Weiter hohes Niveau
Ölpreise nach Anstieg der US-Ölreserven gefallen

Wegen eines überraschenden Anstiegs der US-Ölreserven sind die Ölpreise, die bereits über 50 Dollar lagen, am Mittwoch gefallen. Die US-Ölreserven waren in der vergangenen Berichtswoche um 3,4 Millionen Barrel auf 272,9 Millionen Barrel in die Höhe geschossen, berichtete des US-Energieministerium.

HB LONDON/NEW YORK. Ölexperten hatten wegen den Nachwehen des Hurrikan „Ivan“ im Golf von Mexiko hingegen mit einem entsprechend starken Rückschlag gerechnet. Höhere Ölimporte und Wartungsarbeiten an Raffinerien in Vorbereitung auf die Heizölsaison machten die Produktionsausfälle im Golf von Mexiko aber mehr als wett. Die Raffinerien benötigen momentan weniger Rohöl.

Rohöl zur Novemberauslieferung ist am New Yorker Warenterminmarkt Nymex gegenüber Vortagsschluss um ein Prozent auf 49,40 Dollar je Barrel gefallen. Der New Yorker Ölpreis hatte am Vortag im Tagesverlauf mit 50,47 Dollar ein neues Rekordhoch verbucht. In London gab der Ölpreis der Nordseesorte Brent am Mittwoch um 1,5 Prozent auf 45,77 Dollar nach. Er hatte am Vortag mit 46,72 Dollar ein Rekordhoch erreicht. Auch der Preis für Rohöl aus der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) war am Dienstag auf ein neues Rekordhoch geklettert. Der sieben Sorten umfassende Korbpreis habe 43,54 Dollar je Barrel betragen.

Die OPEC zeigte sich unterdessen bereit, die Förderung seiner Mitgliedsländer um weitere 1,5 bis 2 Millionen Barrel täglich zu erhöhen. Dies teilte OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro am Mittwoch in Wien mit. Die gegenwärtigen Preise seien von einem „Angstfaktor“ bestimmt und seien weder durch die Nachfrage noch das bestehende Angebot gerechtfertigt“. Saudi Arabien will seine Produktion von 9,5 Millionen Barrel pro Tag auf elf Millionen Barrel ausweiten. Diese Ankündigung hat Händlern zufolge den Markt ebenfalls etwas beruhigt.

Die Bundesregierung mahnte erneut mehr Transparenz auf den internationalen Ölmärkten an. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstütze deshalb mit Nachdruck die Initiative, das Thema beim G-7- Finanzministergipfel am 1. Oktober anzusprechen, sagte Regierungssprecher Béla Anda in Berlin. Mehr Transparenz sei wichtig, um den stark gewachsenen Spekulationen zu begegnen und den Preis treibenden Verteilungskämpfen entgegen zu wirken.

Der hohe Ölpreis wird laut Finanzministerium „massive Auswirkungen auf das Mineralölsteueraufkommen“ haben. Es werde zu Einbrüchen kommen, sagte ein Sprecher. Auch das Wirtschaftsministerium reagierte besorgt auf die aktuelle Entwicklung. In die Höhe schnellende Preise blieben nicht ohne Einfluss und Risiko auf die Konjunktur. „Die Experten sehen das Risiko, aber noch keine konkrete Auswirkung“, sagte ein Sprecherin. Der Präsident des Deutschen Industrie-und Handelskammertages (DIHK), Ludwig-Georg Braun, fürchtet wegen des hohen Ölpreises keinen Konjunktureinbruch. „Im Vergleich mit den 70er Jahren ist ist der Preisanstieg geringer, und auch damals ist die deutsche Wirtschaft damit fertig geworden“, sagte Braun der „Financial Times Deutschland“. Höhere Ölpreise seien kein Wettbewerbshandicap, weil die Preise weltweit stiegen.

Die globale Nachfrage ist allerdings unvermindert stark, und die Versorgungsprobleme sind angesichts der Unruhen im siebtgrößten Ölexportland Nigeria weiterhin schwierig. Die Ölmärkte werden aber auch weiterhin durch Sorgen über jederzeit mögliche neue Angriffe auf Pipelines im Irak, den ungelösten Steuerdisput des größten russischen Ölexporteurs Yukos und neue Engagements von Hedgefonds und Spekulanten an den Warenterminmärkten beeinflusst.

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