten- und Sozialssystem müssen refomiert werden, ALLE müssen sich solidarisch daran beteiligen. Der auch in D massiv vorhandene Bürokratie- u. Beamtenapperat (Bundesanstalt für Arbeit usw.) muss abgebaut werden.

  • Das isr an den Tessiner Grenzen nichr anders!
    Zudem sind die italienischen besser sortiert und haben länger geöffnet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%