Wirtschaftlicher Aufschwung in den USA und Gefälle bei langfristigen Zinsen stützen mittelfristig den Greenback
Experten erwarten Comeback des Dollars

Des einen Leid ist des anderen Freud. Während die Europäer unter dem immer stärker werdenden Euro stöhnen, reiben sich die Amerikaner klammheimlich die Hände. Damit rückt einmal mehr die Frage in den Vordergrund, ob das neue Jahr erneut ein „Jahr des Euros“ oder vielleicht doch eine Renaissance des Dollars bringen wird. Auch die Experten sind sich darüber nicht ganz einig.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Aus Sicht der Amerikaner hat der Verfall der eigenen Währung erst einmal nur Vorteile. „Er hat die Unternehmensgewinne gestärkt, der (Notenbank) Fed beim Kampf gegen die Deflation geholfen und könnte bald den Außenhandel wieder ins Gleichgewicht bringen“, sagt Richard Berner, Ökonom bei der Investmentbank Morgan Stanley in New York. Berner rechnet damit, dass sich diese positive Entwicklung aus US-Sicht auch im neuen Jahr fortsetzt.

Kein Wunder, dass auch die Regierung in Washington zufrieden ist. „Wir verfolgen weiterhin eine Politik des starken Dollars“, sagte US-Präsident George W. Bush auf seiner letzten Pressekonferenz des Jahres – wohlwissend, dass ihm das niemand mehr abnimmt. Die Administration hat wesentlich zum Sinkflug des Dollars beigetragen. Als US-Finanzminister John Snow die Gruppe der größten Industrieländer (G7) im September in Dubai zu mehr Flexibilität auf den Devisenmärkten drängte, haben die Händler das zu Recht als Aufruf zum Dollar- Verkauf verstanden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt kein Wechselkursziel. Doch EZB-Präsident Jean- Claude Trichet bekräftigte zuletzt noch einmal, dass er für einen starken und stabilen Euro plädiert. Für EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing entspricht der aktuelle Euro-Kurs in etwa dem langfristigen Durchschnitt. Entscheidend sei zudem nicht die Aufwertung gegenüber dem Dollar; man müsse den handelsgewichteten Euro-Kurs zu Grunde legen.

Dagegen „redet Snow den Dollar schwach“, sagt Franz Wenzel. Dies ist für den Senior Investment Strategen von Axa Investment Managers in Paris ein Grund, der gegen eine Erholung des Dollars im kommenden Jahr spricht. Entscheidend ist für ihn auch die weitere Entwicklung in Asien. Dort seien Leistungsbilanzüberschüsse und enorme Währungsreserven aufgebaut worden. Nach Einschätzung des Axa-Strategen könnte es zu einer Umverteilung der Devisenreserven in Asien zu Gunsten des japanischen Yens und des Euros kommen. „Dies spricht ebenfalls eher gegen einen höheren Dollar“, sagt Wenzel.

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