Weltweite Wirkungen
China sorgt weltweit für steigende Rohstoffpreise

Das Reich der Mitte ist so hungrig nach Importen, dass die Wirkungen bis nach Lateinamerika spürbar sind.

PEKING. Der rasante Wirtschaftsboom in China zieht weite Kreise. Bis ins ferne Lateinamerika sorgt er dank des immensen Importhungers Chinas für steigende Rohstoffpreise; entsprechend ziehen auch die Wechselkurse an. „China ist der weltweit größte Importeur von Basismetallen und Sojabohnen, daher hat es auf Brasiliens, Argentiniens und Chiles Wirtschaft einen positiven Einfluss", sagt Ricardo Amorim, Lateinamerika-Chef bei Ideaglobal, einer Research-Firma an der Wall Street.

Besonders Brasilien bekommt den China-Boom zu spüren. Die Ausfuhren des lateinamerikanischen Landes ins Reich der Mitte stiegen im Oktober auf Jahresbasis um 60 %. Die Lieferungen landwirtschaftlicher Produkte Brasiliens nach China nahmen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 84,5 % zu. Die Verkäufe von Eisenerz und Sojabohnen, den beiden wichtigsten Exportartikeln Brasiliens im Handel mit China, legten um 87 % und 37 % zu. Ähnliche Zuwächse verzeichnen im Handel mit China auch Chile, das vor allem Kupfer liefert, und Argentinien, dessen Verkaufsschlager im Chinahandel Sojabohnen sind.

„Der wachsende Konsum in China bedeutet für uns eine ausgezeichnete Chance“, sagt Brasiliens Landwirtschaftsminister Roberto Rodrigues in Peking gegenüber dem Handelsblatt. Brasilien nutze derzeit 57 Mill. Hektar landwirtschaftliche Fläche, in 20 Jahren sollen es 90 Mill. Hektar sein, kündigt der Minister an. Damit würde Brasilien mit Abstand zum global größten Exporteur aufsteigen. „Wir brauchen dafür einen Markt und China repräsentiert eine riesige Gelegenheit“, sagt Rodrigues. Der rasant wachsende landwirtschaftliche Handel zwischen beiden Ländern verleiht sogar den Wechselkursen Auftrieb.

Der Real, Brasiliens Währung, legte gegenüber dem US-Dollar seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva im Januar 19 % zu. Chiles Peso 13 % und Argentiniens Peso 15 %. Die explodierenden Landwirtschaftsexporte ins Reich der Mitte sind einer der stärksten Treiber dieses Höhenflugs. Denn die Rohstoff-Lieferungen der lateinamerikanischen Länder werden vor allem in Dollar bezahlt. Und das Einkommen der Exporteure wird anschließend in die lokale Währung der Lieferländer eingetauscht, was deren Wechselkurs gegenüber dem Dollar anhebt.

Ein Ende dieses Mechanismus ist derzeit kaum absehbar. „Die Landwirtschaft ist der Treiber der rasant wachsenden Handelsbeziehungen“, sagt Präsident Edemar Cid Ferreira von Brasiliens siebtgrößter Geschäftsbank Banco Santos. Chinas Regierung befürchtet, dass das das Land bis zum Jahr 2005 auf eine knappe Versorgung mit landwirtschaftlichen Gütern zusteuert und die Importe weiter steigen. Peking forciert daher mit einer dirigierten Kreditpolitik der Staatsbanken die Investitionen verarbeitender Landwirtschaftsfirmen in Brasilien, so, wie sie ihre Mineralölkonzerne in Öl- und Gasfelder in Südostasien, dem Nahen Osten und Zentralasien investieren lässt, um die strategische Versorgung zu sichern. Der wachsende Handel zwischen Brasilien und China steht ganz oben auf der politischen Tagesordnung. „Neun Jahre lang ist kein brasilianischer Präsident nach China gereist“, sagt Landwirtschaftsminister Rodrigues, „aber Lula wird schon im April nach China fahren“.

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