Wende am Rohstoff-Markt?
Ölpreis hängt (noch) in der Spekulationsspirale fest

Kurz vor dem Opec-Treffen am Sonntag ist der Preis für das schwarze Gold um sieben Dollar in einer Woche gestiegen. Mit den Fundamentaldaten lässt sich das nicht erklären. Wovon die weitere Entwicklung jetzt abhängt.
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FrankfurtSeit gut einer Woche kennt der Ölpreis im Grunde nur eine Richtung: nach oben. Für die Rohstoffproduzenten ist das eine willkommene Atempause nach dem drastischen Verfall des Ölpreis seit Juni 2014. Fraglich jedoch ist, wie nachhaltig dieser Preisanstieg ist – und wie viel Spekulation darin steckt.
Was den Ölpreis derzeit treibt, sind Ankündigungseffekte in Perfektion. Es handelt sich aktuell vor allem um die Erwartungen aufgrund eines anstehenden Ereignisses: Am Sonntag treffen sich die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) gemeinsam mit weiteren Förderländern in der katarischen Hauptstadt Doha, um ein Einfrieren ihrer Fördermenge zu besprechen. Allein vom 4. April bis zum Schlussstand am Dienstag kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent-Öl um sieben Dollar – von 37,69 Dollar auf 44,69 Dollar.

Doch Experten wie Daniel Yergin bleiben dem euphorischen Treiben am Markt gegenüber skeptisch. Der Öl-Historiker ist Vizepräsident des Analyseunternehmens IHS und eine Koryphäe in der Branche. Eine Begrenzung der Förderung hält er erst für möglich, wenn der Iran endgültig erkläre, wie viel Öl das Land exportieren könne, sagte er vor wenigen Tagen der Financial Times in einem Interview.
Vieles spricht dafür, das reine Spekulationen den Ölpreis nach oben treiben. Denn um das Treffen ranken sich viele Gerüchte. So verlautete am Dienstag, dass sich Saudi-Arabien und Russland eine Grenze geeinigt hätten, prompt schoss der Ölpreis nach oben.

Die Rohstoff-Experten der Commerzbank bleiben jedoch zurückhaltend: „Da der Iran sich nicht beteiligt und freiwillige Produktionskürzungen bei den anderen Ländern ausgeschlossen sind, wird die OPEC-Produktion auch nach Doha weiter steigen“, schreiben sie in einem Kommentar. Zudem sei es durchaus wahrscheinlich, dass Öltrader nach dem Treffen Gewinne mitnehmen, getreu dem Motto „Kaufe das Gerücht, Verkaufe den Fakt“.

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  • Wie viel Sachverstand muss man verlangen, weil das unerlässlich ist?

    Die Nachfrage nach Öl ist eingebrochen? Ja wo denn? In China wächst die Wirtschaft und auch der Ölverbrauch. Im Februar wurde ein Verkaufsrekord von 1,92 Mio. Autos verzeichnet. Wie viele sind denn das auf das Jahr hochgerechnet? Sinkt der Ölverbrauch in China oder steigt der?
    Kohle und Stahl werden wegen gesunkenen Baubooms weniger gebraucht. Ist das für Chinas Wirtschaft gut oder schlecht?
    Was ist mit den 7 Prozent Wachstum in Indien? Wird Indien mehr oder weniger Öl verbrauchen?
    Der Ölpreis kann am 19. Februar um über 10 Prozent steigen. Keiner nimmt das zur Kenntnis.
    Exkurs für Prozentfetischisten: Am Dienstag betrug die Umlaufrendite in Deutschland Null Prozent. Wie groß war die Steigerung am Mittwoch, als die Umlaufrendite auf 0,05 Prozent stieg? Sofort ausrechnen, wer das Matheabitur geschafft hat! Wer das nicht ausrechnen kann, hat jeglichen Hinweil auf relative Zahlen, von Hundert, für immer verwirkt.

  • Wann ist die Frage. Immer eine Frage des Timings...

  • LUSTIG, dass z.B. Goldman-Sachs von einem Preis von 20 USD ausgegangen ist.
    Das sind die sogenannten "Experten".

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