Welteke: Verkaufserlöse nicht zur Schuldentilgung des Bundes einsetzen
Goldmarkt reagiert nicht auf Verkaufsankündigung

Zwischen 400 und 600 Tonnen Gold will die Deutsche Bundesbank offenbar im Rahmen eines künftigen zweiten internationalen Abkommens von Herbst 2004 bis 2009 marktschonend verkaufen.

HB FRANKFURT. Die Voraussetzung dafür wäre, dass der Gesetzgeber ermögliche, die Verkaufserlöse am Kapitalmarkt wieder anlegen zu können, berichtete die „Börsen-Zeitung“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Finanzkreise. Die Bundesbank lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Auch beim Bundesfinanzministerium gab es zunächst keine Stellungnahme. Am Goldmarkt löste der Bericht keine Kursreaktion aus.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke habe sich zu Details im Gespräch mit der Zeitung nicht äußern wollen, da die Verhandlungen über das neue Abkommen zwischen europäischen Notenbanken zur Begrenzung ihrer Goldverkäufe erst im Frühjahr abgeschlossen würden, hieß es in dem Bericht. In den Finanzkreisen werde davon ausgegangen, dass die Notenbanken das Verkaufsvolumen nach ihrem ablaufenden Abkommen von rund 2 000 Tonnen beziehungsweise 400 Tonnen jährlich um maximal zehn bis 15 Prozent aufstocken werden, hieß es. Eine solche Erhöhung könne der Goldmarkt angesichts einer günstigeren Nachfrage gut verkraften.

Welteke lehnte es den Angaben zufolge ab, die Goldgewinne dem Bund zur Schuldentilgung zu überlassen. Sollten die Erlöse via Bundesbankgewinn weiter dem Bund zufließen, sei mit Goldverkäufen nicht zu rechnen, bekräftigte er frühere Aussagen. Welteke favorisiere, mit den Erträgen Bildung und Forschung zu fördern.

Der Bundesbank-Chef hatte schon früher die Absicht von Goldverkäufen unter einem neuen Goldabkommen der Notenbanken, das ab Herbst 2004 gelten würde, angekündigt. Unter der laufenden Vereinbarung durfte die Bundesbank nur rund 20 Tonnen insgesamt abstoßen. Mit einem Bestand von 3 440 Tonnen Gold ist die deutsche Währungsbehörde nach der US-Notenbank zweigrößte Halterin des Edelmetalls. Mit dem 1999 geschlossenen Vertrag beschränkten die 15 beteiligten nationalen europäischen Zentralbanken den Goldverkauf auf 400 Tonnen jährlich, um einen Einbruch des Goldpreises zu verhindern.

Der Goldmarkt hat schon länger die Verkaufswünsche der Bundesbank zur Kenntnis genommen. Der Preise reagierte deshalb Händlern zufolge nicht auf den Bericht. Die genannte Menge von 400 bis 600 Tonnen liege unter den Markterwartungen und könne deshalb den Goldpreises stützen. Der Preis für Gold hängt vor allem vom Dollarpreis ab, zu dem er sich normalerweise gegenläufig bewegt. Eine Feinunze kostete am Dienstagmorgen gut 373 Dollar und hatte sich damit gut anderthalb Dollar seit dem New Yorker Schlusskurs verbilligt.

In dem Zeitungsbericht hieß es weiter, nach Aussage von Welteke werde in seinem Haus für den Fall künftiger Goldverkäufe geprüft, die Verwaltung der Gewinne im Rahmen einer Ausschreibung Finanzdienstleistern in Tranchen als Fonds zu offerieren. Dabei könnte sich die Bundesbank selbst als Asset Manager für eine Tranche bewerben. Diese Erlöse dürften sich bei günstigem Goldpreis auf über vier Milliarden Euro kumulieren. Die Erträge könnten sich bei drei Prozent Rendite pro Jahr bis 2009 auf etwa 500 Millionen Euro summieren.

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