Wieder 1,14-Dollar-Marke passiert
Yen-Höhenflug treibt auch den Euro-Kurs

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Länder hatten am Wochenende in Dubai eine „höhere Flexibilität der Wechselkurse“ als wünschenswert beschrieben - und haben damit den Dollar erheblich unter Druck gebracht.

HB FRANKFURT. Die Forderung der sieben führenden Industrieländer (G7) drückte am Montag den Dollar zum Yen zeitweise mit weniger als 112 Yen auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2000. Zugleich zog auch der Euro rund zwei US-Cent auf über 1,14 Dollar an, dem höchsten Niveau seit Juli. Händler sagten, die Einschätzung der Marktteilnehmer, die Bank von Japan könnte nun vorläufig auf eine Stützung des Dollar verzichten, habe die Talfahrt der US-Währung zeitweise beschleunigt. Dies belastete im europäischen Aktienhandel vor allem die Exportwerte. Zudem löste der Kursverfall des Dollar im Rentenhandel Umschichtungen aus US-Bonds in Anleihen aus der Euro-Zone aus.

Eine „höhere Flexibilität der Wechselkurse“ wurde auf der WTO-tagung in Dubai als wünschenswert beschrieben, „um reibungslose und weit reichende, auf Marktmechanismen basierende Anpassungen im internationalen Finanzsystem zu unterstützen“. Diese Erklärung sei sehr viel härter ausgefallen als die sonst übliche Floskel, wonach die G-7-Länder die Devisenmärkte genau beobachten und falls nötig kooperieren, erklärten Analysten. „Die Politik des starken Dollar ist nun offiziell für beendet erklärt“, sagte Stephen Jen von Morgan Stanley in London voraus.

Viele Marktteilnehmer kauften am Montag schon in Fernost Yen, da sie annahmen, dass die Bank von Japan nun auf weitere Interventionen verzichten werde. Nachdem Japans neu ernannter Finanzminister Sadakazu Tanigaki erklärt hatte, er habe nicht die Absicht, die Wechselkurspolitik zu ändern, erholte sich der Dollar zeitweise auf 112,20 Yen. Am Freitag hatte der Dollar zuletzt in New York noch leicht über 114 Yen gekostet. Die japanische Notenbank hat in diesem Jahr bereits für die Rekordsumme von neun Billionen Yen (rund 70 Mrd. €) US-Dollar gekauft, um damit eine weitere Aufwertung des Yen zu verhindern. Japan, dessen Wirtschaft nach Jahren der Stagnation in einer Erholungsphase ist, fürchtet negative Folgen für die für das Wachstum entscheidende Exportindustrie, sollte der Yen zu hoch steigen. Morgan-Stanley-Analyst Jen bezweifelt denn auch, dass Japan künftig tatsächlich auf Interventionen verzichten wird. „Japans Wirtschaft ist gerade von der Beatmungsmaschine herunter genommen worden, und das Land wird eine zu deutliche Stärkung des Yen nicht wollen, ganz egal was die Amerikaner sagen. Es wäre ein zu großes Risiko für die Exporteure und für den Nikkei“, erklärte Nieal Kimberley von der Bank von Tokyo-Mitsubishi.

Der Nikkei-Index, der seit Wochen kräftig zugelegt hatte, verlor mehr als vier Prozent. Auch in Frankfurt und den meisten großen europäischen Börsenplätzen verloren die Standardwerte im Schnitt gut ein bis zwei Prozent. Die Terminkontrakte signalisierten für die US-Börsen ebenfalls eine schwache Eröffnung. Der Einbruch der US-Bonds im internationalen Bondhandel ließ in den USA zudem die Renditen kräftig steigen. Demgegenüber gaben die Renditen im europäischen Rentenmarkt bei steigenden Kursen deutlich nach. Die Talfahrt der US-Währung könnte nach Einschätzung von Händlern noch eine ganze Weile andauern. Es bleibe abzuwarten, ob der neue japanische Finanzminister gleich an seinen ersten Tagen im Amt in den Markt eingreifen lassen würde. Neue Impulse von der Konjunkturseite werden erst wieder am Donnerstag mit dem deutschen Ifo-Index und neuen US-Daten erwartet.

Technisch orientierte Händler schließen unterdessen für den Euro nicht aus, dass er bis über 1,1630 Dollar steigen könnte. Dafür müsste er aber zunächst seine technische Widerstandszone bei 1,1500 bis 1,1535 Dollar brechen. Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den Referenzkurs am Montag mit 1,1468 Dollar fest, nach 1,1312 Dollar am Freitag. Im Referenzkursverfahren der Banken wurde der Euro zuvor mit 1,1477 Dollar nach 1,1280 Dollar festgestellt.

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