Wochenverlust für Euro
„Griechenland drückt die Risikofreude“

Der Euro steuert auf seinen dritten Wochenverlust und damit auf den tiefsten Stand seit vier Monaten zu. Schuld sind vor allem Griechenland und Spanien. Die Länder wurden von den Ratingagenturen abermals abgestraft.
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Frankfurt/MainTrotz leichter Kurserholung am Nachmittag steuert der Euro am Freitag seinen dritten Wochenverlust in Serie an. Am Vormittag war die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2642 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit vier Monaten gefallen. Zuletzt wurde sie wieder etwas fester bei 1,2713 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2721 (Donnerstag: 1,2682) Dollar fest.
Vor dem G8-Treffen in den USA liegt eine Woche voller neuer Eskalationen der europäischen Schuldenkrise. Das pleitebedrohte Griechenland steht vor Neuwahlen und einer ungewissen Zukunft in der Währungsunion. Seit Wochenbeginn haben Bankkunden massenhaft Geld von ihren Konten ins Ausland überwiesen. Am Donnerstagabend stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit auf die niedrigste Stufe vor dem Zahlungsausfall („Default“) herab. „Griechenland drückt die Risikofreude an den Devisenmärkten nach wie vor“, sagt Boris Schlossberg, Experte beim Online-Broker GFT Forex.

Unterdessen machen dem großen Euro-Sorgenkind Spanien seine Probleme im Bankensektor weiter zu schaffen. Die Finanzreform der Vorwoche fiel an den Märkten durch. Am späten Donnerstagabend strafte die Ratingagentur Moody's die spanischen Banken ab. In einem Rundumschlag wurde die Bonität von 16 Instituten gesenkt. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte gegenüber dem französischen Rundfunk-Sender Europe 1 am Freitag, dass sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten erst in ein bis zwei Jahren legen werden. „Jeder scheint derzeit gegen den Euro zu sein - es ist eine sehr populäre Wette“, erklärt GFT-Analyst Schlossberg.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80420 (0,80080) britische Pfund, 100,95 (101,77) japanische Yen und 1,2012 (1,2011) Schweizer Franken fest. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1.589,50 (Vortag: 1.554,00) gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 39.570,00 (Mittwoch: 38.230,00) Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Weltgrößter Gelddrucker bereitet Drachme-Einführung vor

    London (BoerseGo.de) - Der weltgrößte private Gelddrucker De La Rue bereitet sich Informationen von Reuters zufolge auf die Wiedereinführung der griechischen Drachme vor.

    Die Nachrichtenagentur berief sich am Freitag auf einen Insider, der von Vorbereitungen für den Fall des Ausscheidens von Griechenland aus der Euro-Zone berichtete.

    Der Konzern druckt die Banknoten für mehr als 150 Währungen, wobei die griechische Drachme zuletzt vor rund zwei Dekaden bereitgestellt wurde. Neben Staatsdruckereien würden auch Privatkonzerne wie De La Rue dann für die Produktion der Banknoten sorgen. Die Aktie des Konzerns hat seit Anfang April um rund 15 Prozent zugelegt.

    Sollte Griechenland aus der Euro-Zone austreten, könnten sich daraus nach Meinung von Marktexperten erhebliche Ansteckungsgefahren für andere Länder des Euro-Raums ergeben. Ob das Land in der Euro-Zone verbleiben wird, dürfte sich am 17. Juni nach den Neuwahlen entscheiden. Die pro-europäischen Parteien könnten laut dem griechischen Fernsehsender Alpha gemäß einer neuen Umfrage zusammen auf 164 der 300 Parlamentssitze kommen. Für eine weitere Umsetzung der Sparprogramme der Troika werden mehr als 150 Stimmen benötigt.

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