Wegen Franken-Stärke Schweizer stürmen in deutsche Geschäfte

Den Schweizern wird der Franken zu teuer. Um Geld zu sparen, gehen in Grenzorten wohnende Schweizer in Deutschland einkaufen. Darunter leidet die Wirtschaft. Der Schweiz droht eine Rezession.
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Für einen Euro bekommt man in Deutschland mehr, als für einen Franken in der Schweiz. Zahlreiche Schweizer bevorzugen es daher in Deutschland einzukaufen. Quelle: dpa
Schweizer kaufen in Deutschland ein

Für einen Euro bekommt man in Deutschland mehr, als für einen Franken in der Schweiz. Zahlreiche Schweizer bevorzugen es daher in Deutschland einzukaufen.

(Foto: dpa)

Wegen der Aufwertung der Landeswährung strömen die Bewohner in Scharen über die nahe Grenze nach Deutschland zum Einkaufen. Das belastet die einheimischen Einzelhändler – und verschlimmert die Auswirkungen des starken Franken auf die schweizerische Wirtschaft, die aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in eine Rezession abgeglitten ist.

„Das ist ein Problem. Hotels, Restaurants und Läden haben es schwer“, sagt Nicole Esslinger, Geschäftsführerin von Kreuzlingen Tourismus. „Die Kreuzlinger sind schon immer in das nächstgelegene Geschäft gegangen, auch wenn es jenseits der Grenze lag. Aber jetzt hat das ganz andere Dimensionen angenommen.“ Schweizer Städte an der Grenze zu Deutschland zahlen die Zeche für die Entscheidung der Nationalbank vom Januar, den Frankenkurs gegenüber dem Euro freizugeben.

Der hohe Wechselkurs belastet die Exporte und die Verbraucherausgaben. Die Konjunktur wird in der Eidgenossenschaft in diesem Jahr voraussichtlich so schwach sein wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Verbraucherpreise dürften so stark fallen wie zuletzt vor sechs Jahrzehnten, und am Mittwoch wird sich wohl zeigen, dass die Inflationsrate im Juli bei minus einem Prozent verharrte. Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe ging im Juli überraschend zurück, zeigten Daten vom Montag. Bei der saisonbereinigten Arbeitslosenquote wird am Freitag ein Wert von 3,3 Prozent für Juli erwartet.

Zwischen Kreuzlingen und der deutschen Stadt Konstanz gibt es keine natürliche Grenze, und das Schengen-Abkommen ermöglicht Reisen zwischen den Orten auch ohne Pass. Allerdings gelten Zoll-Bestimmungen.

Die Schweizer sind es seit jeher gewohnt, Dinge des täglichen Bedarfs jenseits der Grenze zu kaufen. 2013 gaben sie im Ausland rund zehn Milliarden Franken für Artikel wie Waschmittel und Sonnenbrillen aus, zeigt eine Studie des Marktforschers GfK. Wer seinen Wohnsitz in der Schweiz hat, darf pro Tag Waren im Wert von 300 Franken einführen, ohne darauf Zoll entrichten zu müssen. Zudem kann er sich die deutsche Mehrwertsteuer erstatten lassen.

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14 Kommentare zu "Wegen Franken-Stärke: Schweizer stürmen in deutsche Geschäfte"

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  • Sozusagen subventionieren 31 Millionen Beschäftigte, 10 Millionen exportbeschäftigter Arbeitnehmer und einen ganzen Industriezweig, welcher anscheinend ohne diese Weichwährung nicht konkurrenzfähig wäre.
    Dazu kommen noch die hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse, die dann wegen Überschuldung unserer ausländischen Kundschaft uneinbringbar werden.
    Was soll daran ein Erfolgsmodell sein? Wir bezahlen uns selbst unter Wert und können dann auch noch unsere exportierten Waren, für die wir vorab geleistet haben, abschreiben. Wahrlich ich sage euch, wirklich ein tolles deutsches Geschäftsmodell!

