Wertbeständige Währung
„In Gold I Trust“

Investoren blicken sorgenvoll auf die Schuldenexzesse in den USA und Europa. Sie entdecken Gold als bessere, wertbeständige Währung. Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat hat dies schon lange geahnt. Ein Bekenntnis.
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FrankfurtKann eine Wertanlage sinnlich, womöglich gar erotisch sein? Aber sicher. Kreisrund, fast 34 Gramm schwer, man fühlt Gewicht und Wert, Paul Kruger auf der Vorderseite, die Springbock-Antilope hinten. Es ist der südafrikanische Krügerrand, "die" Goldmünze schlechthin. Ich bin ein sinnlicher Mensch, ich liebe Gold, seit Anfang des Jahrtausends. Die ersten Münzen habe ich nach dem Platzen der Internetblase gekauft. Damals gab es die Ein-Unzen-Münze für 300 bis 400 Euro. Heute kostet der Krügerrand rund 1300 Euro.

Es war eine mentale Strapaze. Freunde und Kollegen hielten mich für einen Spinner. Die konnten mit Gold nichts anfangen. Sie vertrauten auf ihr Bankkonto, auf Festgeld, eine Lebensversicherung, vielleicht noch eine Immobilie, andere bevorzugten Aktienfonds - das war's. Doch als Finanzjournalist mit Faible für Börsenzyklen war für mich spätestens am Beginn des Millenniums klar: Nach zwei Jahrzehnten des Wertpapierbooms neigt sich die Hausse dem Ende, dafür starten Rohstoffe und Gold ihr Comeback.

Die Ausgangslage war perfekt, denn praktisch niemand war investiert. Es gab also genug künftige Käufer, die den Preis treiben konnten. Die vor elf Jahren geplatzte Aktienblase war nur ein erster Warnschuss für die Aktienmärkte. Niedrige Zinsen hielten das System viele Jahre stabil. Aber ein unseliges Quartett aus Politikern, Notenbankern, Investmentbankern und Ratingagenturen bereitete die Götterdämmerung vor.

Im Sommer 2007 beschrieb ich im Handelsblatt meine Sorgen vor dem aufziehenden perfekten Sturm. Es war die Zeit, als die Immobilienblase in den USA platzte und praktisch alle Experten den Schaden kleinredeten. Viele waren sorglos. Dann breitete sich die Krise aus: zu den Banken, in die Realwirtschaft, jetzt zu den Staaten. Die nächste Krise wird die der Währungen sein, jener Scheine und Münzen, die wir täglich beim Einkaufen aus der Tasche ziehen.

Kommentare zu " Wertbeständige Währung: „In Gold I Trust“"

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  • Ende der 70er Jahre gab es eine ähnliche Euphorie. Gold kletterte da auch auf über 1800 $ um anschließend auf
    unter 400 $ zu fallen. Bei solchen Schwankungen Gold als wertbeständig zu bezeichnen ist einfach nur noch lächerlich. Gold hat im Prinzip keinen Nutzen. Man kann es nicht essen und als Industriemetall ist es auch nur bedingt zu gebrauchen. Für mich ist Gold spekulationsgetrieben maßlos überteuert.

  • Es hilft nichts.....
    ...last sie doch wenn sie nicht hören wollen
    ...Auch in meinem Bekannten und Fraundeskreis
    ...kann man nicht vom Gold überzeugen...
    ...sollen doch die Schaaaafe blöd sterben

  • Hallo Herr Narat,

    Sie haben Ihre Hausaufgaben mit bravur gemacht (im Gegensatz zu Ihren Kollegen/innen)! Höchstes Lob von meiner Seite. Ich teile Ihre Meinung zu 100%. Sicherlich (was die Nicht-Gold-Besitzer nicht wissen) verkaufen Sie, genauso wie ich, bei platzen der Goldblase (die erkennt man wenn es kein Gold mehr zu kaufen gibt) nicht in Euro oder Dollar, sondern in eine dann derzeit kräftige anderen Währung oder tauschen das Gold in andere Sachwerte (z.B.Immobilien). Für die Kritiker, die weder Gold haben noch sich intensiv damit beschäftigt haben gebe ich noch einen Satz mit auf den Weg: "Keine Wette war in den Jahrhunderten der Währungsgeschichte sicherer zu gewinnen als die, dass ein Goldstück, das der Inflationspolitik der Regierungen unzugänglich ist, seine Kaufkraft besser bewahren würde als eine Banknote". - Wilhelm Röpke

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