Wette auf Konjunkturwende
Rohstoffe: Der Traum vom Superzyklus lebt

Nicht einmal ein Jahr nach Ende der mehrjährigen Hausse herrscht am Rohstoffmarkt wieder Goldgräberstimmung. Die Analysten von Goldman Sachs sehen noch großes Kurspotenzial, wenn die Konjunkturerholung erst einmal einsetzt. Andere Analysten sind deutlich skeptischer und warnen bereits wieder vor Übertreibungen.

DÜSSELDORF. Die Anleger an den Rohstoffmärkten schnuppern wieder Höhenluft. Seit ihren Tiefständen zu Beginn des Jahres haben sich die Preise von Rohstoffen kräftig erholt: Der Ölpreis hat sich seit Mitte Februar verdoppelt. Auch Blei kostet heute doppelt so viel wie zu Jahresbeginn, bei Kupfer liegt das Plus immerhin bei 80 Prozent, Silber und Platin haben ihren Wert etwa um die Hälfte gesteigert. Besonders heftig fiel die Bewegung im Mai aus. Der GSCI-Index, ein stark beachteter Rohstoffindex, stieg im Mai um 16,8 Prozent. Das war der drittstärkste Anstieg seiner Geschichte. Die leichte Gegenbewegung in den vergangenen Tagen fällt da kaum ins Gewicht.

Angestoßen wurde die Aufwärtsbewegungen von zwei Faktoren: einer seit Monaten hohen Rohstoffnachfrage aus China sowie wachsenden Hoffnungen auf eine baldige Konjunkturerholung. Zwar stecken die wichtigen Industrienationen der Welt nach wie vor im Konjunkturtief und verlässliche Signale, dass der Wirtschaftsaufschwung schnell kommen wird, sind zwar bislang Fehlanzeige. Eine Aufwärtstendenz bei den Frühindikatoren reicht aber aus, um Zuversicht zu schüren.

Weil auch supranationale Institutionen wie der Internationale Währungsfond IWF oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) inzwischen optimistische Signale senden und spätestens 2010 eine deutliche Erholung erwarten, macht sich bei den Anlegern bereits wieder Goldgräberstimmung breit. In einschlägigen Foren übertreffen sich die Teilnehmer mit Jubelmeldungen und Kaufempfehlungen für Rohstoffe. Begriffe wie "Rohstoff-Superzyklus" oder "Megatrend Rohstoffe", die in den vergangenen Monaten niemand mehr in den Mund nehmen wollte, feiern ein Comeback.

Erstaunlich ist das nicht, denn die Erinnerungen an die Rohstoffhausse von 2004 bis 2008 sind noch jung. Damals vervielfachten sich die Preise fast aller Rohstoffe. Öl, Silber und Nickel etwa steigerten ihren Wert um das Vierfache, bei Agrarrohstoffen wie Mais oder Sojabohnen lag das Plus immerhin bei 300 Prozent.

Viele Anleger, die diese Phase damals verpasst haben, hoffen nun auf eine zweite Chance. Und die Anbieter von Investmentprodukten wie Zertifikaten oder ETFs wittern bereits Morgenluft und kommen wieder verstärkt mit Rohstoffprodukten auf den Markt. Einige Analysten in den großen Banken wollen da nicht nachstehen und steuern ihren Teil zur guten Stimmung bei.

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