Weißrusslands Wirtschaft bedroht
Moskau erhöht Minsk den Gaspreis

Russland legt jetzt auch seinem Verbündeten Weißrussland die Daumenschrauben an. Das von Alexander Lukaschenko diktatorisch beherrschte Land soll nach dem Willen des russischen Gasmonopolisten Gazprom künftig dreimal soviel für sein Erdgas zahlen. Damit droht Belarus der wirtschaftliche Kollaps.

MOSKAU. Denn die meisten, von Lukaschenko planwirtschaftlich bevormundeten Betriebe überleben bisher nur dank der russischen Gas-Subventionen. Gazprom-Vizechef Alexander Rjasanow kündigte am Dienstag in Moskau an, Weißrussland müsse von 2007 an „mindestens den dreifachen Gaspreis zahlen“. Bisher lag dieser aus politischen Gründen bei 46,68 Dollar pro 1 000 Kubikmeter russischen Erdgases. Zuvor hatte der vom Kreml kontrollierte weltgrößte Gaskonzern bereits der Ukraine und anderen GUS-Ländern die Rechnung kräftig erhöht. Ein Regierungsvertreter in Minsk wies Moskaus Forderung als „Erpressung“ zurück. Russland und Weißrussland bilden eine Staatenunion. Daraus hatte Lukaschenko bislang das Recht abgeleitet, Gas zu russischen Inlandstarifen zu bekommen.

Gazprom hatte als Gegenleistung für den Billigtarif bereits früher die langfristige Pacht des weißrussischen Transit-Gasleitungssystems durchgesetzt. Der Moskauer Großkonzern schickt rund ein Fünftel seines für Europa bestimmten Erdgases durch das Nachbarland im Westen.

Durch die drastische Anhebung des Gaspreises will Russland sich nun endgültig den Zugriff auf Beltransgas sichern, vermuten Analysten in Moskau. Gazprom ist bereit, Beltransgas für 500 Mill. Dollar zu kaufen, Weißrussland verlangt bisher fünf Mrd. Dollar dafür.

Lukaschenko hatte sich bei einer Wahl, die von der OSZE als „weder frei noch fair“ eingeschätzt wurde, erneut im Amt bestätigen lassen. Proteste gegen Wahlmanipulationen ließ er am vergangenen Samstag blutig niederschlage, viele Oppositionelle wurden verhaftet. Am kommenden Samstag will Lukaschenko offiziell seine dritte Amtszeit antreten.

Doch nun bringt die Verdreifachung des Gaspreises den „letzten Diktator Europas“ wirtschaftlich in Bedrängnis. Nur durch die faktische Subventionierung durch den großen Bruder sei die weißrussische Wirtschaft bis heute konkurrenzfähig, sagt Sergej Karaganow vom russischen Rat für Sicherheitspolitik. Nach Angaben der Weltbank sind die Öl- und Gaspreis-Subventionierungen aus Russland für elf Prozent des weißrussischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gut.

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