  • Fakt ist, dass in der Exportindustrie mit die höchsten Löhne und Gehälter an die Beschäftigten ausbezahlt werden, während die nicht exportabhängigen Branchen und deren Beschäftigte mit einer zu schwachen Währung in Bezug auf das BIP und die Produktivität bezahlt werden und dies schon seit Jahren. Deutschland koppelte sich durch €-Anbindung an leistungsschwache Volkswirtschaften, um dadurch die eigentlich viel stärkere Währung (D-Mark) künstlich zu drücken. Deutschland hat durch die Aufgabe der D-Mark innerlich abgewertet und diese Negativentwicklung durch Agenda 2010, jahrelange Reallohnstagnation bei den Beschäftigten und einem Niedriglohnsektor durch Leih- und Zeitarbeit, sowie Minijobs noch verschärft. Produktive Arbeit wurde entwertet, während Reiche und Vermögende, sowie Unternehmen massiv steuerlich entlastet wurden. Das politische System in D ist inzwischen nicht mehr in der Lage, nachhaltige Lösungen für die drängensten Probleme dieses Landes zu entwickeln und umzusetzen (z. Bsp. Bekämpfung obiger Verwerfungen). Wer tatsächlich eine positive Veränderung will, muss das politische System reformieren, inklusive des völlig ausser Kontrolle geratenen weltweiten Finanzsystems. Ebenso sollte man sich endlich unseres Geldsystems annehmen und dieses zum Nutzen aller umgestalten, anstatt es als Umverteilungsinstrument von arm zu reich auszunutzen, damit muss endlich Schluss sein. Reale Werte und Vermögensaufbau müssen wieder mit produktiver Arbeit geleistet werden und nicht durch Hochfrequenz Börsenzockereien mit zig 100-fachen Hebeln und dem exponentiell anwachsendem Zinseszinssystem. Produktiv geleistete Arbeit muss sich wieder lohnen, und zwar netto im Geldbeutel der Arbeitnehmer. Steuer-, Renten- und Sozialssystem müssen refomiert werden, ALLE müssen sich solidarisch daran beteiligen. Der auch in D massiv vorhandene Bürokratie- u. Beamtenapperat (Bundesanstalt für Arbeit usw.) muss abgebaut werden.

  • Das isr an den Tessiner Grenzen nichr anders!
    Zudem sind die italienischen besser sortiert und haben länger geöffnet.

  • Wir haben vor kurzem unseren Urlaub in einem Wellnesshotel in der Toscana verbracht. Das 200-Bettenhaus war zu 3/4 mit Schweizern belegt und die gehen jetzt auch zum Ski laufen lieber nach Österreich, dort können sie sich statt zwei auch mal drei Wochen gönnen, dank € – ist doch auch schön…odr hä?

  • Es sind eher 3 mal soviel, ca 4000 Fr. (Mindestlohn, versteht sich)

  • Das ist jetzt wohl um das "Sommerloch" zu füllen. Diese Situation herrscht im Schweizer Grenzgebiet schon über 1 1/2 Jahre. Bürger von Konstanz können am Wochenende nicht mehr einkaufen, da alles mit Schweizern verstopft ist. Am Grenzübergang kann man für eine Autobahnvignette mal gut 30 Minauten anstehen, weil die Schweizer ihre Ausfuhr bestätigt haben woillen, wenn man überaupt zur Grenze vorgedrungen ist nach Stop and Go vorher. Und in Rheinfelden sieht es kaum anders aus.

  • Also ich nehme immer den Gotthardtunnel, wenn ich nach Konstanz fahre, so kann ich die Maut sparen.

  • Fakt ist, wir Deutschen sind der größte Profiteur und Nutznießer der Gemeinschaftswährung. Ohne die Gemeinschaftswährung hätten > 10 Mio. abhängig Beschäftigter, deren Jobs in der Exportindustrie mittelbar und unmittelbar am Euro hängen, keinen Job und könnten stempeln gehen.

  • Ich glaube nicht, dass die hohen schweizer Preise lediglich auf die Franken-Aufwertung zurückzuführen ist.
    Eine Kassiererin in einem schweizer Supermarkt verdient ungefähr das Doppelte ihrer deutschen Kollegin.
    Ein Gutteil der Preisunterschiede sind wohl teilweise auf die fantastisch überhöhten Löhne zurückzuführen, die in der Schweiz gezahlt werden.
    Und warum sind die schweizer Löhne historisch schon immer so hoch gewesen?
    Weil die Schweiz das Land der Steuerhinterzieher ist und kaum ein Mensch eine Wohnung zu bezahlbaren Preisen findet.
    Das Gleiche findet in noch viel teuren Städten wie London und Monaco statt.
    Den vielen Steuerbetrügern sitzt die Kohle so locker, dass ein unakzeptables hohes Preisniveau entsteht.
    Wenn die Schweizer die vielen zugereisten Steuervermeider richtig besteuern würde, müßte kein Schweizer in Deutschland einkaufen.

  • Die "Aufwertungs-Dividende " gibt es aber nur für die Schweizer, die noch einen Job haben und die nicht durch die Frankenstärke schon arbeitslos geworden sind.

    In Deutschland, wo jeder 2. Arbeitsplatz mittel und unmittelbar am Export hängt, hätten wir bei einer vergleichbar starken Währung schon Massenarbeitslosigkeit.

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